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MotoGP-Rückblick 2017: Suzuki trifft falsche Entscheidungen

Mit Andrea Iannone und Alex Rins wurde 2017 der komplette Fahrerkader von Suzuki neu besetzt - Zu früh mussten die Neuzugänge die Entwicklungsrichtung festlegen

(Motorsport-Total.com) - Und die war falsch, wie man sich bei Suzuki im Verlaufe der Saison bewusst wurde. Doch auch hier ist keiner dabei, um dabei zu sein, und in gewagten und rasanten Entwicklungsschritten wurde der Weg in Richtung Spitze zurückgefunden. Nun ist die Basis für 2018 geschaffen, wo Suzuki mit einer neuen Waffe an den Start gehen wird, die dann sowohl Andrea Iannone, als auch Alex Rins über ein Jahr kennengelernt und in vielen kleinen Schritten entwickelt haben. Die Hoffnung ist groß, wieder an die Performance von 2016 anzuknüpfen.

Alex Rins, Andrea Iannone

Suzuki konnte nicht an die guten Leistungen von 2016 anknüpfen Zoom

Suzuki Saison 2017 - Fast Facts
Hersteller-Wertung: 4.
Punkte: 100 (-257)
Team-Wertung: 6.
Punkte: 130 (-378)

Kurz-Fazit: Nach den Erfolgen von 2016 - WM-Rang 4 mit Maverick Vinales, 4 Podeste, 1 Sieg - muss die Saison 2017 bei Suzuki als ernüchternd betrachtet werden. In der Team-Wertung hielt man zwar den vierten Rang hinter Honda, Yamaha und Ducati, doch insgesamt gab es 108 Punkte weniger als im Vorjahr. Eingeschränkt wurde man durch eine Fahrer-Komplettumbesetzung und der daraus resultierenden, zu früh übertragenen Entwicklungs-Verantwortung an zwei Piloten, die die Suzuki GSX-RR nicht kannten. Aus diesen Fehlern will Suzuki lernen.

Fahrer: Andrea Iannone
WM-Rang: 13
Punkte: 70 (-228)
Bestes Qualifying: 2. (1x, Katar)
Bestes Rennen: 4. (1x, Motegi)

Andrea Iannone

Andrea Iannone konnte die in ihn gesetzten Erwartungen nicht erfüllen Zoom

WM-Rang 13, so schlecht hat Andrea Iannone seit 2007 in keiner Weltmeisterschafts-Saison mehr abgeschnitten, damals noch bei den 125ern. Seit er 2013 in die MotoGP kam, war er immer besser als Gesamt-Zwölfter, direkt im ersten Jahr. Im Gegensatz zu den letzten beiden Jahren, schaffte er kein einziges Podest und holte nur 70 Punkte - sein zweitschlechtester Wert nach seiner Rookie-Saison mit 57 Zählern. Drei Top-6-Ergebnisse aus den letzten vier Rennen des Jahres lassen allerdings hoffen, dass die Iannone-GSX-RR-Ehe doch noch eine Erfolgsgeschichte wird.

Fahrer: Alex Rins
WM-Rang: 16
Punkte: 59 (-239)
Bestes Qualifying: 8. (1x, Malaysia)
Bestes Rennen: 4. (1x, Valencia)

Alex Rins

Alex Rins musste zu Saisonbeginn Verletzungen auskurieren Zoom

Bei ganzen fünf Rennen hat Alex Rins verletzungsbedingt gefehlt, dabei hatte er schon im letzten Winter einen Teil des Testprogrammes ebenfalls wegen Verletzungen auslassen müssen. Der Spanier sammelte trotzdem noch 59 Punkte und ließ vor allem auf den letzten Saison-Metern sein Talent blitzen. Rang vier beim Finale in Valencia lässt nicht nur die Suzuki-Fans hoffen, dass 2018 an alten Glanz der Marke angeknüpft werden kann. Dann hat er nicht nur ein Jahr MotoGP-Erfahrung, sondern kennt die GSX-RR auch besser.

Fehlentscheidung in Vorbereitung prägt die Suzuki-Saison

Suzuki musste 2017 komplett umbesetzen. Aleix Espargaro hatte die Kündigung erhalten und ging zu Aprilia, Maverick Vinales witterte den leichten WM-Titel und ging zu Yamaha. Der Linie blieb man bei Suzuki aber Treu: Der erfahrene Pilot Aleix Espargaro wurde durch den erfahrenen Andrea Iannone ersetzt, das aufstrebende Jung-Talent Maverick Vinales durch den Rookie Alex Rins. Das Grundprinzip blieb für 2017 bei der Fahrerwahl also gleich, allerdings wurde dabei eine Komponente nicht richtig in Betracht gezogen: Die Erfahrung mit der GSX-RR. Bereits in der Saisonvorbereitung im letzten Winter mussten die beiden Suzuki-Neulinge daher Entscheidungen bei der Entwicklung treffen, die sich im Nachhinein als falsch - und damit zum damaligen Zeitpunkt als zu viel Verantwortung zu einem zu frühen Zeitpunkt - herausstellten.

