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Sao Paulo: Power triumphiert im Regenthriller!

Will Power holte sich im Regen von Sao Paulo seinen zweiten Saisonsieg vor Graham Rahal und Ryan Briscoe - Takuma Sato und Marco Andretti im Pech

(Motorsport-Total.com) - Penske-Pilot Will Power gewann ein hochspannendes Regenrennen von Sao Paulo und übernahm damit wieder die Führung in der IndyCar-Gesamtwertung, weil sich Hauptkonkurrent Dario Franchitti (Ganassi; 4.) einen seltenen Fahrfehler erlaubte. Die tragische Figur von Sao Paulo hieß jedoch Takuma Sato, der in seinem KV/Lotus ein brillantes Rennen fuhr, Power bei einem Restart auf der nassen Strecke überholte und dann großes Pech mit seiner Benzinstrategie hatte. Nach 23 Führungsrunden landete der Japaner nur auf Rang acht.

Start Sao Paulo

Will Power gewann den Regenmarathon von Sao Paulo - Pech für Takuma Sato (li.) Zoom

Auch das von Sonntagabend auf Montag verschobene Brasilien-Event der IndyCars wurde zu einem Regenrennen. Nach dem ewigen Hin und Her des Vortags sah es zunächst eigentlich so aus, als würden die verbleibenden knapp 1:20 Rennstunden unter trockenen Verhältnissen gefahren werden können, doch während der Warmup-Laps setzte plötzlich erneut leichter Regen ein.


Fotos: IndyCars in Sao Paulo


Das hatte zur Folge, dass das komplette Feld wenige Meter nach dem Start - in Sao Paulo liegt die Boxengasse zwischen den Kurven vier und sechs - an die Box fuhr und sich Regenreifen abholte. Gestartet wurde das Feld in Runde 15 und in der Reihenfolge des Sonntagabends. Lediglich Pechvogel Mike Conway, dessen Andretti-Dallara in den fünf Gelbrunden mit Elektrikdefekt von Rang drei auf 20 zurückfiel, durfte einen Wave-Around mitnehmen, der den Long-Beach-Sieger zurück in die Führungsrunde brachte. Conway fuhr am Ende fehlerfrei bis auf Platz sechs nach vorne.

Polesitter Will Power hatte zunächst alles unter Kontrolle, doch dahinter griff Sato schnell nach Ryan Briscoe (Penske) und eroberte sich Rang zwei. Das KV/Lotus-Team hatte komplett auf ein Regensetup gesetzt, während viele andere IndyCar-Mannschaften aufgrund der unsicheren Wettervorhersage einen Kompromiss eingegangen waren. Graham Rahal aus dem Ganassi-Farmteam setzte auf eine Trockenabstimmung und wurde zunächst von Platz vier auf sieben durchgereicht.

Sato schnupft Power beim Restart

Takuma Sato

Bärenstarke Vorstellung: Takuma Sato lag 23 Runden lang in Front Zoom

In Runde 21 stand Sebastien Bourdais (Dale Coyne; 26.) plötzlich vor einem Reifenstapel in Kurve fünf und musste sein Rennen aufgeben. Der Franzose wird die nun folgende IndyCar-Ovalserie nicht mitfahren, sondern erst wieder zum Juli-Rennen in Toronto zurückkehren. Ryan Hunter-Reay (Andretti) drehte sich einen Turn später und ramponierte dabei seinen Heckflügel. Hunter-Reay fiel weit zurück und spielte als 18. nie eine Rolle.

Es folgte die erste von insgesamt nur drei Gelbphasen. Beim Restart in Runde 26 setzte Sato dann zum Angriff auf Power an: Der Japaner bremste im Sprint auf den heiklen Turn 1 (mitten in der Bremszone gibt es einen Belagwechsel von Beton auf Asphalt samt einem heftigen Bump) wesentlich später als der Australier und schob sich auf der Außenbahn in Front.

Dahinter drehte sich wenige Kurven später Rahal, der dadurch weit zurückfiel. Doch es kam noch schlimmer: Der Ganassi-Pilot fuhr bei geschlossener Boxengasse zu seinem Team, kassierte eine Durchfahrtsstrafe und fuhr danach noch einmal zum Auftanken. Nach seiner Stopparie lag Rahal auf Position 17 und war somit der Letzte in der Führungsrunde.

Beim zweiten Restart in Runde 30 wurde es dann richtig turbulent: Mit Ana Beatriz, Rafael Matos und Tony Kanaan gerieten gleich drei Lokalmatadoren in Turn 1 aneinander. Matos und Beatriz gaben kurze Zeit später auf. Kanaan war in der Startcrash des Sonntags verwickelt und lag - analog zu Helio Castroneves, Danica Patrick und Simona de Silvestro - chancenlos neun Runden zurück.

Fahrfehler von Franchitti

Sao Paulo Turn 1

Der so kritische Turn 1 von Sao Paulo sah viele IndyCar-Abflüge Zoom

Zwei Umläufe später erwischte es dann Dario Franchitti: "Ich habe einen Fehler gemacht", schilderte der Schotte seinen Ausritt in die Reifenstapel von Kurve 1. "Dann hatte ich Probleme, den Rückwärtsgang reinzubekommen. Es war ein echter Überlebenskampf." Sein großes Glück waren einige weitere Dreher auf der Strecke (unter anderem Alex Tagliani und Danica Patrick), die Gelbphase Nummer drei auslösten.

"Das hat uns gerettet", weiß Franchitti, der nach seinem Ausritt von Platz vier auf 15 zurückgefallen war. Der Schotte fuhr unmittelbar danach zum Tanken und musste also nicht mit dem Rest der IndyCar-Meute an die Box, die nach dem Fallen der Gelben Flagge nun ihrerseits auffüllen ließen. Aber nicht alle.

