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IMSA Petit Le Mans 2023: Acura-Sieg und Titel-Kontroverse

Meyer Shank Racing verabschiedet sich mit einem Sieg aus der IMSA SportsCar Championship - Pipo Derani krönt sich durch Abdrängen zum Meister

(Motorsport-Total.com) - Erneut sorgt das Petit Le Mans für einen umstrittenen Saisonabschluss der IMSA SportsCar Championship: Action Express Racing holt sich mit den Fahrern Alexander Sims und Luis Felipe "Pipo" Derani den Titel. Allerdings in einer kontroversen Art und Weise, die den Sieg von Tom Blomqvist, Colin Braun und Helio Castroneves beim Abschied von Meyer Shank Racing aus der IMSA fast zur Nebensache werden ließ. (Ergebnis)

Titel-Bild zur News: Helio Castroneves, Tom Blomqvist und Colin Braun holten etwas überraschend den PLM-Sieg

Helio Castroneves, Tom Blomqvist und Colin Braun holten etwas überraschend den PLM-Sieg Zoom

Tatort: Kurve 1; Tatzeit: 20:39 Uhr. Filipe Albuquerque im Wayne-Taylor-Acura #10 (R. Taylor/Albuquerque/Deletraz; DNF) hatte Pipo Deranis Action-Express-Cadillac #31 (Derani/Sims/Aitken; 6.) bereits mehrfach im Kampf um Platz zwei attackiert. Ein Überholmanöver würde die Meisterschaft zugunsten von Wayne Taylor Racing entscheiden.

Diesmal versucht er es außen herum - ein Schachzug, der in Kurve 1 durchaus funktionieren kann. Derani macht sich breit und drängt den Acura ARX-06 von der Strecke. Albuquerque schlägt heftig ein. Das löst die elfte von 13 Gelbphasen in diesem Rennen aus. Die Rennleitung entscheidet auf "no further action" - eine überaus amerikanische Entscheidung, die allerdings im Einklang mit Entscheidungen in früheren Rennen steht.

Die Szene erinnert an 2020, als die Situation umgekehrt war - damals wurde Derani von Ricky Taylor abgeräumt, der in jenem Jahr für Penske-Acura fuhr. Erst im vergangenen Jahr kollidierten an gleicher Stelle die beiden Ganassi-Cadillacs im Kampf um die Führung. Nun kam es in Kurve 1 erneut zu einer umstrittenen Szene.

Doch die Nummer war noch nicht durch. Beim letzten Boxenstopp unter Gelb fiel Derani auf den achten Platz zurück. Da der WTR-Acura als Neunter in die Wertung kam, war das nicht genug. Doch nach dem Restart überholte Derani die beiden BMW M Hybrid V8 und wurde Sechster - genug, um für sich und Sims den Titel zu sichern.

Auf dem Weg zum Titel musste die #31 noch eine Schrecksekunde überstehen: Beim Boxenstopp nach zwei Stunden, ebenfalls unter Gelb, fuhr Sheldon van der Linde im RLL-BMW #25 (de Phillippi/Yelloly/van der Linde; 7.) Sims am Boxenausgang ins Heck. Action Express Racing musste die Heckpartie austauschen und kassierte eine Strafe, weil Sims vor dem Auffahrunfall die rote Ampel überfahren hatte - ebenso wie der BMW.

Braun kocht van der Zande ab

Im Kampf um den Sieg war eigentlich der Ganassi-Cadillac #01 (van der Zande/Bourdais/Dixon; 2.) Favorit. Der gelbe Cadillac V-Series.R führte vom Start weg, als Sebastien Bourdais Polesetter Louis Deletraz überrumpelte. Ganassi leistete in der Folge den Löwenanteil der Führungsarbeit und kam auch bei der Caution wegen des titelentscheidenden Unfalls richtigerweise nicht an die Box.

Colin Braun tat es ihm gleich und war dadurch Zweiter, weil alle anderen GTP-Fahrzeuge an die Box kamen. Da es in der letzten Stunde insgesamt drei Cautions gab, reichte aber der eigentlich vorletzte Boxenstopp 75 Minuten vor Schluss. Braun gelang das Kunststück, Renger van der Zande beim vorletzten Restart völlig alt aussehen zu lassen und die Führung zu übernehmen.

Zwei weitere Cautions folgten, die letzte beendete das Rennen und Braun lag in Führung. Meyer Shank Racing holte einen überraschenden Sieg, der sich während des Rennens nie wirklich abgezeichnet hatte. Die richtige Strategie und Brauns Meisterstück sorgten dafür, dass sich MSR mit einem Paukenschlag aus der IMSA (offiziell vorläufig) verabschiedet.

