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Hinchcliffe siegt im St-Pete-Chaos - Pech für de Silvestro

Premiere in St. Pete: James Hinchcliffe gewinnt sein erstes IndyCar-Rennen vor Helio Castroneves - Simona de Silvestro und Will Power im Pech

(Motorsport-Total.com) - So kann es weitergehen! Der Honda Grand Prix von St. Petersburg bot 110 hoch unterhaltsame IndyCar-Runden, an dessen Ende es einen Premierensieger gab: James Hinchcliffe, der "Mayor of Hinchtown", gewann sein erstes IndyCar-Rennen unter starkem Druck von Helio Castroneves. Doch in den letzten 25 Runden zeigte der 26-jährige Kanadier in seinem giftgrünen Andretti-Chevrolet mit der Startnummer 27 eine fehlerlose Vorstellung und hielt den drängelnden Penske-Piloten, der in St. Pete bereits dreimal gewonnen hatte, tatsächlich hinter sich.

James Hinchcliffe

James Hinchcliffe gewinnt in St. Petersburg sein erstes IndyCar-Rennen Zoom

"Mein Ziel für die neue Saison war es, bessere Restarts und mehr Aggressivität auf der Strecke zu zeigen", jubelte Hinchcliffe, dem dieses Vorhaben sehr gut gelang. Das letztlich entscheidende Manöver geschah bei einem Restart in Runde 84: Leader Castroneves rutschte in Kurve eins auf die Außenbahn, Hinchcliffe schlüpfte innen durch. "Ich hatte ein Superauto", bedauerte der "Spiderman". "Leider unterlief mir dieser kleine Fehler. Danach war 'Hinch' einfach zu gut."

Zwischen den beiden Kontrahenten gibt es übrigens eine historische Parallele: Der junge Castroneves bekam zur Saison 2000 sein Penske-Cockpit, weil Greg Moore 1999 in Fontana tödlich verunglückte. Hinchcliffe wiederum wurde von Michael Andretti engagiert, weil Dan Wheldon in Las Vegas 2011 ums Leben kam. Wheldon hatte den Andretti-Vertrag für die 27 am Morgen des Rennens unterschrieben und verunglückte wenige Stunden später.

Greg Moore ist zudem das große Vorbild von St-Pete-Premierensieger Hinchcliffe. In Indianapolis 2012 trug der Kanadier im Gedenken an seinen so früh verstorbenen Landsmann dessen rote Rennhandschuhe. Seinen ersten IndyCar-Sieg widmete der Andretti-Pilot am Sonntagabend schließlich Dan Wheldon mit den Worten: "Das hier ist seine Stadt und das hier ist sein Auto."

Power dominiert zu Beginn

Will Power

Polesetter Will Power fuhr dem Feld zu Beginn auf und davon Zoom

Doch der Reihe nach: Beim Start hatte Polesetter Will Power (Penske-Chevrolet) zunächst alles im Griff und setzte sich schnell ab. Nach zehn Runden hatte der Australier bereits fünf Sekunden Vorsprung vor der Konkurrenz herausfahren können. Takuma Sato (Foyt-Honda), Hinchcliffe und Castroneves hießen seine Verfolger. Simona de Silvestro (KV-Chevrolet) ging beim Start sehr vorsichtig zu Werke und verlor zwei Plätze. Die 24-jährige Schweizerin war also Fünfte.

Ab Runde 14 besuchten die ersten Hinterbänkler dann zum ersten Mal die Boxen. Unter anderem auch das Ganassi-Duo Dixon und Franchitti (25.), dem bei seiner Ausfahrt in Runde 19 ein folgenschwerer Fehler unterlief: "Ich kam in Kurve drei mit kalten Reifen auf den Gummiabrieb und bin in die Mauer gekracht", schilderte der vierfache IndyCar-Champion. "Das war mein Fehler." Sein simples St-Pete-Fazit: "Wir haben Probleme mit dem Auto und ich habe wohl etwas zuviel riskiert."