Leader Sato pokerte genauso wie die sehr stark auftrumpfenden Marco Andretti und Ernesto Viso, die plötzlich die Plätze zwei und drei belegten. Conquest-Pilot Sebastian Saavedra war sensationeller Vierter vor James Jakes (Dale Coyne) und Rahal. Auch Franchitti hatte Power, Briscoe und Oriol Servia (Newman/Haas; 5.) wieder hinter sich gelassen.

Zu diesem Zeitpunkt waren beim Restart in Runde 37 noch 30 Rennminuten zu absolvieren. Sato, Andretti und Viso setzten also ganz darauf, dass es noch zu einer Gelbphase kommen würde. Ihr Motto lautete Sprit sparen, doch spielte das Wetter nicht mit, denn unterdessen hatte der Regen aufgehört, die Strecke begann ganz langsam abzutrocknen.

Strafe für Viso

Trotzdem kam es wieder zu einigen Drehern: Scott Dixon (Ganassi; 12.) erwischte es genauso wie Jakes (15.), der damit seinen fünften Platz wegwarf - alles ohne Gelben Flaggen. Während Sato vorne die Sache im Griff hatte, lieferten sich Viso und Andretti ein tolles Duell um Platz zwei: Der Venezolaner, der nach seinem Samstagsunfall als 26. und Letzter gestartet war, hatte Andretti überholt und lag plötzlich auf Rang zwei. Zwei dunkelgrüne KV/Lotus waren in Führung!

Andretti wollte kontern und Viso verteidigte sich. Im Andretti-Lager beschwerte man sich bitter über die Viso-Taktik, was darin endete, dass die Startnummer 59 (Viso) eine Drive-Through-Penalty wegen Blockings bekam. "Die Strafe war einfach unfair", beschwerte sich Viso danach. "Es war ein Regenrennen, ich habe mich nur verteidigt." Es half nichts, der 26-Jährige beendete ein starkes Rennen nur als 13.

In Runde 45 waren noch 17 Rennminuten zu fahren. Sato hatte einen satten Vorsprung von vier Sekunden auf Andretti, weitere fünf Sekunden zurück lag Power, der mit Siebenmeilenstiefeln Boden gut gemacht hatte. Der Penske-Pilot hatte Franchitti, Rahal und Saavedra geschnupft und befand sich auf Kurs zu einem sicheren dritten Platz.

Riesenpech für Sato

Ernesto Viso

Auch Ernesto Viso (li., hier gegen Ryan Briscoe) fuhr ein tolles Rennen Zoom

Doch die von Sato und Andretti so dringend benötigte Gelbphase wollte einfach nicht kommen. Im Gegenteil: Auf einigen Teilen der weiter abtrocknenden Strecke zeichnete sich bereits eine Fahrspur ab und in Runde 47 gab Andretti auf: Die Startnummer 26 musste zum Tanken fahren - und ließ sich die weichen Reds aufziehen. Mit diesen Slicks rutschte der Andretti-Spross aber nur hilflos herum und verlor pro Runde fast zehn Sekunden.

"Im Regen macht man normalerweise Fehler, aber dieses Fahrerfeld ist so gut, dass es keine Fehler gab", musste Andretti einsehen. Er wurde als 14. gewertet. "Natürlich waren die Slicks ein Risiko, aber in unserer Situation hat das schon Sinn gemacht." Auch Saavedra musste seine Top-5-Position aufgeben und tanken. Der Conquest-Pilot wurde am Ende Elfter.

Irgendwann war dann auch Takuma Sato an der Reihe: "Drei Runden haben uns gefehlt", schilderte der Sao-Paulo-Pechvogel, der am Montag seine ersten IndyCar-Führungsrunden drehte und sicherlich ein verdienter Sieger geworden wäre. Sato musste in Runde 49 tanken und fiel auf Platz sechs zurück. Im Angriffsmodus unterlief ihm danach noch ein kleiner Ausrutscher, am Ende wurde er Achter.

Perfekter Saisonstart für Power

Will Power

Dominator Will Power: Vier Rennen, vier Poles und zwei Siege Zoom

"Ich habe soviel Sprit gespart wie es nur möglich war", berichtete Sato. "Leider ohne Erfolg. Wir haben ganz auf Regen gesetzt, weil wir im Training gemerkt haben, dass wir im Trockenen nicht den nötigen Speed haben. Ich fuhr heute zum ersten Mal auf den IndyCar-Regenreifen. Meine Restarts waren gut, aber wir haben es nicht ganz geschafft. Ich bin extrem enttäuscht."

Damit war das Rennen gelaufen: Power brachte einen sicheren Vorsprung von fünf Sekunden auf Rahal ins Ziel, Briscoe hatte Franchitti kassiert und sich damit auf das Podest gefahren. "Keine Vorfälle und eine gute Strategie", lobte Briscoe, während sich Rahal an seinen bisher einzigen IndyCar-Sieg in St. Petersburg 2008 erinnerte: "Auch damals war ich außerhalb des Tankrhythmus. Wir hatten bisher viel Pech, für das Indy 500 kommt uns dieser zweite Platz gerade recht."

Sieger Power hatte natürlich allen Grund zum Strahlen: "Vier Rennen, viermal Pole und zwei Siege, das nennt man wohl einen sehr guten Saisonstart", freute sich der Australier. "Die Bedingungen waren nicht so schlecht wie gestern. Ich habe die Ruhe bewahrt, keine Fehler gemacht und auf eine konservative Strategie gesetzt." Ab sofort steht der Monat Mai ganz im Zeichen von Indianapolis.

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