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Sozialstrafe für Formel-E-Champion Jean-Eric Vergne nach Vorfall in New York

Techeetah-Pilot Jean-Eric Vergne hat seinen Formel-E-Titel erfolgreich verteidigt, beim Finale in New York aber über die Stränge geschlagen

(Motorsport-Total.com) - Jean-Eric Vergne (DS Techeetah) ist der erste zweimalige Champion in der noch jungen Geschichte der Formel E. Beim Finale der fünften Saison, dem zweiten Rennen des Double-Header beim ePrix von New York, genügte dem Franzosen am Sonntag ein siebter Platz locker zur Titelverteidigung. Tags zuvor allerdings hat er sich den Zorn der Rennkommissare zugezogen.

Jean-Eric Vergne

Jean-Eric Vergne: Zweiter Formel-E-Titel sicher, aber auch Sozialstrafe am Hals Zoom

Beim letzten Rennen der Saison waren am Sonntag Lucas di Grassi (Audi) und Mitch Evans (Jaguar) die einzig verbliebenen Konkurrenten Vergnes im Kampf um den Titel, nachdem Sebastien Buemi (Nissan e.dams) bereits nach dem Qualifying aus dem Titelkampf ausgeschieden war. Der Rennverlauf sah dann Vergne in jeder Phase als den virtuellen Champion.

Dass di Grassi und Evans in der letzten Runde im Kampf um den sechsten Platz in Kurve 11 kollidierten und beide eine Nullnummer schoben, hatte weitestgehend nur statistischen Wert. Die einzige Auswirkung auf Vergne: Er hatte den Titel somit schon ein paar Sekunden früher in der Tasche als er ihn ohne die Kollision ohnehin eingefahren hätte.

Sozialstrafe für geplante Neuauflage von "Crashgate"

Nach dem Sonntagsrennen durfte Vergne sowohl den Fahrertitel feiern als auch den Titelgewinn von DS Techeetah in der Teamwertung bejubeln. Letztgenannter Erfolg geht auch auf die Verdienste von Teamkollege Andre Lotterer zurück, der die Gesamtwertung der Formel E 2018/19 auf dem achten Platz beendet hat.

Jean-Eric Vergne, Andre Lotterer, Tom Dillmann

Im Samstagsrennen lief es für Vergne und Teamkollege Lotterer gar nicht nach Plan Zoom

Doch so groß die Freude bei Vergne und Co. in New York auch ist, einen Makel hat sie doch. Denn der alte und neue Champion hat sich eine Strafe eingefangen - konkret einen Tag Sozialarbeit, der innerhalb der nächsten sechs Monate fällig wird. Grund dafür ist nach Ansicht der Formel-E-Kommissare "unsportliches Verhalten", das Vergne bereits im turbulenten Samstagsrennen via Boxenfunk an den Tag gelegt hatte.

Nachdem das Auto von Teamkollege Lotterer wie Vergnes eigenes in der Anfangsphase des Samstagsrennens bei einer Kollision beschädigt worden war, bat der Franzose über Boxenfunk, dass Lotterer eine Gelbphase auslösen sollte.

Vergne kleinlaut: "Jeder andere hätte das Gleiche angefragt"

"Sag' Andre, dass er stehenbleiben soll, um das Safety-Car herauszubringen", so der Wortlaut von Vergnes Funkspruch, wie er den Formel-E-Kommissaren vorliegt und im Statement zur Verkündung der Strafe wiedergegeben wird.

Als Vergne von 'Motorsport-Total.com' auf die Entscheidung der Kommissare angesprochen wird, sagt er: "Jeder andere Fahrer in der Formel 1 oder Formel E, den man damit konfrontiert hätte, hätte das Gleiche angefragt."

"Du selbst liegst weit zurück und siehst, wie dein Teamkollege mit beschädigtem Auto eine Runde zurück liegt. Da ist es nur normal, so eine Anfrage zu stellen. Jeder hätte das so gemacht. Es war ja nicht so, dass er mit intaktem Auto um eine [gute] Position gefahren wäre. Daher habe ich darum gebeten, dass er das Auto in die Mauer setzt", so Vergnes Argumentation.

Jean-Eric Vergne

Den Titelgewinn 2018/19 hat Vergne ungeachtet der Strafe sicher Zoom

Doch zu einer Wiederholung der von Renault inszenierten "Crashgate"-Affäre vom Formel-1-Grand-Prix in Singapur 2008 kam es nicht. Dies liegt gemäß Statement der Kommissare nicht zuletzt daran, dass Vergnes Renningenieur "nicht auf die Nachrichten von Herrn Vergne geantwortet hat".

Vergne beendete das Samstagsrennen letzten Endes auf P15 ebenso außerhalb der Punkteränge wie Lotterer auf P17. Denn in der letzten Runde des Rennens wurden die beiden noch einmal in eine Kollision verwickelt, an der auch Stoffel Vandoorne (HWA) und Felipe Massa (Venturi) beteiligt waren.

Strafe ohne Einfluss auf Meisterschaftsendstand

Am Sonntag hielt sich Vergne dann nicht nur auf der Strecke, sondern vor allem auch am Funk schadlos. In welcher Form genau er seine Sozialstrafe innerhalb der nächsten sechs Monate absitzen wird, steht noch nicht fest. Fest steht aber schon jetzt, dass sie auf den sportlichen Ausgang der Formel-E-Saison 2018/19 keinen Einfluss hat.

In der fünfjährigen Geschichte der Formel E ist Jean-Eric Vergne der insgesamt vierte Meister und der erste, der zwei Titel auf dem Konto hat. In der Premierensaison 2014/15 krönte sich Nelson Piquet Jr. zum Champion. 2015/16 errang Sebastien Buemi den Titel. 2016/17 wurde Lucas di Grassi Meister. 2017/18 eroberte Vergne seinen ersten Titel, den er nun 2018/19 erfolgreich verteidigt hat.

Jean-Eric Vergne

Neben dem Fahrertitel für Vergne feiert DS Techeetah auch den Teamtitel Zoom

2017/18 hatte Vergne den Formel-E-Titel für Techeetah eingefahren, nun 2018/19 offiziell für DS Techeetah, nachdem der chinesische Rennstall im Sommer 2018 mit dem französischen Automobilhersteller DS (Premiummarke des PSA-Konzerns) zusammengespannt hat.

Seinen zweiten Titel hat Vergne trotz vier Nullnummern im Saisonverlauf (Santiago, Mexiko-Stadt, Hongkong, Rom und New York 1) mit letztlich 17 Punkten Vorsprung auf Sebastien Buemi eingefahren. Vergne holte drei Saisonsiege (Sanya, Monte Carlo und Bern), wohingegen Buemi nach verpatztem Saisonstart erst im turbulenten Samstagsrennen in New York seinen ersten Saisonsieg feierte.

Übrigens: Formel-1-Pilot Max Verstappen, der sich beim Brasilien-Grand-Prix 2018 einen Tag Sozialarbeit eingefangen hatte, löste die Strafe ausgerechnet damit ein, indem er im Januar 2019 in Marrakesch das Formel-E-Rennen besuchte. Für Vergne kommt diese Variante eher nicht in Frage...

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