Fotos: IndyCars in St. Petersburg


Beim Restart in Runde 27 wurde es dann erstmals chaotisch: Castroneves schnappte sich die Führung von Power, Hinchcliffe bezwang dahinter Sato. Ein paar Kurven weiter schepperte es in Turn 8, als J.R. Hildebrand (Panther-Chevrolet), James Jakes (Rahal-Honda), Ana Beatriz (Coyne-Honda), Charlie Kimball (Ganassi-Honda) und Oriol Servia (DRR-Chevy) aneinander gerieten. Nur zwei Kurven später drehte Sebastian Saavedra (Dragon-Chevy) den angeschlagenen Hildebrand um. Gelbphase Nummer zwei war die logische Folge, während Simon Pagenaud (24.) an der Box mit Auspuffproblemen - und damit Leistungsverlust - an seinem Sam-Schmidt-Honda aufgeben musste.

Wieder wurde es beim Restart in Runde 33 extrem eng zwischen den führenden Penske-Teamkollegen Castroneves und Power, was Hinchcliffe ausnutzte und Platz zwei vom Australier übernahm. De Silvestro und wenige Umläufe später auch Rookie Tristan Vautier (Schmidt-Honda) zogen an dem mit seinem Reifendruck kämpfenden Sato vorbei. Weiter hinten im Feld wurde plötzlich Graham Rahal (Rahal-Honda; 13.) mit elektrischen Aussetzern langsam und verlor viel Boden.

Immer wieder die Restarts

Tristan Vautier

Bei den Restarts wurde es in St. Pete immer eng - hier Tristan Vautier (55) Zoom

Die Top 10 nach 40 von 110 Runden: Castroneves, Hinchcliffe, Power, de Silvestro, Vautier, Sato, Tony Kanaan (KV-Chevy), Marco Andretti (Andretti-Chevrolet), Justin Wilson (Coyne-Honda) und Ryan Hunter-Reay (Andretti-Chevrolet). Der von Platz 20 gestartete Dixon war bereits Elfter. Aber: Im Gegensatz zu Power konnte sich der neue Leader Castroneves nicht absetzen - Hinchcliffe, Power und de Silvestro hielten sich in Schlagdistanz, Vautier fuhr als Fünfter alleine, während Sato das Mittelfeld bis zum zwölftplatzierten Josef Newgarden (Fisher-Honda) aufhielt.

Doch der Saisonauftakt von St. Pete wollte einfach nicht zur Ruhe kommen: In Runde 45 lösten Teile eines herrenlosen Frontflügels vor der Boxeneinfahrt die dritte Gelbphase aus. Dabei verlor Hinchcliffe seine Position wieder an Power. Der erste große Pokerspieler von Florida hieß jedoch Oriol Servia, der in seinem DRR-Chevy gar nicht an die Box fuhr und damit die Führung übernahm. "Wir haben nichts zu verlieren", kommentierte DRR-Mitbesitzer Dennis Reinbold die Off-Sequence-Strategie des Spaniers.

Jakes (15.) im zweiten Rahal-Honda machte es Servia gleich und zockte sich auf Rang sechs nach vorne. Das Problem: Servia und Jakes mussten noch zweimal Tanken, der Rest des Feldes würde wahrscheinlich mit einem weiteren Boxenstopp durchkommen. Im Gegensatz dazu verlor Sato an der Box viel Boden und musste sich beim Restart auf Platz 12 einordnen, Champion Hunter-Reay lag gar nur noch auf Position 13. Riesenpech hatte Newgarden (23.), der in der Gelbphase plötzlich mit einem Kupplungsproblem stehenblieb.

Beim Restart gelang es Hinchcliffe erneut an Power vorbeizuziehen, de Silvestro verlor eine Position an Vautier und Hunter-Reay überholte Sato. Servia (17.) drehte unterdessen seine ersten IndyCar-Führungsrunden seit dem Indy 500 der Saison 2011, damals noch in Diensten von Newman/Haas. Sein Pokerspiel war jedoch in Runde 63 vorbei, als er nach seinem Stopp keinen Gang mehr einlegen konnte. Nahezu gleichzeitig erlebte auch Hunter-Reay (18.) ein ähnliches Elektrik-Problem.

Hildebrand macht sich unbeliebt

James Hinchcliffe

James Hinchcliffe verteidigte sich mit Erfolg gegen Helio Castroneves Zoom

In Runde 66 musste schließlich auch Jakes zum Tanken und nur zwei Runden später suchte Vautier (21.) die Box mit technischen Problemen auf. Vermutlich erlitt der auf Platz fünf fahrende Franzose das gleiche Schicksal wie zuvor bereits sein Schmidt-Teamkollege und Landsmann Pagenaud. In Runde 73 stand plötzlich Saavedra (20.) in den Reifenstapeln von Kurve 10, was das Feld erneut zum Tanken brachte. Der große Verlierer der Stopps hieß Kanaan, der seinen KV-Chevy abwürgte und an der Box Dixon, Andretti und Wilson passieren lassen musste.

