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Taxifahrt im Audi R8: Daytona hautnah

Die 'Motorsport-Total.com'-Redakteure Stefanie Szlapka und Roman Wittemeier im Oval: Der Daytona International Speedway aus Frauen- und Männersicht

(Motorsport-Total.com) - Der Daytona International Speedway ist Motorsporthistorie pur. Auf dem gigantischen Tri-Oval wurden in den vergangenen gut 50 Jahren harte Duelle ausgefochten, Helden geboren und die NASCAR-Welt in Trauer gestürzt. Auf diesem heiligen Geläuf findet an diesem Wochenende das legendäre 24-Stunden-Rennen der Grand-Am statt. Die 'Motorsport-Total.com'-Redakteure Stefanie Szlapka und Roman Wittemeier durften Daytona mit allen Sinnen kennenlernen. Im schnellen Renntaxi: Audi R8 V10.

Der Audi R8 V10 spurtet mit seinen über 500 PS schnell durch das Oval Zoom

Männersicht: Roman Wittemeier über Daytona

Kein Helm, kein Overall, keine speziellen Gurte. Unter der brennenden Sonne von Florida geht es mit einem breiten Grinsen typisch amerikanisch entspannt in den Audi R8. Paul Charsley startet den 525 PS starken V10-Motor, der direkt hinter meinem Rücken kurz faucht wie eine Raubkatze vor dem Revierkampf. Vor uns rollen zwei Audi RS5 auf die Bahn. Paul lässt einen gewissen Abstand. "Die holen wir ganz schnell wieder ein", sagt er und schaltet sich beim Beschleunigen in Frontstretch schnell durch die ersten fünf Gänge.

Kurz vor Turn 1 lenkt der Audi plötzlich nach links. Paul wirft heftig den Anker und schmeißt den Sportwagen durch eine 90-Grad-Linkskurve in das Infield. Der R8 untersteuert leicht, den beiden RS5 hängen wir bereits direkt am Heck. Auf dem Weg durch die anschließenden beiden leichten Kurven nimmt mein Pilot noch einmal Gas heraus, um den roten Audi-Schwestern wieder etwas Vorsprung zu gönnen. Dann wieder Vollgas in Richtung Kurve vier.

Anschnallen und los geht es: Roman Wittemeier und Pilot Paul Charsley Zoom

An diesem 180-Grad-Rechtsbogen hatte wenige Minuten zuvor noch ein Auto in den Leitplanken gelegen. "Vor Turn vier ist etwas am Auto gebrochen, ich bin hart eingeschlagen. Mit tut alles ziemlich weh, denn es hat mich ordentlich durchgeschüttelt", berichtet mir DTM-Pilot Andy Priaulx direkt vor dem Start meiner Taxifahrt auf dem historischen Geläuf. Genau diese Worte fallen mir beim harten Anbremsen nun wieder ein. Am Rand sind die Spuren des Einschlags zu sehen, unser R8 lenkt willig ein und zieht konsequent und sich durch die Ecke. "Das haben wir geschafft", denke ich erleichtert.

Im folgenden schnellen Linksknick, einer weiteren 180-Grad-Rechtskurve und der Linksbiegung in Richtung Oval zurück nehmen wir die Randsteine deutlich mit. Es rüttelt kurz, dann baut sich vor mir eine Wand auf: das Banking in Turn 1 des Superspeedways. Mit rund 220 km/h geht esdurch die überhöhten Ecken. Ein unglaubliches Erlebnis für einen Mitteleuropäer, der überhöhte Kurven dieser Art nicht kennt. An der Betonwand des 2,5-Meilen-Ovals fliegt der Schriftzug "Daytona" in Windeseile an mir vorbei, im 31-Grad-Banking drückt es mich tief und fest in die Sportsitze.

