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Nach Mugello-Flaute: Italien könnte zweiten Grand Prix verlieren

Dorna-CEO Carmelo Ezpeleta sieht die jüngste Zuschauerflaute in Mugello kritisch und will nach Misano prüfen, ob es sich noch lohnt, zweimal in Italien zu gastieren

(Motorsport-Total.com) - Im ersten vergleichsweise normalen Rennjahr seit der Pandemie war die Hoffnung groß, dass ausgehungerte MotoGP-Fans an die Strecken strömen und für volle Ränge sorgen würde. Doch mit Ausnahme von Le Mans fiel das Zuschaueraufkommen seit Beginn der Europatour geringer aus als in den Jahren zuvor.

Marco Bezzecchi

Nach Mugello kamen zwar Fans, aber längst nicht so viele wie in den Vorjahren Zoom

Das wurde zuletzt vor allem in Mugello, wo am Wochenende noch nicht mal die 100.000 geknackt wurde. Viele Faktoren könnten dabei eine Rolle spielen. Da wäre der Rücktritt von Valentino Rossi Ende 2021, der als einer der größten Zuschauermagnete wegfällt. Hinzu kommen die hohen Lebenshaltungskosten, die so manchen Fan bremsen dürften, mehrere Hundert Euro für einen GP-Besuch auszugeben.

Italien ist neben Spanien auch einzige Land im MotoGP-Kalender, das jährlich mehr als ein Rennen ausrichtet. Doch vor dem Hintergrund sinkender Besucherzahlen macht Dorna-CEO Carmelo Ezpeleta keinen Hehl daraus, dass sich das in Zukunft ändern könnte.

Ezpeleta sieht Fehler in der PR-Arbeit

"Mugello ist aus verschiedenen Gründen schlecht gelaufen, die zum Teil auf sie und zum Teil auf uns zurückzuführen sind", sagt der Spanier im Gespräch mit der spanischen Website 'Motociclismo.es' und erklärt: "Der Formel-1-Kalender hat sich geändert, und der Große Preis von Italien fiel mit Monaco zusammen."

"Alles, was mit Ferrari zu tun hat, ist wichtig in Italien. Dieser Zufall ist also ein erster Fehler. Außerdem bin ich der Meinung, dass die Öffentlichkeitsarbeit zu kurz gekommen ist", kritisiert Ezpeleta und ordnet für die Zukunft eine Überprüfung an.

"Wir erhalten eine exorbitante Anzahl von Anfragen für die Ausrichtung von Grands Prix, aber so sehr wir auch darüber diskutieren, ob wir zwei Grands Prix in Italien veranstalten wollen, wenn sie nicht erfolgreich sind, werden wir keine zwei veranstalten."

Zwei Grands Prix in Italien nicht sicher

"Wir haben zwei Grands Prix in Italien, weil sie beide erfolgreich waren. Das beeinflusst die Präsenz vieler italienischer Teams im Fahrerlager. Aber man muss auch ein Publikum haben. Ich werde nicht einen spanischen Grand Prix, zu dem viele Fans kommen, gegen einen in Italien tauschen, der nicht voll ist", warnt Ezpeleta.

Carmelo Ezpeleta

Carmelo Ezpeleta will Misano abwarten, um über Konsequenzen nachzudenken Zoom

Doch der Dorna-CEO sagt auch: "Ich denke, es gibt eine Lösung. Wir müssen daran arbeiten, zunächst einen Termin zu finden, der nicht mit der Formel 1 zusammenfällt. Aber die Tatsache, dass die Meisterschaft nach Italien kommt, mit Aprilia und Ducati an der Spitze, und es sind weniger Leute da, ist unvorstellbar."

Allein auf die Abwesenheit von Rossi will er den Rückgang nicht zurückführen. "Wie schwer das wiegt, werden wir in Misano sehen, denn in Mugello gab es wenig Werbung", wiederholt Ezpeleta und betont: "Es gibt immer noch viele Leute, die seine Kleidung tragen, sein Merchandising kaufen. Valentino hat ein Team, er ist immer dabei, obwohl es nicht dasselbe ist, als würde er selbst noch fahren."

"Ich denke, wir müssen in Italien viel Werbung machen. Es ist unverständlich, dass ein Land, das Teams wie Aprilia und Ducati hat, sowie eine Reihe von Fahrern, die gewinnen können und die dieses Jahr in der MotoGP gewonnen haben, nicht so viele Zuschauer hat."

Interesse an der MotoGP ist weiterhin groß

Ein allgemeines Problem sieht Ezpeleta aber nicht. "In diesem Jahr haben wir außer in Mugello keine weitere Enttäuschung erlebt", sagt er. "Wenn man die anderen Rennen analysiert, waren in Katar die gleichen Zuschauer wie immer, in Indonesien war alles voll, ebenso wie in Argentinien. In den USA waren sogar mehr Leute da."

"Nur Portimao lief schlecht, aber das lag auch daran, dass es schlecht beworben wurde. Das wird für das nächste Jahr in Ordnung gebracht. In Jerez lief es gut. Die Kapazitäten wurden gesenkt, woraus sich der Unterschied zwischen 2019 und diesem Jahr ergab. Dann kam Frankreich und es war ein großer Erfolg."

"Wir sind nicht in schlechter Verfassung, im Gegenteil, wir sind in besserer Verfassung, vor allem in Bezug auf ein sehr wichtiges Thema: die Anzahl der Anfragen von Ländern, die einen Grand Prix ausrichten wollen. Wenn ich 26 Grands Prix austragen könnte, hätte ich die Länder, um das zu tun", hält der Dorna-Chef fest.