Monitor beweist: Ferrari rannte bei 24h Spa geradewegs in Falle

Ferrari fühlt sich um den Sieg bei den 24 Stunden von Spa betrogen - Lamborghini und Grasser macht AF Corse keinen Vorwurf, der Rennleitung hingegen schon

(Motorsport-Total.com) - Der Frust ist verständlicherweise riesig. AF Corse, die es noch nie geschafft haben, die 24 Stunden von Spa in Eigenregie zu gewinnen, wurden bei der 100-jährigen Jubiläumsausgabe um den Sieg gebracht - von der Rennleitung, wie man im Ferrari-Camp glaubt.

Titel-Bild zur News: Die Körpersprache spricht Bände: Ferrari fühlt sich von der Rennleitung um den Sieg betrogen

Die Körpersprache spricht Bände: Ferrari fühlt sich von der Rennleitung um den Sieg betrogen Zoom

Alessandro Pier Guidis AF-Corse-Ferrari #51 (Pier Guidi/Rigon/Rovera) blieb in der Boxeneinfahrt hinter dem gestrandeten Grasser-Lamborghini #19 (Llarena/Cook/Qarajouli/Moulin) hängen. Der Italiener kritisierte nach dem Rennen die Rennleitung. Besonders bitter: Der Italiener hätte noch eine Runde fahren können!

"Die Boxengasse war blockiert, aber das wusste ich nicht, denn eigentlich hätte ich noch eine Runde fahren können. Es wäre sehr knapp geworden mit der Fahrzeit, aber ich hätte es geschafft", so der Le-Mans-Sieger von 2023, der den zweiten Sieg bei einem 100-jährigen Jubiläumsrennen dadurch verpasste.

"Wenn wir gewusst hätten, dass die Boxengasse blockiert war, wären wir wahrscheinlich nicht an die Box gekommen und hätten das Rennen gewonnen. Ich habe unsere Jungs gefragt, ob sie die Nachricht auf dem Bildschirm nicht gesehen haben, aber leider hat niemand diese gottverdammte Meldung auf den Bildschirm gebracht!"

Ferrari-Endurance-Chef Antonello Coletta formuliert die Kritik nur indirekt: "Heute wurde uns ein Traum zerstört. Der Sieg war zum Greifen nahe, aber was dann passiert ist, ist wirklich unglaublich."

"Worte können nicht beschreiben, wie bitter es ist, wenn ein so surreales Ereignis einen Erfolg zunichte macht, den wir uns ehrlich auf der Strecke erarbeitet haben. Die beiden Podestplätze [P2 insgesamt und P2 im Bronze-Cup] sind da nur ein schwacher Trost.

Was der Zeitenmonitor verrät

Doch wie berechtigt sind diese Vorwürfe? Motorsport-Total.com liegen Screenshots aus dem Info-Monitor der Rennleitung vor. Diese zeigen, dass Alessandro Pier Guidi wirklich keine Chance hatte.

Allerdings kann man der Rennleitung auch kaum einen Vorwurf machen, denn sie hatte nur 16 Sekunden Zeit für die Meldung - und vom "Point of no Return" an der Boxeneinfahrt bis zur Linie, an der das Fahrzeug erfasst wird, vergehen noch einmal mehrere Sekunden - vor allem, wenn man wie Pier Guidi bremsen muss.

Das stand auf dem Monitor:
15:41:36 - #19 (Hugo Cook) PIT IN
15:41:52 - #51 (Alessandro Pier Guidi) PIT IN
15:41:56 - #51 (Alessandro Pier Guidi) PIT IN
15:42:20 - PIT ENTRY IS BLOCKED
15:43:34 - PIT ENTRY IS CLEAR AGAIN

Es zeigt sich also, dass AF Corse schlicht und einfach mit großem Pech in die Falle rannte. Bei einem Zeitfenster von nur 16 Sekunden wäre die Nachricht an Pier Guidi selbst bei sofortiger Meldung auf dem Monitor wahrscheinlich nicht rechtzeitig beim Ferrari-Piloten angekommen, als dass dieser noch rechtzeitig vor der Boxeneinfahrt hätte reagieren können.

Das zweite "Pit in" bei Pier Guidi kam dadurch zustande, dass er genau auf der Boxeneinfahrtslinie zum Stehen kam und noch leicht zurückrollte.

Grasser-Lambo sah die Zielflagge

Teamchef Gottfried Grasser schildert gegenüber Motorsport-Total.com, was in den Minuten passierte, die ungewollt zur rennentscheidenden Szene avancierten.

So habe Hugo Cook verzweifelt versucht, den Lamborghini Huracan GT3 Evo2 mit einem Elektronikproblem an die Box zu schleppen. "Unser Auto ist in dieser Runde schon einmal stehen geblieben", erklärt Grasser.

"Der Fahrer musste den 'Main Switch' betätigen, um weiterfahren zu können. Dann passierte es ein zweites Mal. Er wollte in die Box fahren, damit wir ihm helfen können. Aber beim dritten Mal blieb er in der Boxeneinfahrt stehen."


Fotos: 24 Stunden von Spa 2024, Rennen


Pier Guidi schildert den überraschenden Moment aus seiner Sicht: "Ich habe geschaut, ob es irgendwo eine Lücke zum Durchfahren gab, aber da war keine. Und in der Mitte stand schon ein Fahrzeug, das das Auto herausziehen wollte."

Am Ende war es einfach Riesenpech, 50 Sekunden Zeitverlust bedeuteten den Verlust des Sieges. Aber auch die sehr enge Boxeneinfahrt, die in dieser Form wohl einmalig ist, dürfte eine Rolle gespielt haben.

Der Lamborghini kam übrigens über die Distanz. GRT Grasser konnte das Problem beheben und brachte die #19 auf Gesamtrang 37 und Platz sieben im Silver-Cup ins Ziel.