Doch nicht die gespürte Fahrzeugdynamik ist in diesem Moment prägend. Meine Sinne werden vom optischen Eindruck überwältigt. "Ist das schräg hier", denke ich und spüre dann, wie sich das Auto ausgangs von Turn 2 nach und nach wieder in die Waagerechte begibt. Paul drückt voll auf den Pin, schaltet in den sechsten Gang und erzählt mir nebenbei ganz entspannt, dass sein Vater früher mit seinem Porsche-Team in Le Mans war und sogar in Daytona einen Klassensieg holen konnte.

Weil die Gegengerade ewig lang erscheint, will ich gerade auf die freundliche Konversation eingehen - aber es ist zu spät. Mit einem satten Tritt auf die Bremse verzögert der R8 wie ein Fahrrad mit einem Stock in den Speichen. Die Bremsschikane vor Turn 3 hatte ich völlig vergessen! Mit mäßigem Tempo lässt mein amerikanischer Chauffeur den Wagen durch die Ecken rollen, tritt anschließend für die beiden abschließenden Turns noch einmal voll durch. Und schon ist eine Runde vorbei. Keine zwei Minuten hat mein Daytona-Debüt gedauert, die Erinnerung bleibt aber ewig haften.

Frauensicht: Stefanie Szlapka über Daytona

Auch ich blickte zuerst in das für Amerikaner so typische Grinsen als ich in den Audi R8 einstieg. Schnell angeschnallt, Sonnenbrille auf... Die Handtasche hatte ich wohlweislich einem Kollegen bereits über die Schulter gehängt. Reicht ja, wenn ich durchs Auto fliege.

Nach einem kurzen Plausch geht es auch schon los und mir fällt gleich auf, dass er Abstand zu den beiden Audis vor uns lässt. Aus gutem Grund, wie ich später mitbekomme. Die ersten Meter führen uns an der gigantischen Haupttribüne vorbei, die aus meiner Sitzposition knapp über der Straße noch imposanter aussieht. Während mein Blick zum Seitenfenster über die Tribüne schweift, haut es mich plötzlich in den Sitz. Paul beschleunigt und donnert in die erste Kurve des Infields.

Der Audi R8 wartet auf die schnelle Runde: Stefanie Szlapka in Daytona Zoom

Obwohl ich versuche, mich mit beiden Füßen im Fußraum abzustützen, kann ich meinen Kopf bei den Schaltvorgängen nicht halten. So vollziehe ich in der Beschleunigungsphase einen Diener nach dem anderen und gehe gleichzeitig im Kopf die Massageangebote im Hotel durch. Diesen Gedanken verliere ich auch bei den weiteren Kurven im Infield nicht. Schließlich muss ich auch noch die Querbeschleunigung über mich ergehen lassen, von den Bremsvorgängen mal ganz zu schweigen. Paul wählt Bremspunkte, die doch einige Meter näher an der Kurve liegen, als ich sie aussuchen würde. Somit überrascht mich jedes Bremsmanöver aufs neue und statt Rennstrecke sehe ich in diesen Momenten nur noch Amaturenbrett.

Dann habe ich die Tortur der vielen engen Kurven hinter mir gelassen, beschleunigen wir schon raus in die erste Steilkurve. Der Audi geht in Schräglage - doch das beeindruckt mich in diesem Moment weniger. Die G-Kräfte, die mich in diesem Moment in den Sitz drücken schon eher. Während ich mit diesen Kräften gerechnet hatte, überrascht mich, dass der Druck in den Ohren spürbar ansteigt. Was für eine Anstrengung muss das für den ganzen Körper sein, wenn man als Pilot hier Stunde um Stunde seine Runden zieht.

Dann geht es raus aus der Steilkurve auf die Gegengerade und jetzt weiß ich auch, warum den Abstand zu unseren Vordermännern gehalten hatten. Erstens sind wir definitiv schneller unterwegs und Paul steigt auch viel später auf die Bremse, als wir an der Schikane am Ende der Geraden ankommen. Quasi im Heck des RS5 vor uns vergraben, fahren wir nur noch halb so schnell durch die zweite Steilkurve. Wenige Meter später war die Runde über die Rennstrecke auch schon vorbei und beim Aussteigen grinse ich, wie mein Fahrer zu Beginn der Fahrt.

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