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Sachsenring: Wer letzte Nacht am besten geschlafen hat

Marc Marquez ist drauf und dran zum sechsten Mal MotoGP-Weltmeister zu werden - Wie er den Unterschied macht und warum er sich den Erfolg zurecht verdient

Marc Marquez

Klassenübergreifend gewann Marquez auf dem Sachsenring zum zehnten Mal Zoom

Liebe MotoGP-Fans,

58 WM-Punkte Vorsprung sind nach neun Rennen eine klare Ansage. Kein anderer MotoGP-Fahrer wird so entspannt und beruhigt in den Sommerurlaub starten wie Marc Marquez. Natürlich stehen noch zehn Grands Prix im Kalender, aber wenn nichts Großartiges passiert, viel Pech oder Verletzungen, dann wird Marquez 2019 zum sechsten Mal MotoGP-Weltmeister werden - zum vierten Mal hintereinander.

Das Sahnehäubchen für die Familie Marquez sind die derzeitigen Erfolge von Alex in der Moto2-Klasse. Mit seinem vierten Saisonsieg auf dem Sachsenring hat der jüngere Bruder von Marc wieder die WM-Führung übernommen. Auf Alex wartet in der zweiten Saisonhälfte eine schwierigere Aufgabe als auf Marc. Aber die Chancen stehen gut, dass beide Brüder Weltmeister werden. Und vielleicht sehen wir beide nächstes Jahr in der MotoGP.

Marc Marquez macht als Fahrer den Unterschied

Die derzeitige Form von Marc Marquez ist aus mehrerer Hinsicht außergewöhnlich. Mit Ausnahme vom Sturz in Austin hat er alle Saisonrennen als Erster oder Zweiter beendet. Blickt man auf die vergangene Saison und zieht die beiden Ausfälle auf Phillip Island und Valencia (als er eh schon Weltmeister war) ab, dann war Marquez seit Spielberg - also seit fast einem Jahr - immer Erster oder Zweiter, wenn er ins Ziel gekommen ist.

Und ich denke, wir sind uns alle einig, dass Marquez den Unterschied macht. Klar, ohne gutem Motorrad kann auch der beste Fahrer der Welt nicht so eine Erfolgsserie hinlegen. Aber wenn man sich ansieht was die anderen Honda-Fahrer so machen, dann gibt es schon eine deutliche Diskrepanz. Ist das weil die RC213V auf Marquez zugeschnitten ist? Von außen ist das schwer zu beurteilen, aber ich würde das verneinen.

Honda hat versucht einen stärkeren Motor zu bauen, um der Ducati-Rakete Paroli bieten zu können. Schon in den vergangenen Jahren lautete die Honda-Taktik, dass man sich im Winter auf den Motor konzentriert, weil man während der Saison kein Update bringen darf. Und dann hat man an allem anderen wie Chassis, Dämpfung, Gewichtsverteilung und Elektronik gearbeitet. Diese Taktik verfolgt man auch in diesem Jahr.

Marquez kann die Honda-Probleme kompensieren

Im Gegensatz zu den anderen Honda-Fahrern kann Marquez die Handlingprobleme besser kompensieren. Bei den TV-Übertragungen sehen wir regelmäßig Grafiken, wie Marquez mit Schräglagen bis zu 66 Grad um die Kurven fährt. Das ist natürlich auch mit viel Risiko verbunden, aber er kann das beherrschen und macht so den Unterschied. Das erkennt auch Cal Crutchlow an, der offen zugibt, dass er das nicht kann: "Nein und ich werde das nie tun. Es ist nicht mein Fahrstil."

Trotz des Risikos hat Marquez alles unter Kontrolle. Seine Taktik in diesem Jahr ist ebenfalls bemerkenswert. Er versucht früh an die Spitze zu kommen und dann allen wegzufahren. Einerseits demonstriert er damit aller Welt seine derzeitige Überlegenheit. Andererseits kann er sich somit aus allen strittigen Situationen, von denen es in den vergangenen Jahren genug gab, raushalten. Was so einfach und für uns Zuschauer manchmal langweilig wirkt, muss man aber erst einmal umsetzen.

Und wenn ein seltener Tag vorkommt, an dem Marquez nicht gewinnen kann, dann versucht er clever das bestmögliche Ergebnis mitzunehmen. Und das ist in der Regel immer noch ein Podestplatz. Das schafft derzeit kein anderer Fahrer im Feld. Die Zeiten des wilden Marquez, der auf Biegen und Brechen unbedingt jedes Rennen gewinnen will, sind lange vorbei. Speed, Instinkt, Übersicht - man kann Marquez viele Superlative zuschreiben.

Ich denke, es ist auch seinen Kritikern (und Hatern) klar, dass wir derzeit die Ära Marquez erleben. Er zählt zweifellos zu den besten Motorradrennfahrern aller Zeiten. Und wenn er eines Tages seine Karriere beendet hat, werden wir alle zurückblicken und von seiner atemberaubenden Fahrzeugbeherrschung schwärmen. Denn er macht mit seinem Können den Unterschied und verdient sich diesen Erfolg. Und ohne Marquez würden wir wohl von der größten Honda-Krise aller Zeiten sprechen ...

Ihr,

Gerald Dirnbeck

P.S.: Die Kolumne "Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat" finden Sie auf unserer Schwesterseite Motorsport.com.

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