Davide Brivio

Teamchef Davide Brivio muss die Entscheidungen verantworten Zoom

"In gewisser Hinsicht war das eine sehr interessante Saison für uns", sagt der Suzuki-Verantwortliche Davide Brivio. "Wir sind seit dem Comeback in unserer dritten Saison. Letztes Jahr war ziemlich gut, sicher besser als erwartet, dieses Jahr sind wir aber wieder auf dem Hosenboden gelandet. Daraus haben wir aber auch wieder viel gelernt."

"Wir sind durch schwierige Zeiten gegangen. Wir hatten beide Fahrer gewechselt und das hat irgendwie unsere Entscheidungen im Winter beeinflusst, gerade technisch gesehen, als die Fahrer noch versucht haben, das Motorrad kennenzulernen und sich damit anzufreunden. Da mussten sie schon wichtige Entscheidungen treffen. Dann, im Verlauf der Saison, haben wir herausgefunden, dass wir mit dem Paket vielleicht nicht die richtige Richtung eingeschlagen hatten."

Doch mit dem einkehrenden Bewusstsein dieser Fehlentscheidungen, packte man diese auch an. "Gleichzeitig haben wir den größten Teil der Saison damit verbracht, uns von diesen Problemen zu erholen und zu lernen. Wir waren gezwungen, verschiedene Bereiche zu finden, wo wir das Motorrad besser machen konnten."

Beide Fahrer noch mal tauschen? Ja!

Zur Entscheidung, beide Stammpiloten auf ein Mal zu tauschen, steht man bei Suzuki allerdings. Wenngleich man im vorigen Jahr dabei ja kaum eine Wahl hatte. "Ja, wir würden noch mal die gleiche Entscheidung treffen", ist sich Brivio sicher. "Das Problem war, als Maverick weg gegangen ist... Wir haben mit unserem Projekt angefangen und in Maverick investiert, haben Aleix genommen, um das Motorrad zu entwickeln, worin er ein Experte ist. Dann hat dieses Projekt plötzlich aufgehört, weil Maverick sich entschieden hatten, weg zu gehen."

Andrea Iannone

Ein vierter Platz ist das beste Saisonergebnis von Andrea Iannone Zoom

Es musste also ein Neustart her. Mit Iannone wurde ein 13-facher Grand-Prix-Sieger angeheuert, mit Erfahrungen aus 31 Podestplätzen und zwischen 2010 und 2012 drei Mal hintereinander Rang drei in der Moto2-Weltmeisterschaft. Letztes Jahr war Iannone auf Ducati in Österreich ein MotoGP-Sieg geglückt.

Große Namen waren zu dem Zeitpunkt, als sich Vinales für den Weggang entschieden hatte, kaum mehr Verfügbar. "Da haben wir dann entschieden, das Projekt noch mal neu anzufangen", erklärt Brivio. "Andrea ist ein Fahrer, der auf das Podest fahren und ordentliche Ergebnisse holen kann. Daran glaube ich, wenn wir alle Probleme in den Griff bekommen. Mit Alex Rins haben wir es versucht, einen Fahrer für die Zukunft aufzubauen, wo ich glaube, dass Alex Rins ein solcher ist. Ich bin happy mit unserer Wahl. Jetzt müssen wir nur alles richtig hinbekommen."

Brivio wird allerdings nicht müde zu betonen, dass man für grundlegende Entscheidungen für Entwicklungs-Richtungen halt Erfahrung braucht. Nicht nur im Rennsport generell, sondern speziell mit dem zur Verfügung stehenden Motorrad. "Wie schon gesagt: Im Winter war es für die Beiden wahrscheinlich etwas zu zeitig bei einigen Entscheidungen, die sie treffen mussten. Das war ein Risiko, welches wir eingegangen sind. Aber, sagen wir mal, aus sportlicher Sicht, war das eine gute Entscheidung. Da werden wir nächstes Jahr davon profitieren."

Aus Fehlern lernen

Was einen nicht umbringt, das härtet ab - und macht hinten rum stärker. Genau so könnte man nun die Einstellung bei Suzuki zur Saison 2018 zusammenfassen. "Wenn wir jetzt auf nächstes Jahr schauen, da werden wir versuchen, alles zusammenzuwerfen und versuchen die Bereiche zu verbessern, wo wir dieses Jahr schwach waren. Wir hoffen, dass wir für die kommende Saison ein besseres Paket haben werden. Wir wollen Fehler vermeiden und die Bereiche verbessern, wo wir uns schwach gefühlt haben. Auch die Fahrer kennen das Motorrad jetzt viel besser, besonders Andrea, der jetzt ein Jahr Erfahrung mit dem Motorrad hat."

