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KTM verspricht für 2021: Mehr Leistung trotz höherer Laufleistungen

Technikdirektor Sebastian Risse spricht exklusiv über den Motor der KTM RC16 und erklärt, warum der Dunlop-Reifenabrieb der Moto2/Moto3 so problematisch ist

(Motorsport-Total.com) - KTM steht vor der fünften Saison in der MotoGP. Im vergangenen Jahr feierten die Österreicher die ersten Laufsiege in der Königsklasse. In diesem Jahr soll ein weiterer Schritt folgen. Doch im Vergleich zum Vorjahr muss KTM mit weniger Motoren auskommen, da die nötigen Konzessions-Punkte erreicht wurden, um die Vorteile im Reglement zu verlieren.

KTM RC16

KTM RC16: Durch die Erfolge 2020 gingen die Vorteile im Reglement verloren Zoom

Über den Winter musste KTM das Triebwerk der RC16 modifizieren, um längere Laufleistungen zu erreichen. Wir haben uns exklusiv mit Technikdirektor Sebastian Risse unterhalten und hinterfragt, ob dadurch die Leistung des V4-Triebwerks nachgelassen hat. Im Video-Interview, das Sie auf unserem YouTube-Channel sehen können, beantwortet Risse vor dem Start der MotoGP-Saison 2021 weitere spannende Fragen.

"Es war viel Arbeit im Hintergrund nötig, um dahin zukommen", bemerkt KTM-Technikdirektor Sebastian Risse mit Blick auf den 2021er-Motor, der längere Laufleistungen erreichen soll. Stolz ist der KTM-Verantwortliche, dass die Leistung dennoch auf dem Niveau des 2020er-Motors liegt und dieses sogar übertrifft.

Mehr Leistung trotz längerer Laufleistungen

"Alle Fahrer konnten den neuen Motor mit dem letztjährigen Motor vergleichen. Sowohl laut Daten als auch laut Fahreraussagen haben wir keinen Schritt zurück machen müssen", erklärt Risse und warnt: "Natürlich heißt das nicht, dass sich ein Motor nach 2.000 Kilometern genau so anfühlt wie nach null Kilometern."


Was sich KTM von der MotoGP-Saison 2021 verspricht

Technikdirektor Sebastian Risse im Interview: KTM hat nach den Siegen 2020 große Erwartungen, doch beim Vorsaison-Test in Katar fuhr man hinterher Weitere Motorrad-Videos

"Der Motor ist mit weniger Laufleistung frischer. Das ist ein Thema, das wir intensiver managen müssen als in den Jahren zuvor, weil man öfter mal neue und alte Motoren mischt. Es kommt vor, dass man in den beiden Bikes unterschiedliche Motoren hat oder man von einem Tag zum anderen den Motor wechselt. Darauf muss man mit der Elektronikabstimmung eingehen", nennt Risse eine neue Herausforderung für die Saison 2021.

Stolz ist der KTM-Technikdirektor über die Werte auf dem Prüfstand. "Die reine Leistung ist nach oben und nicht nach unten gegangen", verkündet Risse. Beim Test in Katar fuhr KTM allerdings hinterher. Über 1,3 Sekunden Rückstand hatte Speerspitze Miguel Oliveira, der 16. wurde.

Was die KTM RC16 besser kann als die Maschinen der Konkurrenz

KTM konnte in Losail die Stärke der RC16 nicht richtig nutzen. Dafür machten sich die Defizite im Kurvenverhalten bemerkbar, wie er im ersten Teil des Interviews erklärt. Doch was kann die RC16 im Vergleich zur Konkurrenz besser?

"Das Gefühl für die Front und die Fähigkeit, am Kurveneingang zu verzögern und einzulenken, war schon immer besser als der Rest vom Motorrad", erklärt Risse. "Das ist nach wie vor so, auch wenn sich das Niveau gehoben hat."

Sebastian Risse

KTM-Technikdirektor Sebastian Risse stellte sich exklusiv den Fragen Zoom

"Das zeigt sich speziell in Kurven, in denen man mit hoher Geschwindigkeit verzögert, um den Kurvenausgang vorzubereiten", beschreibt Risse und fügt hinzu: "Es zeigt sich eher bei Bedingungen, bei denen man harte anstatt weiche Reifen fährt. Diese Bedingungen gibt es in Katar nicht."

Wie stark ändern sich die Kräfteverhältnisse durch den Dunlop-Abrieb?

Gespannt sein darf man, wie sich die Kräfteverhältnisse ändern, wenn bei den Renn-Wochenenden die kleinen Klassen vor den MotoGP-Sessions auf der Strecke unterwegs sind. In der Vergangenheit zeigte sich, dass durch die Dunlop-Reifen in der Moto2 und Moto3 die Haftung nachlässt. Die Yamaha M1 reagierte oft sehr sensibel auf nachlassenden Grip. Macht sich auch KTM Sorgen?

