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  • 23.04.2017 · 03:39

  • von Juliane Ziegengeist & David Emmett

Nach Quali-Erfolg: Jorge Lorenzo peilt in Austin die Top 5 an

Erstmals in den Top 10 und erstmals vor Teamkollege Andrea Dovizioso: Ducati-Pilot Jorge Lorenzo verzeichnet in Austin ein Erfolgserlebnis - "Ergebnis guter Arbeit"

(Motorsport-Total.com) - Ist der Knoten geplatzt? Am seinem dritten Rennwochenende auf der Ducati konnte Jorge Lorenzo im Qualifying erstmals in die Top 10 vordringen. Nachdem er sich im Q1 den Einzug in die zweite Qualifyingsession vollständiger Bericht hier gesichert hatte, fuhr der Spanier sogar auf Startplatz sechs vor. Damit verzeichnete er nicht nur sein bis dato bestes Quali-Ergebnis, sondern landete im teaminternen Duell mit Andrea Dovizioso auch einen Platz vor dem Italiener.

Jorge Lorenzo

Jorge Lorenoz gewinnt mehr und mehr Vertrauen zu seiner Ducati Zoom

"In den vergangenen Jahren wäre ich mit einem sechsten Platz nicht glücklich gewesen", gibt Lorenzo zu. "Aber gemessen daran, wo wir standen, bevor wir hierher kamen, nach den schlechten Rennen in Katar und Argentinien sowie der durchwachsenen Vorsaison, ist das ein gutes Ergebnis. Wir können durchatmen." In Austin gelang dem 29-Jährigen bisher zum ersten Mal ein Wochenende ohne größere Katastrophen oder Komplikationen.

So betont Lorenzo weiter: "Das Motorrad ist nicht einfach zu verstehen und unterscheidet sich stark von dem Motorrad, das ich die letzten neun Jahren gefahren bin. Dass mir Kilometer fehlen, ist da nicht positiv. In Katar hat es geregnet. In Argentinien hatten wir Probleme. Hier konnte ich viele Runden fahren." Vor allem die neue Sitzposition auf der 2017er-Desmosedici, die er in Termas de Rio Hondo geändert hatte, konnte Lorenzo ausgiebig testen und bestätigt die positiven Eindrücke.

Lorenzo "zu weit weg von Marquez und Vinales"

"Mit der neuen Ergonomie haben wir einen Schritt nach vorn gemacht. Ich konnte heute aggressiver und mit mehr Entschlossenheit fahren. Das Ergebnis ist Resultat unserer guten Arbeit", sagt er zufrieden, wenngleich er anerkennt, das die Konkurrenz deutlich schneller unterwegs ist. Lorenzo fehlten im Qualifying 1,4 Sekunden auf Pole-Setter Marc Marquez (Honda), Dovizioso hatte 1,690 Sekunden Rückstand auf die Spitze.


MotoGP in Austin

Allerdings spielten Marquez und sein direkter Verfolger Maverick Vinales (Yamaha) am Samstag auch in einer komplett eigenen Liga und distanzierten den Drittplatzierten Valentino Rossi um beinahe eine Sekunde. "Wir sind noch weit weg von Marquez und Vinales. Die Honda ist insbesondere hier sehr stark. Die Yamahas funktionieren im Allgemeinen sehr gut. Davon sind wir noch weit entfernt", fasst Lorenzo das momentane Ranking zusammen.

Sowohl bei sich selbst als auch beim Bike sieht er Nachholbedarf: "Ich muss mich jedes Mal mehr anstrengen, das Maximum aus dem Motorrad herauszuholen. Und Ducati muss die Schwachpunkte ausmerzen, die wir derzeit haben." Dennoch betont der Spanier, dass er sich von Tag zu Tag besser fühle und näher am Limit sei. Im Rennen gilt es dies nun zu bestätigen. Dabei werden vor allem die Bedingungen und die Reifenwahl eine wichtige Rolle spielen.

Top 5 möglich? "Wichtig ist, das Rennen zu beenden"

Insbesondere den Reifenabbau schätzt Lorenzo kritisch ein. Als Sorgenkind nennt er - wie auch Teamkollege Dovizioso - den Vorderreifen: "Er arbeitet noch nicht so gut." Über das Vorderrad war Lorenzo am Morgen im dritten Freien Training gestürzt und teilte damit das Schicksal vieler Kollegen, die bei schwierigen Bedingungen im Kiesbett landeten. "Möglicherweise waren die Temperaturen für den Medium-Reifen zu niedrig", mutmaßt der Ducati-Pilot.

Andrea Dovizioso

Andrea Dovizioso weiß, wie eng das Feld ist, will aber dennoch ums Podium kämpfen Zoom

Welchen Pneu er für das Rennen bevorzugen wird, wisse er noch nicht: "Wahrscheinlich ist unser Motorrad das einzige, dass das Rennen mit dem weichen Reifen bis zum Ende fahren könnte. Aber das wird von den Bedingungen abhängen." Um seine Physis macht sich Lorenzo auf der körperlich anspruchsvollen Strecke in Austin indes keine Sorgen. "Es wird hart, aber ich bin trainierter denn je und kann mehr Leistung abrufen. Das hilft, die Schwierigkeiten des Motorrads zu bewältigen."

Als Zielstellung für das Rennen würde er seinen Startplatz gern halten. Zu viel Risiko wolle er aber nicht gehen: "Hätte ich das Rennen in Argentinien beendet, könnte ich hier vielleicht etwas mehr Risiko eingehen. Aber ich muss einen weiteren Nuller vermeiden, insbesondere in den ersten Runden", weiß Lorenzo. "Wichtig ist hier, das Rennen zu beenden. Wir werden versuchen, in die Top 5 oder Top 6 vorzudringen. Wenn das nicht möglich ist, dann die Top 10."

Etwa mutiger fällt die Prognose von Ducati-Teamkollege Dovizioso aus, der nach seinem Ausfall in Argentinien auf eine guten Punkteplatz hofft. Zwar räumt er ein: "Wir haben nicht den Speed, um um das Podium zu kämpfen." Eine theoretische Chance auf Platz drei räumt er sich aber dennoch ein: "Der beste Platz, den wir erreichen können, ist der dritte hinter Maverick und Marc. Aber es gibt viele Fahrer, die dafür in Frage kommen."