Ganassi ging als Zweiter geschlagen vom Platz, denn man hatte eindeutig das schnellste Auto in diesem Rennen. Ein sensationeller dritter Platz ging an den Proton-Porsche #59 (Tincknell/Bruni/Jani), der damit den ersten Podiumsplatz eines LMDh- Kundenautos in der IMSA SportsCar Championship holte.


Fotos: IMSA 2023: Petit Le Mans, Rennen


Der Penske Porsche #7 (Campbell/Nasr/Newgarden) wurde Vierter, gefolgt vom JDC-Miller-Porsche #5 (van der Helm/Rockenfeller/Button; 5.) und dem neuen Meister von Action Express. Die beiden BMW M Hybrid V8 lagen zwischenzeitlich gut im Rennen, doch als es darauf ankam, fehlte ihnen die Feuerkraft - Platz sieben und acht.

Festzuhalten bleibt auch, dass der Punktabzug von Daytona Meyer Shank Racing letztlich den Titel gekostet hat. Tom Blomqvist und Colin Braun verbesserten sich noch auf den dritten Platz in der Meisterschaft.

Werks-Porsche unglücklich eliminiert

Großes Pech hatte der Penske-Porsche #6 (Jaminet/Tandy/Vanthoor; DNF), der die Zielflagge nicht sah. Bereits in der zweiten Stunde fand sich Nick Tandy unglücklich am Ende einer Kettenreaktion wieder, die vom High-Class-Oreca #20 (Andersen/Jones/Fjordbach) ausgelöst wurde und mehrere GT-Fahrzeuge in ein Ping-Pong-Spiel verwickelte.

Dennis Andersen kollidierte leicht mit dem Triarsi-Ferrari #023 (Triarsi/Scardina/Rovera), der sich daraufhin drehte und den Optimum-McLaren #70 (Iribe/Schandorff/Millroy) sowie Tandys Porsche 963 abräumte. Auch den High-Class-Oreca erwischte es ein zweites Mal. Bis auf den Ferrari überstanden alle Fahrzeuge die Kollision nicht unbeschadet.

Der Porsche ging nach mehr als zwei Stunden Reparatur wieder auf die Strecke, um weitere Daten im noch jungen LMDh-Programm zu sammeln. Nach einer weiteren Kollision mit einem LMP3 war in der siebten Stunde endgültig Schluss.

Drama in der LMP2: Jensen schmeißt Titel weg

Die zweite Titelentscheidung an diesem Abend fiel in der LMP2-Klasse zwischen dem PR1-Mathiasen-Oreca #52 (Keating/Chatin/Quinn; 3.) und dem TDS-Oreca #11 (Thomas/Jensen/Huffaker; DNF). Allerdings holte keiner von beiden den Sieg, der ging an den APR-Oreca #04 (Kurtz/Hanley/Siegel).

Die Entscheidung führte überraschend ein Profi herbei: Mikkel Jensen verlor in der siebten Stunde ausgangs Esses die Kontrolle und versenkte den Oreca 07 nach einem Gegenpendler mit voller Wucht im Reifenstapel. Der Einschlag war so heftig, dass selbst das stabile Oreca-LMP2-Chassis nicht mehr zu reparieren war.

So musste PR1/Mathiasen das Rennen nur noch nach Hause fahren, was Ben Keating, Paul-Loup Chatin und Alex Quinn auch gelang, wenn auch nicht mit Bravour. In der vorletzten Stunde rutschte allen Beteiligten das Herz in die Hose, als Quinn mit einem anderen LMP2 kollidierte und den Oreca nur um Haaresbreite aus dem Kiesbett befreien konnte.

Schließlich profitierte man noch vom Ausfall des Era-Oreca #18 (Merriman/Dalziel/Rasmussen; DNF) zwölf Minuten vor Schluss, auch wenn man darauf nicht angewiesen war. Keating holte sich damit die Krone in der LMP2 zurück, die er 2021 gewonnen hatte. Pikanterweise hatte er den Titel damals mit Jensen geholt. 2022 bestritt er nicht alle Rennen der IMSA SportsCar Championship.

Auch in der LMP3 gab es eine umstrittene Entscheidung, wenn auch "nur" um den Sieg. Der Titel war bereits beim Start entschieden, denn mit dem Überfahren der Startlinie hatte Gar Robinson die Meisterschaft sicher. Jedes Fahrzeug, das in der IMSA die Startlinie überquert, kommt automatisch in Wertung und erhält entsprechend Punkte.

