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Drei Saubermänner crashen in Jerez: Wer hat Schuld?

Jorge Lorenzo, Dani Pedrosa und Andrea Dovizioso können sich nicht auf einen Schuldigen am bizarren Unfall einigen - Wahrscheinlich, weil es keinen gibt

(Motorsport-Total.com) - Eine äußerst bizarre Kollision beendete auf einen Schlag die Rennen in Jerez de la Frontera von den Ducati-Piloten Jorge Lorenzo und Andrea Dovizioso sowie von Dani Pedrosa, der eigentlich gerne einen Doppelerfolg für HRC beim spanischen MotoGP-Lauf sichergestellt hätte. In einer äußerst merkwürdigen Szene kollidierten zunächst Lorenzo und Pedrosa am Ausgang der Dry-Sack-Haarnadel auf dem Circuito do Jerez. Pedrosa wurde per Highsider abgeworfen, Lorenzo ging mit dem Vorderrad zu Boden und riss dabei Dovizioso mit. Für alle drei war das Rennen sofort beendet.

Jorge Lorenzo, Andrea Dovizioso, Daniel Pedrosa

Da saßen sie noch auf ihren Maschinen: Wenig später folgte ein kurioser Unfall Zoom

Doch wie ist das Ganze zu bewerten? Drei Piloten, die zu den saubersten Fahrern auf der Strecke zählen, räumen sich gegenseitig ab - da ist jede Menge Pech im Spiel. "Saudumm gelaufen", wie man im deutschsprachigen Raum zu sagen pflegt. Einig sind sich alle: Dovizioso trifft definitiv keine Schuld, wenn auch sein Ausbremsversuch gegen Lorenzo das Ganze ausgelöst hat. Aber Lorenzo und Pedrosa kommen auf keinen gemeinsamen Nenner. Es ist gut möglich, dass eine Grundsatzdiskussion her muss: Wer trägt zu welchem Zeitpunkt in einer Kurve mehr Verantwortung?

Ist das ungeschriebene Gesetz unzureichend?

Bislang gilt ein ungeschriebenes Gesetz im Zweiradsport: Der Hinterherfahrende trägt eine erhöhte Verantwortung, weil es keine Rückspiegel gibt. Das wäre in diesem Falle Pedrosa. Dovizioso erklärt: "Wenn man hinten liegt, kann man die Situation vor einem besser einschätzen. Er ist eine normale Linie gefahren, aber war am Kurveneingang schneller als normal. Denn in der Position will man die anderen Fahrer (beim Rausbeschleunigen; Anm. d. Red.) blockieren. Der größere Fehler kam also von Dani."

Auch Lorenzo verweist auf die inoffizielle Zweirad-Regel, dass der Hinterherfahrende die meiste Verantwortung trägt: "Der dritte Fahrer ist der, der am meisten von der Situation sieht, denn wir haben im Hinterkopf ja keine Augen. Ich hätte auch lieber vier Augen, aber das ist ja leider nicht möglich."

Pedrosa hingegen will es nicht auf sich sitzen lassen, dass die Ducati-Piloten ihm den Unfall in die Schuhe schieben wollen: "Nein, ich war nicht schneller als normal, sonst hätte ich doch meine Linie gar nicht halten können. Sie waren langsamer, weil sie weiter außen fuhren. Es ist einfach so, dass Jorge nach einem Ausbremsversuch die Linie von Dovi gekreuzt hat, und dabei die Position zurückgewinnen wollte. Dabei hat er mich übersehen."

Und das ungeschriebene Gesetz? Hier kommt es genau an seine Grenzen, wie Pedrosa aufzeigt. Ab dem Moment des Einlenkens in die Kurve sieht er jene erhöhte Verantwortung des Hinterherfahrenden aufgehoben: "Ich war komplett auf die rechte Seite des Motorrads gelehnt und hätte nicht einmal etwas sehen können, wenn ich es gewollt hätte. Es war Lorenzo, der mich hätte sehen können. Auch bin ich der Meinung, dass wenn man von der Ideallinie abkommt, man erst nachschauen muss, ob jemand da ist."

