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Romain Grosjean liebäugelt mit dem Indy 500: "Sag niemals nie!"

Romain Grosjean bestreitet in seiner Rookiesaison in der IndyCar-Serie keine Ovalrennen - Eine Teilnahme am Indy 500 schließt er für die Zukunft aber nicht aus

(Motorsport-Total.com) - Mit einem strahlenden Lächeln nahm Romain Grosjean die riesige Silbertrophäe nach seinem ersten Podestplatz in der IndyCar-Serie in Indianapolis entgegen. In den USA fällt alles etwas größer, pompöser und beeindruckender aus, das gilt auch für die Pokale, die an Zweitplatzierte vergeben werden. Man darf gespannt sein, welche Dimensionen die Trophäe hat, die der Franzose für seinen ersten Sieg erhält.

Romain Grosjean

Romain Grosjean jubelt nach seinem Podestplatz in Indianapolis Zoom

Die legendäre Borg-Warner-Trophy wird es zumindest in naher Zukunft nicht sein. Dieses 1,63 Meter große und 69 Kilogramm schwere Monstrum wird traditionell an den Sieger des Indy 500 vergeben, das in knapp zwei Wochen an selber Stelle stattfindet. Grosjean wird dann nicht am Start sein.

Nach seinem Ende in der Formel 1 entschied er sich gemeinsam mit seiner Familie dazu, beim Wechsel zu den IndyCars auf die Ovalrennen zu verzichten. Zu präsent waren die Gefahren des Motorsports für Grosjean noch, wenige Monate nach seinem schweren Feuerunfall in Bahrain. Ovalrennen sind bekanntermaßen noch einmal gefährlicher, die Boliden sind fast durchgehend mit Vollgas unterwegs.

Grosjean hält sich Hintertürchen offen

Gilt dieses kategorische Nein zu den Ovalkursen und damit auch zum Indy 500 für immer? Grosjean hält sich ein Hintertürchen offen. "Sag niemals nie", sagt Grosjean im Formel-1-Podcast 'Beyond the Grid'. Als Anfang Mai die IndyCar-Boliden in Texas fuhren und Grosjean nur zusehen konnte, juckte es ihn schon in den Füßen.

Die Massenkarambolage am Start des zweiten Rennens in Fort Worth, als Conor Daly kopfüber über die Strecke rutschte, half aber nicht unbedingt, seine Frau Marion zu besänftigen.

"Man fährt eine Meisterschaft, aber dann ist man selbst nicht dabei und sieht die Jungs fahren. Und dann rutscht Conor Daly kopfüber über Start/Ziel. Und Marion sagt dann zu mir: 'Siehst du jetzt, warum?' Und ich denke mir: 'Das hilft mir jetzt nicht wirklich'", berichtet der 35-Jährige, der bei Dale Coyne Racing für die Ovalrennen durch Pietro Fittipaldi ersetzt wird.

Grosjean: Entscheidung gegen Ovale gemeinsam getroffen

Die Entscheidung, wie Grosjeans IndyCar-Saison 2021 aussieht, traf die Familie gemeinsam. "Es war wie eine Teamentscheidung. Im vergangenen Winter haben wir über viele Dinge nachgedacht und mussten eine Entscheidung treffen, mit der jeder leben kann", erklärt Grosjean die Zeit nach seinem Bahrain-Crash, den er mit Verbrennungen an der Hand überstand, der aber noch viel schlimmer hätte enden können.


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Der Kompromiss, auf die Ovale zu verzichten, stelle alle zufrieden. Je nachdem, wie sich Grosjean bei den IndyCars entwickelt, könnte diese Entscheidung aber noch einmal zur Diskussion stehen. "Wenn ich in Zukunft die Chance habe, in einem größeren Team zu fahren und um die Meisterschaft zu kämpfen, entwickeln sich die Dinge vielleicht neu", sagt er. Im Moment seien Ovale aber kein Thema.

Auch ein komplettes Karriereende nach seinem Ausscheiden aus der Königsklasse sei keine Option gewesen. "Wenn ich vom Rennsport zurückgetreten wäre, hätte das jeder verstanden. Und viele Leute hätten vielleicht auch diese Entscheidung getroffen", sagt Grosjean offen. Doch er spürte noch dieses Adrenalin.

Grosjean hat noch große Ziele im Motorsport

"Ich sagte zu Marion: 'In der Formel 1 ist mein Kapitel beendet. Ich hatte eine wunderbare Zeit und konnte Dinge tun, von denen ich als Kind nicht einmal träumen konnte. Die Geschichte ist zu Ende.' Aber ich sagte ihr auch, dass ich mit dem Motorsport noch nicht fertig bin", so der langjährige Lotus- und Haas-Pilot.

Sein Wunschzettel an Rennen für die Zukunft ist prall gefüllt und klingt ganz ähnlich wie etwa bei Fernando Alonso. "Es gibt viele Dinge, die ich noch machen will. Die 24 Stunden von Le Mans gehören dazu, ich will auch einmal bei der Rallye Dakar teilnehmen, IndyCar war genauso auf meinem Radar", berichtet er. Diese Leidenschaft könne er nicht einfach ablegen.


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Von seiner Familie erwartete er Verständnis - und bekam es auch. "Ich habe noch mehr in mir und will mich weiter messen. Der Typ, den meine Kinder mögen und den meine Frau liebt, ist halt ein Mann, der Rennsport betreibt und der das Adrenalin hat, das er braucht, um der zu sein, der er ist. Und ich denke, das war uns allen klar", sagt Grosjean.

Grosjean glücklicher als in der Formel 1

Noch immer habe er dieses Streben in sich, sich mit den Konkurrenten zu messen und gewinnen zu wollen. "Ich habe diese Leidenschaft für den Rennsport. Schon als Kind habe ich Verlieren gehasst und ich hasse es noch immer. Es ist schwierig, meinen Kindern zu sagen, dass Verlieren nicht schlimm ist, wenn ich genau weiß, wie schlimm es ist", sagt er.

In der Formel 1 war Verlieren für Grosjean an der Tagesordnung. Mit Haas zierte er in den vergangenen Jahren den hinteren Teil des Feldes, sein letzter Podestplatz vor dem vergangenen Wochenende stammte aus dem Jahr 2015, damals noch im Lotus.

"Die letzten Jahren in der Formel 1 waren ziemlich hart. Wir hatten keine guten Werkzeuge, um etwas auszurichten, es war nicht schön. Jetzt bin ich glücklicher als ich es in der Formel 1 war", gibt er zu. Nun habe er auch in einem kleinen Team wie Dale Coyne Racing das Gefühl, etwas ausrichten zu können.

"Egal, was du machst, im Wettkampf willst du immer gewinnen, egal ob im Kart oder in der Formel 1", sagt er. Neben einem guten Gefühl gibt es dann nämlich auch reichlich Silberware.

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