Sein Riley-Ligier #74 (Robinson/Fraga/Burdon; 3.) war dann auch in die strittige Szene am Ende verwickelt, allerdings mit Felipe Fraga am Steuer. Fraga und der AWA-Duqueine #13 (Fidani/Bell/Kern; 2.) kollidierten 20 Minuten vor Schluss. Der Brasilianer erlitt einen Reifenschaden, Profiteur war der Jr-III-Ligier #30 (Siegel/Grist/Garg; 1.) von Garett Grist. Er fuhr beim letzten Auftritt der LMP3-Klasse in der IMSA SportsCar Championship zum Sieg.

Die kleinen Prototypen-Klassen sorgten gleich zu Beginn für wenig erbauliche Momente. So flog Rasmus Lindh im JDC-Miller-Duquine #85 (Bechtolsheimer/Lindh/Goldburg; 4.) in der Einführungsrunde ab. Die Reparatur dauerte so lange, dass der Rundenrückstand selbst mit den vielen Cautions nicht mehr aufzuholen war.

Getoppt wurde diese Leistung noch von Ari Balogh, der sich mit dem Tower-Oreca #8 (Balogh/McLaughlin/Simpson; 7.) ebenfalls in der Einführungsrunde drehte und sanft einschlug. Er nahm das Rennen nach einem kurzen Check aus der Boxengasse wieder auf, kam aber nur zwei Kurven weit, bevor er erneut abflog - diesmal richtig. Nach nicht einmal einer Runde war die erste Caution ausgelöst.

Gedämpfte Meisterfeier für Lexus

Auch in der GTD Pro fiel die Titelentscheidung mit dem Start. Ben Barnicoat und Jack Hawksworth hatten den Titel in der Tasche, als sie die Startlinie überquerten. Vielleicht war das auch gut so, denn Barnicoat schied später auf etwas kuriose Weise aus.

Nach gut vier Stunden rutschte der frischgebackene Champion, der den Titel 2022 trotz eines Sieges im Finale knapp verpasst hatte, eingangs der Esses von der Strecke. Das Fahrzeug hob auf dem Randstein mit der Hinterachse so unglücklich ab, dass sich der Frontsplitter in den noch feuchten Boden bohrte und die gesamte Front des Lexus RC F GT3 in einer riesigen Schlammwelle auseinanderflog.

Für den zweiten Ausfall in der GTD Pro sorgte die Corvette #3 (Garcia/J. Taylor/Milner). Für das GTE-Modell C8.R, das zwei Jahre lang mit einer Ausnahmegenehmigung via BoP bei den GT3-Fahrzeugen mitfahren durfte, gab es kein Happy End. Das Muscle Car rollte nach fünf Stunden aus. 2024 debütiert die GT3-Version der Corvette C8.

Um den Sieg kämpften im Schlussspurt Daniel Juncadella im Proton-Mercedes #79 (Engel/Gounon/Juncadella; 1.) und Kevin Estre im Pfaff-Porsche #9 (Bachler/Pilet/Estre; 2.). Juncadella konnte Estre hinter sich halten. Zum großen Schlusskampf kam es aufgrund der zwei abschließenden Gelbphasen nicht mehr.

Für Jules Gounon und Juncadella war es der vierte Saisonsieg, mehr als jedes andere Fahrzeug im Feld. Barnicoat und Hawksworth sicherten sich den Titel durch Konstanz. Das Petit Le Mans war erst das zweite Rennen der Saison, in dem sie das Podium verpassten, das andere war Mosport.

In der GTD-Kategorie halfen die zahlreichen Gelbphasen in der Schlussphase einigen Fahrzeugen, die ihren letzten Tankstopp vorzeitig eingelegt hatten. Der Sieg ging an den Forte-Lamborghini #78 (Goikhberg/Spinelli/Liddy).

Dieser wurde in der Schlussphase noch vom Wright-Porsche #16 (Hardwick/Heylen/Robichon; DNF) attackiert, doch dieser sorgte im wahrsten Sinne des Wortes für eine heiße Schlussphase des Rennens: Beim finalen Restart kam es zu einem Durcheinander im GT-Feld, in dem GTD Pro und GTD zum wiederholten Male gemischt unterwegs waren.

In diesem Getümmel kam es zu einer Berührung mit einem Lamborghini, in deren Folge das komplette Heck des Porsche 911 GT3 R (992) in Flammen aufging - der Grund für die 13. und letzte Caution, die das Rennen beendete. Jan Heylen löschte das Feuer persönlich und verhinderte Schlimmeres.

Damit ist die IMSA SportsCar Championship 2023 beendet. Für genügend Gesprächsstoff ist mit dem Finale gesorgt. Die IMSA-Saison 2024 beginnt bereits im Dezember 2023 mit einem Test in Daytona. Am 28. Januar 2024 findet dann die 62. Auflage des Klassikers in Florida statt.

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