Alex Rins

Rookie Alex Rins zeigte im Herbst einen deutlichen Aufwärtstrend Zoom

Auch hofft man, dass das Verletzungspech von Alex Rins nun der Vergangenheit angehört. Der Rookie sammelte seine 59 Punkte nämlich in nur 13 Rennen - bei deren fünf fehlte er verletzungsbedingt. "Er hat aufgrund schwerer Verletzungen die halbe Saison verpasst", weiß Brivio. "Die erste schon im November, dann wieder im April vor Argentinien und dann wieder in Austin. Seit er in Assen zurückgekommen ist, eigentlich ab Brünn, da ist es jedes Rennen besser und besser geworden. Wir hoffen, dass wir nächstes Jahr alles zusammenpacken können. Die Fahrer haben jetzt Erfahrung auf dem Motorrad und das Motorrad sollte besser werden."

Brivio hat den passenden Abschlusssatz für den Saisonrückblick - und den Ausblick - von Suzuki parat: "Wir sollten diese schwierige Saison als Investition für die Zukunft sehen."

Kein Podest - Keine Einschränkungen

Suzuki hat 2017 kein einziges Mal die Top 3 erreicht. Damit hat das Werk in der kommenden Saison wieder mehr Spielraum für die Entwicklung, denn die Konzessionspunkte sind nicht erreicht worden. Damit darf man zum Beispiel wieder mehr Motoren einsetzen und entwickeln. Bei der Konkurrenz stößt dies allerdings auf positives Verständnis. "Ich denke, dass das eine gute Regel ist", so Honda-Principal Livio Suppo. "Ehrlich gesagt, denke ich, dass das sich schon in den letzten Jahren als gut heraus gestellt hat, wenn wir Herstellern helfen, die in Schwierigkeiten sind. Das ist gut für die Meisterschaft."

Andrea Iannone

Theoretisch darf Suzuki 2018 den Motor während der Saison entwickeln Zoom

"Am Ende waren alle Änderungen, die die Dorna in den letzten paar Jahren gemacht hat, positiv", lobt Livio weiter. "Im Moment ist der Kampf zwischen allen Herstellern ziemlich eng. Das ist besser für die Show, darum haben wir so viele, richtig, richtig schöne Rennen mit Fights bis zur letzten Runde gesehen. Das ist für uns alle wichtig. Ich denke, dass wenn Suzuki dieses Jahr Probleme hatte, dass sie nächstes Jahr auch die Vorzüge erhalten soll, die Entwicklung schneller vorantreiben zu können. Was KTM dieses Jahr gemacht hat, ist unglaublich. Ohne diese Regel wäre das nicht möglich gewesen."

Auch Yamaha-Chef Lin Jarvis sieht das so: "Ich bin da voll bei Livio, das kommt uns allen zu Gute. Wenn Suzuki diese Konzessionen nutzen kann, um wieder konkurrenzfähiger zu werden, dann hebt es überall das Level an. Ich denke einer unser Vorteile ist es, im Vergleich zu anderen Top-Motorsport-Disziplinen, dass das Level des Rennsportes dieses Jahr phänomenal war, absolut phänomenal. Und ich glaube, dass wir ein paar fantastische Rennen im Trockenen gesehen habe und wir haben ein paar unglaubliche Rennen im Regen gesehen. Darum, je stärker die Wochenenden sein können, mit allen Herstellern, die dabei sind, desto besser ist es für uns alle."


Fotos: MotoGP in Valencia, Girls


Zustimmung gibt es auch Seitens Ducati, die einst selbst von den Konzessions-Vorteilen profitierten. "Ducati hat von diesen Regeln einen Vorteil gehabt, als wir selbst nicht konkurrenzfähig waren", sagt Paolo Ciabatti von den Roten. "Wir konnten die Entwicklung des Motorrades voranbringen. Als wir dann auf einem Level waren, bei dem wir auf das Podest fahren konnten, haben wir die Konzessionen verloren. Ich denke, dass diese Regel für alle gilt und die ist fair und darum ist diese Meisterschaft so hart umkämpft geworden und sie macht es auch neuen Herstellern möglich, mit einer Chance hier einzusteigen, das Level der Top-Hersteller zu erreichen."

Fazit: Suzuki hat 2017 unter Fehlentscheidungen gelitten, die man sich aber offen selbst ans Revers heftet. Die Grundlage für eine Verbesserung ist, gemachte Fehler zu erkennen und diese zu beheben. Suzuki hat sich offen dazu bekannt, Iannone und Rins zu früh wichtige Entscheidungen bei der Entwicklung treffen gelassen zu haben. Ende der Saison wurde die GSX-RR immer stärker. Mit mehr Freiheiten in der Entwicklung steht zu erwarten, dass Suzuki 2018 wieder zu alter Stärke zurückfindet.

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