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Video-Updates von Robert Wickens: "Bin ungeduldig, darf aber nicht klagen"

Eineinhalb Jahre nach seinem schweren IndyCar-Crash berichtet Robert Wickens von Rückschlägen und Fortschritten und würde am liebsten Alex Zanardis BMW testen

(Motorsport-Total.com) - Der schwere Unfall von Robert Wickens beim IndyCar-Rennen auf dem Pocono Raceway im August 2018 liegt mittlerweile gut eineinhalb Jahre zurück. Wenn man bedenkt, dass es in den ersten Monaten nach dem Unfall mehr als nur fraglich war, ob der schwer an der Wirbelsäule verletzte Kanadier jemals wieder würde laufen können, hat er seither äußerst eindrucksvolle Fortschritte erzielt.

Robert Wickens

Robert Wickens gibt den Traum nicht auf, eines Tages wieder IndyCar zu fahren Zoom

Anfang Dezember 2019 hatte Wickens via Social Media ein Video gepostet und dazu geschrieben, dass er kurz nach der damals jüngsten Operation in nur drei Tagen rund sieben Pfund Körpergewicht verloren habe - allein durch das Liegen im Krankenhausbett.

An Weihnachten gab Wickens ein weiteres Video-Update, das ihn bei Gehversuchen zeigte, die "im Schneckentempo" abliefen, wie er es selbst bezeichnete.

Mitte Januar 2020 berichtete der Kanadier in einem weiteren Video-Update davon, dass sich sein Gleichgewicht seit Weihnachten "deutlich verbessert" habe. In diesem Zusammenhang versicherte er, sich weiter voll ins Zeug zu legen. Der mittlerweile 31-Jährige ist entschlossen, eines Tages sein Comeback in einem Rennwagen zu geben.

"Glücklicherweise mache ich immer noch Fortschritte, Tag für Tag", sagt Wickens im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com', gibt aber gleichzeitig offen zu: "Natürlich bin ich ungeduldig und wünschte, die Dinge würden etwas schneller vorankommen."

Doch Wickens weiß auch, diesen Wunsch in die Perspektive zu setzen: "Ich darf mich nicht beklagen. Ich hätte schließlich auch überhaupt keine Fortschritte machen können. Deshalb bin ich sehr froh über die Fortschritte, die ich erzielt habe. Und es werden noch mehr kommen."

Fernziel: Wieder Rennen fahren, am liebsten IndyCar

Aus seinem Fernziel macht der trotz des Pocono-Unfalls punktbeste Rookie der IndyCar-Saison 2018 kein Hehl: "Ich werde wieder Rennen fahren. Ich weiß nicht, ob es IndyCar-Rennen sein werden. Das ist das Ziel, aber es gibt eine Menge Hürden, die erst einmal genommen werden müssen."

Denn ganz unabhängig von der Coronavirus-Pandemie, die das IndyCar-Geschehen bis mindestens Mitte Mai zum Erliegen bringt, gibt es bei McLaren SP, wo Wickens dank seiner Verbindung zu Schmidt Peterson Motorsports weiterhin offizielles Teammitglied ist, ein Problem.

"Wir befinden uns sozusagen im Standby-Modus", sagt der Kanadier und erklärt: "Wir brauchen ein Budget, um mit dem Aufbau eines Testteams beginnen zu können. Es gibt in unserem Team keine Ingenieure, die wir mal eben dafür abziehen könnten."

"Und das trifft auch auf McLaren in Großbritannien zu", so Wickens weiter. "Natürlich sind die Mitarbeiterzahlen dort ganz andere, aber trotzdem hat auch dort jeder eine klare Aufgabe und kann nicht einfach damit aufhören, um plötzlich etwas anderes zu machen."

Die beiden Stammfahrer bei McLaren SP sind Patricio O'Ward und Oliver Askew. Für das Indy 500 ist zudem Fernando Alonso in einem dritten Auto offiziell bestätigt. Doch ob im Mai tatsächlich in Indianapolis gefahren werden kann, erscheint zunehmend fraglich.

Die aktuelle von den US-Behörden empfohlene Aussetzung von Veranstaltungen mit 50 Personen und mehr gilt bis 8. Mai, könnte aber durchaus verlängert werden. Der Grand Prix von Indianapolis ist für 9. Mai geplant, das Indy 500 für 24. Mai. Ob sich die Termine auch nur einigermaßen halten lassen, bleibt abzuwarten.


Fotostrecke: Die Autos der IndyCar-Saison 2020

Und solange das Einsatzteam bei McLaren SP nicht in den normalen Arbeitsmodus zurückkehrt, wird sich auch Wickens mit seinen eigenen Plänen gedulden müssen. "Vorrangig geht es mal darum, ein Lenkrad entsprechend zu verkabeln, sodass ich im Simulator üben kann." Erst danach könne er überhaupt daran denken, in einem entsprechend umgebauten Auto irgendwann wieder erste Testrunden auf einer Strecke zu drehen.

Testfahrt in Zanardis umgebautem BMW?

So scheut sich Wickens nicht davor, über den Tellerrand von McLaren SP hinaus zu denken: "Für meinen nächsten Schritt würde ich nichts lieber tun als Jens Marquardt von BMW anzurufen, um ihn zu fragen, ob er mich das DTM-Auto von Alex Zanardi mal fahren lässt - oder den GTLM M8, den Alex in Daytona [beim 24-Stunden-Rennen 2019] gefahren hat."


Fotostrecke: Gaststart: So baut BMW für Zanardi um

Denn: "Wenngleich ich mit den Ingenieuren und Designern bei McLaren SP zusammenarbeite und wir gemeinsam unterschiedliche Lenkradkonzepte ausarbeiten, so muss ich letztendlich wirklich mal ein Auto fahren, um die Theorien zu validieren und ihnen [den Technikern] etwas Genaueres geben zu können, womit sie weiterarbeiten können", so der Kanadier.

Wickens' abschließender Blick in die Zukunft: "Mittel- oder langfristig, wenn wir uns mit der Simulation vertraut gemacht haben und die Rundenzeiten gut aussehen, will ich wieder IndyCar fahren. Mir ist bewusst, dass die Serie einige Regeln anpassen müsste, um die Zusatzteile an meinem Auto zu montieren. Ich glaube aber, dass das möglich wäre."

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