Lorenzo wusste nicht einmal von Pedrosas Anwesenheit

Den Fehler haben seines Erachtens allenfalls die beiden Ducati-Fahrer gemacht: "Was ich sagen kann, ist, dass ich gesehen habe, wie beide weit gegangen sind. Ich habe auf einen Fehler von ihnen gewartet, weil ich auf der Geraden nicht mithalten konnte. Und da haben sie ihn gemacht."

Nicht nur für Pedrosa trägt Lorenzo mindestens eine Teilschuld. Auch Dovizioso nimmt seinen Teamkollegen nicht aus der Verantwortung: "Jorge hat nicht gecheckt, ob da jemand war und hat sich nicht um die Fahrer hinter ihm gekümmert. Er hat zu spitz die Linie gewechselt, um bestmöglich zu beschleunigen. Letztlich sind beide schuld. Und ich gehe mit null statt 20 Punkten nach Hause."

Lorenzo entgegnet, dass er sich nicht einmal bewusst gewesen sei, dass neben Dovizioso auch Pedrosa in Schlagdistanz war. Deshalb hatte er auch nicht nach rechts geschaut. "Heute habe ich Juanito, der meine Boxentafel raushält, gesagt, dass er mir nur den Fahrer direkt hinter mir durchgeben soll. Aber selbst wenn sie einem 'G3' raushalten, heißt das nur, dass zwei Fahrer hinter einem sind. Und man weiß nie, wie dicht der dritte Fahrer jetzt wirklich ist."

Und so kam es, dass er von dem Schlag auf der rechten Seite völlig überrascht wurde: "Das ging alles so schnell. Ich habe natürlich versucht, mit einem engen Kurvenausgang bestmöglich zu beschleunigen und dann war da plötzlich Dani, den ich offensichtlich nicht gesehen habe. Wir sind wie Dominosteine gefallen. Das ist sehr unglücklich vor allem für Andrea und Ducati, die ja um die Weltmeisterschaft kämpfen."

Er stellt im selben Atemzug auch klar, dass er nicht mit dem Finger auf jemanden zeigen wolle: "Wir sind drei der saubersten Fahrer im ganzen Starterfeld. Wir haben uns alle drei einfach nur ungünstig zueinander bewegt und sind alle auf dem Hosenboden gelandet. Normalerweise sind wir nicht in solche Aktionen verwickelt. Deshalb will ich jetzt sagen, dass das die Schuld von dem oder dem ist." Alle drei Fahrer stellen klar, dass sie es für richtig erachten, dass die Rennleitung keine Strafen verteilt hat. Pedrosa ärgert sich trotzdem, dass der Fall entschieden wurde, ohne dass man ihn angehört hätte.

Zarco konnte sein Glück nicht fassen

Erster Profiteur des Unfalls war Tech-3-Pilot Johann Zarco, der auf einen Schlag von Platz fünf auf Rang zwei nach vorne gespült wurde und diesen bis ins Ziel hielt. "Er habe ich gesehen, dass da viele Motorräder liegen", erinnert er sich. Scheinbar hatte er im ersten Moment an eine Kollision beim Überrunden gedacht. "Erst habe ich die HRC-Maschine gesehen, aber als ich realisiert habe, dass die anderen die zwei Ducatis waren, konnte ich es nicht glauben, dass alle drei zu Boden gegangen sind", staunt er nicht schlecht.

Cal Crutchlow, der zum Zeitpunkt der Kollision durch einen eigenen Sturz bereits ausgefallen war und sich die Bilder am Monitor anschauen konnte, analysiert: "Ich denke, es war 50:50, denn man kann auf der Rennstrecke nicht den Blinker setzen. Sicher ist, dass es nicht Dovis Schuld war. Aber weil ich ohnehin nicht beteiligt war, ist mir das ziemlich Latte."

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