Und wieder gab es jede Menge Aufregung unter Gelb, als der überrundete Hildebrand (19.) den seine Reifen anwärmenden Power über den Haufen fuhr! Hildebrand machte sich kurze Zeit zuvor schon unbeliebt, als er - ebenfalls unter Gelb - de Silvestro überholte und sorgte nun für dicke Hälse im Penske-Team, weil Power mit einem Reifendefekt hinten rechts natürlich ebenfalls die Box aufsuchen musste. Der dreifache Vize-Champion lag anstatt auf Platz drei nur noch auf Rang 16.

Dann kam die Vorentscheidung: Castroneves rutschte beim Restart in Runde 84 auf der Außenbahn fast ins Aus, was Hinchcliffe innen die Führung einbrachte. Hinter de Silvestro überholte ihr Teamkollege Kanaan im gleichen Umlauf die vor ihm fahrenden Andretti und Dixon. Wilson, Viso, Sato und Tagliani komplettierten die Top 10, während Pechvogel Power mit angeschlagenem Auto einmal die Auslaufzone im Mittelteil des Kurses aufsuchen musste.

Nach dem Rennen entschuldigte sich Hildebrand bei Power, dem offenbar auch in dieser Saison das Pech an den Hacken klebt. "Ich möchte es irgendwann wieder einmal erleben, dass sich ein Rennen zu meinen Gunsten entwickelt", lamentierte der Australier. Übrigens auch in Sachen Restarts: "Vergangenes Jahr haben mir die Restarts vielleicht den Titel gekostet, weil Roger (Penske; Anm. d. Red.) keine Teamorders ausgibt. Also muss ich es wohl selbst richten."

De Silvestro fast mit dem ersten IndyCar-Podium

Simona de Silvestro

Simona de Silvestro hatte am Ende großes Pech mit ihren Reifen Zoom

Hinchcliffe und Castroneves setzten sich in der Folge locker ab, weil de Silvestro zusehends mit ihren Hinterreifen kämpfen musste. So wurde die Schweizerin zur rollenden Barriere ihrer Verfolger, die zunächst von Teamkollege Kanaan angeführt wurde. "Ich wollte nicht derjenige sein, der Simona das erste Podium klaut", witzelte der Brasilianer, der seine Teamkollegin nicht ernsthaft angriff. Diese Deckung wurde jedoch in Runde 105 wertlos, als Andretti an Kanaan vorbeizog.

Ab diesem Zeitpunkt war es eigentlich klar, dass de Silvestro keine Chance mehr haben würde. "Ich habe auch Mitleid mit Simona, aber ich habe dieses Podium selber gebraucht", sagte Andretti, nachdem er die sich mit Händen und Füßen wehrende Schweizerin eingangs der letzten Runde überholt hatte. Ihr KV-Chevy rutschte eingangs der Zielkurve weit nach außen, auch Kanaan schlüpfte innen durch.

Wie kaputt ihre Reifen waren, zeigte sich eine Runde später, als ihr KV-Chevy an gleicher Stelle der Ziellinie mehr entgegen rutschte als fuhr. Dies nutzte Dixon im Zielsprint gnadenlos aus und schnappte sich Rang fünf. Um ein Haar wäre dies Ernesto Viso (Andretti-Chevrolet; 7.) ebenfalls gelungen. Sato brachte knapp dahinter Rang acht nach Hause, Wilson (9.) und Alex Tagliani (10.) im Herta-Honda rundeten die Top 10 ab.

Riesenpech also für die 24-Jährige, der im Prinzip nur eine Runde zu ihrem ersten IndyCar-Podium fehlte. "Ich musste am Ende einen gebrauchten Satz Reds aufziehen", schilderte de Silvestro. "Das hat uns leider ein paar Plätze gekostet." Doch sie fand positive Aspekte aus dem St-Pete-Wochenende: "Es war toll, wieder an der Spitze mitmischen zu können. Wir haben ein sehr gutes Auto und ich freue mich schon auf das nächste Rennen." Dieses findet am 7. April im Barber Motorsports Park statt, wo der IndyCar-Tross bereits vor ein paar Wochen ausführlich testete.

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