Portimao Start

Am Renntag finden die Piloten oft andere Bedingungen vor, was den Grip angeht Zoom

"Mein Eindruck ist, dass alle Hersteller ähnlich darauf reagieren. Der Gripverlust ist für alle ähnlich. Doch manche Motorräder kommen mit einem Gripverlust besser zurecht als andere", bemerkt Risse und erklärt: "Wenn ich aus dem Arbeitsfenster der Abstimmung herausfalle, bekomme ich größere Probleme, als wenn ich gerade in das Fenster komme und dadurch Probleme lösen konnte, die durch zu viel Grip entstanden sind."

"Es kommt auf die jeweilige Situation und Rennstrecke an. Auf Rennstrecken mit gutem Grip ist das Problem geringer als auf Strecken mit wenig Grip, auf denen man ohnehin schon am Limit ist und dann dieses bisschen Grip noch genommen wird", so der KTM-Experte.

Welche Strecken liegen der KTM RC16 am meisten?

Der Losail International Circuit, auf dem die beiden ersten Rennen der Saison stattfinden, gilt nicht als KTM-Strecke. Doch welche Kurse bringen die Stärken der KTM RC16 ans Tageslicht? "Glücklicherweise ist Spielberg definitiv dabei", freut sich Risse. "Das ist eine Strecke, auf der wir unsere Stärken ausspielen können, auf der die Reifen auf unserem Motorrad sehr gut funktionieren."


Fotos: MotoGP-Test 2021 in Doha (2)


"Grundsätzlich sind wir auf Motorstrecken stark und auf Strecken mit harten Bremszonen. Brünn hat uns aus anderen Gründen gut gelegen. Diese Strecke passt nicht in dieses Schema. Das lag an den speziellen Reifen, die zur Verfügung standen. Das ist ein Aspekt, den man nicht vorhersehen kann", bemerkt der KTM-Technikdirektor.

"Letztendlich kennen wir teilweise die Reifen nicht, die zum Einsatz kommen. Das wird sich noch herausstellen", erklärt Risse und schaut auf das dritte Renn-Wochenende der Saison 2021: "Wir freuen uns sehr auf Portugal. Das hat teilweise mit dem Motorrad zu tun, aber sehr viel mit dem Fahrer. Miguel wird wieder eine Macht sein."

Konstante Spitzenergebnisse oder nur einzelne Highlights?

Mit drei Laufsiegen war KTM im Vorjahr nach Yamaha der Hersteller mit den meisten Siegen. Doch Miguel Oliveira und Brad Binder, die KTM die Siege bescherten, schafften es bei keinem der weiteren Rennen aufs Podium. Pol Espargaro holte für KTM sechs Top-3-Ergebnisse und war als WM-Fünfter der beste KTM-Pilot. Doch der Spanier ist 2021 nicht länger Teil des KTM-Fahreraufgebots. Droht KTM eine Saison mit Höhen und Tiefen?

"Das ist im Moment schwer vorauszusagen", grübelt Sebastian Risse und erklärt: "Letztendlich ist es eine Herausforderung, eine Fahrerpaarung zu haben, die sich verjüngt hat. Wir haben mit Danilo Petrucci aber auch einen sehr erfahrenen Fahrer dazubekommen. Dieser hat aber keine Erfahrung mit unserem Motorrad."

Miguel Oliveira; Brad Binder

Brad Binder und Miguel Oliveira wollen 2021 konstant vorne mitmischen Zoom

"Wir wissen aus den vergangenen Jahren, dass die Spirale nach unten oder nach oben gehen kann. Wenn man ein Zugpferd hat, dann zieht das alle mit. Wenn ein Zugpferd fehlt, dann gehen alle Ergebnisse schnell nach unten. Dann verliert man sich auch schnell in der Entwicklung", so Risse.

"Wir werden alles daran setzen, damit das nicht passiert. Miguel hat sich bisher als sehr starker Anführer hervorgetan bei diesen Wintertests. Er hat das größte Testprogramm übernommen und klare Aussagen getroffen. Er hat eine Konstanz erreicht, die uns im Vergleich zu den vergangenen Jahren beeindrucken wird", zeigt sich der KTM-Technikdirektor zuversichtlich.

Wo steht KTM in der fünften MotoGP-Saison?

Auf Grund der Siege und Podestplätze im Vorjahr sind die Erwartungen in diesem Jahr deutlich größer als in der Vergangenheit. Womit wäre KTM zufrieden? "Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass es zu Beginn einer neuen Saison sehr schwer zu sagen ist", grübelt Sebastian Risse.

"Natürlich haben wir im vergangenen Jahr ein gewisses Level erreicht. Wir wollen keine Rückschritte machen sondern nach vorne gehen", kommentiert der KTM-Technikdirektor. "Aber es ist auch so, dass jeder Hersteller über den Winter viel entwickelt hat."

"Man sieht erst jetzt, was ein ganzes Jahr lang hinter den Kulissen gelaufen ist. Wenn sich die Referenz bewegt, dann muss man sich neue Ziele setzen. Wir müssen schauen, wo die anderen stehen, um genauere Auskünfte abgeben zu können", so Risse.

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