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MotoGP-Kolumne Barcelona: Wer letzte Nacht am besten geschlafen hat

Adrenalin übertrumpft Schmerzen: Nach seinem fulminanten ersten MotoGP-Podium kommt für diese Montagskolumne nur einer in Frage, und der heißt Fabio Quartararo

Fabio Quartararo

Noch etwas ungläubig blickt Fabio Quartararo nach P2 auf die Trophäe Zoom

Liebe MotoGP-Fans,

wenn ein Fahrer auf dem Podest beim Großen Preis von Katalonien am Sonntag noch mehr strahlte als Rennsieger Marc Marquez (Honda), dann war das Fabio Quartararo. In seinem siebten Rennen schaffte es der MotoGP-Rookie zum ersten Mal aufs Podest und wurde umjubelter Zweiter. Das sorgte nicht nur auf den Tribünen, sondern auch beim Teamchef von Petronas-Yamaha, Razlan Razali, an der Boxenmauer für Begeisterungsstürme.

Quartararo und seine Crew dürften nach diesem Triumph mehr als gut geschlafen haben. Schließlich war trotz der Pole-Position des 20-Jährigen nicht ganz klar, ob er mit seinem jüngst operierten Arm auch eine ganze Renndistanz überstehen würde. Wir erinnern uns: Am Dienstag nach dem Italien-GP hatte sich Quartararo einer Armpump-OP unterzogen, weil die Probleme in Mugello schlimmer geworden waren.

Richtige Lehren aus Mugello gezogen

Nur zwölf Tage, nachdem er das Krankenhaus verlassen konnte, stürmte Quartararo auf sein erstes MotoGP-Podest. Diese Leistung allein ist schon bemerkenswert. Schaut man sich seinen Rennverlauf ein, war das auch harte Arbeit. Denn in der ersten Runde verlor der Yamaha-Kundenfahrer ganze sieben Positionen, weil er in Kurve 4 mit dem späteren Rennsieger Marc Marquez (Honda) aneinander geriet.


Fotos: Fabio Quartararo, MotoGP in Barcelona, Rennen


Somit war Quartararo nach dem ersten Umlauf nur Achter und musste sich erst wieder nach vorn kämpfen. Gerade das bereitete ihm in Mugello noch große Probleme. Im Verkehr und bei den hohen Temperaturen überhitzten die Reifen der Yamaha, sodass der Franzose nicht über Rang zehn hinauskaum. Doch schon damals betonte er: "Ich habe viele Dinge dazugelernt." Genau das bewies er nun in Katalonien.

Trotz der Hitze und schwierigen Gripverhältnisse konnte er den Anschluss zur Spitzengruppe wieder herstellen. Natürlich profitierte der 20-Jährige dabei auch vom Massensturz vor ihm, in den neben Jorge Lorenzo (Honda) auch Andrea Dovizioso (Ducati) und die beiden Werksyamaha verwickelt waren. Den zweiten Platz erkämpfte sich Quartararo aber schließlich aus eigener Kraft.

Quartararo trotzt den Schmerzen im Arm

Dabei agierte der MotoGP-Rookie clever und schaute sich den Zweikampf zwischen Danilo Petrucci (Ducati) und Alex Rins (Suzuki) zunächst eine ganze Weile an. Während die beiden sich gegenseitig immer weiter aufrieben, schonte Quartararo seine Reifen und wartete ab. Als Rins sich verbremste, übernahm er Rang drei und presste sich sechs Runden vor Ende des Rennens auch an Petrucci vorbei.

"Dank des Adrenalins im Kampf um das Podium - und der Medikamente - störte mich mein Arm im Rennen nicht so sehr", verriet er nach der Zieldurchfahrt als Zweiter. "In den letzten Runden begann mein Arm sehr zu schmerzen, aber die Belohnung, auf dem Podium zu stehen, ist viel größer. Vor zwölf Tagen wurde ich operiert, und jetzt bin ich auf dem Podium." Eine bärenstarke Leistung, die auch der Konkurrenz Respekt abringt.

Quartararo hat ihr und seinen Kritikern gezeigt, dass er nicht nur auf eine Runde gesehen schnell ist. Konnte er bisher vor allem in den Qualifyings auftrumpfen, kam aber am Rennsonntag nie über Platz sieben hinaus, ist dieser Bann jetzt gebrochen. Vielleicht war es auch ausgerechnet sein allererster Sturz in der MotoGP, der dabei eine Rolle gespielt und ihm noch mehr Selbstvertrauen gegeben hat.

Auf dem besten Weg zum Premierensieg

In allen Tests, Trainings und Rennen war er zuvor crashfrei geblieben. Ein Rekord, der dem Franzosen selbst ein wenig unheimlich erschien, weshalb sein Ausrutscher im dritten Freien Trainings durchaus einen psychologischen Effekt gehabt haben könnte - zumal Quartararo genau wusste, warum er passiert war. Der erste Sturz und das erste Podium sind damit abgehakt - folgt bald der erste Sieg?

Ich halte das für durchaus realistisch, auch wenn Marquez diese Saison schwer zu schlagen ist und in Barcelona aufgrund des Massencrashs besondere Umstände herrschten. Quartararo antizipiert schnell und hat mittlerweile nicht nur den Speed, sondern auch das strategische Vermögen, um in den kommenden Rennen vorne mitzufahren und die nächste Sensation zu schaffen.

Ihre

Juliane Ziegengeist

P.S.: Die Kolumne "Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat" finden Sie auf unserer Schwesterseite Motorsport.com. Dieses Mal dreht sich alles um Cal Crutchlow.

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