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"Er war eine Überraschung": Rossi von Bezzecchis Entwicklung beeindruckt

Wie aus dem Nichts tauchte Marco Bezzecchi auf und kämpfte 2018 um die Moto3-WM - Davon zeigt sich auch sein Mentor Valentino Rossi überrascht und beeindruckt

(Motorsport-Total.com) - Marco Bezzecchi war der große Überraschungsmann der Moto3-Saison 2018. Im Vorfeld wurden neben Jorge Martin auch Namen wie Aron Canet, Enea Bastianini und Fabio di Giannantonio zum Kreis der WM-Anwärter gezählt. Während Martin seiner Rolle als Geheimfavorit gerecht wurde und mit elf Pole-Positions klar der schnellste Mann des Jahres war, fuhr sich Bezzecchi ins Rampenlicht. Bis zum vorletzten Rennen kämpfte der Italiener um den WM-Titel, bis schließlich Martin in Sepang den großen Pokal gewann.

Marco Bezzecchi

Lockenpracht wie der junge Valentino Rossi: Marco Bezzecchi Zoom

Bezzecchi ist Teil der VR46 Nachwuchsakademie von Valentino Rossi. Der Superstar hätte nicht damit gerechnet, dass "Bez" so eine starke Saison zeigen würde. "Martin und Bezzecchi haben in dieser Saison etwas Besonderes geschafft", lobt Rossi die beiden Youngster. "Ich habe von Martin mehr als von Marco erwartet. Er ist mehr eine Überraschung, worüber wir uns sehr freuen. Beide haben es sich verdient, denn sie sind meistens auch in den Trainings die stärksten Fahrer."

Rossi fördert viele italienische Nachwuchsfahrer, darunter auch die beiden Moto2-Weltmeister Franco Morbidelli und Francesco Bagnaia, die beide 2019 MotoGP fahren werden. In der Regel beginnt die Förderung schon in jungen Jahren. "Wir haben mit Marco die Zusammenarbeit begonnen, nachdem er in der italienischen Meisterschaft gefahren ist. Er hat mit di Giannantonio gekämpft, aber alle haben gesagt, dass di Giannantonio schneller ist als Marco."

Schwierige erste Saison mit Mahindra

Di Giannantonio fährt seit 2016 für das Topteam Gresini und mischte schon bald im Moto3-Spitzenfeld mit, während Bezzecchi 2017 in seiner ersten kompletten WM-Saison mit Mahindra Schwierigkeiten hatte. Höhepunkt war ein dritter Platz im verregneten Motegi (Japan). Mit 20 Punkten beendete er die Saison auf Gesamtrang 23. Nur wenig deutete darauf hin, dass Bezzecchi nach seinem Wechsel ins deutsche Prüstel-Team und auf eine KTM derart durchstarten würde.

Marco Bezzecchi

Im verregneten Motegi eroberte Bezzecchi mit Mahindra seinen ersten Podestplatz Zoom

"Als er die Chance bekommen hat, hat er immer seine Pace demonstriert", lobt Rossi. "Im Nassen hatte er in Motegi einen Podestplatz, aber wir haben nicht gedacht, dass er um den WM-Titel kämpfen kann. Er hat mich beeindruckt, weil er sich mental deutlich verbessert hat. Nach den Wintertests hat er gleich probiert, um den WM-Titel zu kämpfen. Die meisten KTM-Fahrer waren frustriert, weil auf dem Papier Honda stärker war. Er hat aber nie aufgegeben, hat in Argentinien gewonnen und dann viele Podestplätze erobert."

Warum 2018 diese Steigerung? Rossi weiß es nicht...

Aber warum gelang Bezzecchi diese Steigerung? Lag es an der Arbeit der VR46-Akademie auf Rossis Ranch oder bei Trainings in Misano? "Ehrlich gesagt weiß ich nicht, warum er sich so gesteigert hat. Das lag gar nicht so sehr an uns, sondern an ihm selbst", glaubt der neunmalige Motorrad-Weltmeister. Drei Siege feierte Bezzecchi in dieser Saison. Dazu stand er sechsmal auf dem Podest. Auf der anderen Seite gab es vier Ausfälle durch Stürze oder Unfälle.

In Sepang versuchte Bezzecchi das Titelrennen wieder an sich zu reißen. Er führte das Rennen an und lag im virtuellen Zwischenklassement tatsächlich wieder voran. In der Schlussphase drehte Martin die Situation wieder um, übernahm die Führung, setzte sich ab und eroberte seinen siebten Saisonsieg. Da gleichzeitig Bezzecchi in der letzten Runde bis auf Platz fünf zurückfiel, war die Titelentscheidung gefallen.

Enttäuschung nach verpasster WM-Chance in Malaysia

"Ich kann leider im Moment nicht viel sagen, ich bin einfach sehr enttäuscht", meinte Bezzecchi kurz nach seiner WM-Niederlage. "Wir haben alles gegeben, doch am Ende hat das Quäntchen gefehlt. Ich bedanke mich bei allen, die mir diesen Weg ermöglicht haben. Und auch, wenn wir uns das Finale anders vorgestellt haben, so können wir allesamt stolz sein auf unsere Leistungen. Danke an mein Team, an KTM, an unsere Sponsoren und Fans und an Valentino Rossi und die VR46 Riders Academy, die mir alle über die Saison hin den notwendigen Support gegeben haben."

Jorge Martin, Marco Bezzecchi

Jorge Martin (li.) und Marco Bezzecchi (re.) waren die Fahrer der Moto3-Saison 2018 Zoom

Lobende Worte für seinen Gegner findet der neue Weltmeister. Martin sagt in der Stunde seines größten Erfolges: "Zu Beginn habe ich nicht mit Marco gerechnet, niemand hat das. Aber er fuhr im Vorjahr mit Mahindra und war mit der KTM sofort viel schneller. Zu Saisonbeginn war er nicht so stark, aber er schaffte es immer auf das Podest. Schritt für Schritt hat er sich verbessert und am Ende waren wir beide mehr oder weniger auf dem gleichen Level. Er ist ein sehr guter Gegner."

Im nächsten Jahr werden beide in die Moto2-Klasse aufsteigen und für KTM fahren. Während Martin im Ajo-Team an den Start gehen wird, macht Bezzecchi im Tech-3-Team von Herve Poncharal den nächsten Karriereschritt.

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