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Williams ambitioniert: Lance Stroll in Q3 und in den Punkten?

Platzt für Lance Stroll in Kanada endlich der Knoten? Williams hofft auf erste WM-Punkte für den Rookie - Felipe Massa freut sich über "sehr guten" Trainingstag

(Motorsport-Total.com) - In den vergangenen zwei Jahren konnte Williams beim Großen Preis von Kanada immer einen Podestplatz für sich verbuchen. Sowohl 2015 als auch 2016 wurde Valtteri Bottas, der mittlerweile bekanntermaßen bei Mercedes fährt, starker Dritter. Dass das in diesem Jahr angesichts der Übermacht von Mercedes und Ferrari ein Wunschtraum bleiben wird, ist Paddy Lowe bewusst. Der Williams-Technikchef hofft dennoch, in Montreal eine Premiere zu erleben.

Lance Stroll

Kann Lance Stroll die "positive Engergie" der Fans in erste Punkte ummünzen? Zoom

Und diese wäre, es mit beiden Fahrern in die Punkte zu schaffen. Das gelang Williams in sechs Saisonrennen bisher kein einziges Mal, weshalb Konkurrent Force India in der Herstellerwertung bereits deutlich im Vorteil ist und sogar Toro Rosso noch vor Williams liegt. "Das macht uns gewiss Sorgen. Es wird eine große Herausforderung, das aufzuholen. Spanien war ein herber Rückschlag", spricht Lowes die komplette Nullrunde in Barcelona an.

Felipe Massa wurde damals durch einen Reifenschaden zurückgeworfen und konnte von der hohen Ausfallquote im Spitzenfeld nicht profitieren, während Force India auf den Plätzen vier und fünf ins Ziel kam. "Das war ein sehr schlechter Tag für uns, was die Punkteausbeute angeht", weiß Lowe. Nachdem man in Monaco zuletzt zumindest zwei Pünktchen mitnehmen konnte, soll es in Montreal eine weitere Steigerung geben. Erste positive Anzeichen gab es am Freitag.

Felipe Massa am Freitag auf Platz sechs

Denn im zweiten Freien Training auf dem Circuit Gilles-Villeneuve konnte sich Massa als "Best of the Rest" auf Platz sechs festsetzen und war damit schneller als beide Force Indias. Allerdings fehlten dem Brasilianer zum fünften Platz und Max Verstappen (Red Bull) fast sieben Zehntelsekunden. Zur Spitze betrug der Rückstand 1,128 Sekunden. Dennoch war es für Massa "ein sehr guter Tag", der sich in seinem Auto sehr wohl fühlte.

Felipe Massa

Felipe Massa sieht Fortschritte am Auto: Die Williams-Updates hätten gut funktioniert Zoom

"Das Auto hat auf neuen und gebrauchten Reifen gut funktioniert. Alles, was wir am Set-up ausprobierten, schien es noch zu verbessern", lobt Massa seinen FW40 und hofft, morgen ähnlich konkurrenzfähig sein zu können. Auch Technikchef Lowe ist zufrieden: "Wir haben einige Aero-Updates und neue mechanische Teile, mit denen wir alle relevanten Tests durchführen konnten. Gleichzeitig haben wir unser Reifenprogramm absolviert."

Dieses sah bei Williams-Rookie Lance Stroll eine andere Strategie vor als bei Massa. Denn während der Routinier die Soft- und Ultrasoft-Reifen testete, war Stroll nur auf den Supersofts unterwegs. Erst im dritten Freien Training am Samstag wird er laut Lowe zwei Reifenoptionen fahren. Mit 2,3 Sekunden Rückstand auf die Bestzeit wurde der Kanadier am Freitag 17. in der Gesamtwertung. Auf seinen erfahrenen Teamkollegen fehlten ihm knapp 1,2 Sekunden.

Lance Stroll schwärmt von Strecke in Montreal

Dennoch betont Lowe: "Er hatte heute einen guten Tag. Es sah auf dem Papier vielleicht nicht so atemberaubend aus, aber er ist im zweiten Freien Training auch nicht die Ultrasoft-Reifen gefahren. Sein Start war solide dafür, dass die Strecke neu für ihn ist." Doch Stroll habe sich schnell angepasst und eine gute Pace aufgebaut. Er selbst zeigt sich schon nach Tag eins begeistert: "Die Strecke ist toll. Ich mag den Rhythmus und es fühlt sich gut an, zu Hause zu sein."

Für ihn wären die ersten WM-Punkte in Kanada "ein fantastisches Resultat", weiß Lowe. Schließlich konnte der Rookie den Erwartungen bisher nicht gerecht werden. Nur in drei von sechs Rennen sah er überhaupt die Zielflagge. Seine beste Platzierung war ein elfter Rang in Russland. Der Druck auf den Kanadier steigt - erst recht in Montreal. "Das war in der Vergangenheit eine starke Strecke für uns. Sie passt zu unserem Auto", sagt Stroll.


Fotos: Williams, Großer Preis von Kanada, Freitag


Dass er gerade in seiner Heimat unter besonderer Beobachtung steht, ist ihm bewusst. Doch davon will sich der 18-Jährige weder einschüchtern noch unter Druck setzen lassen. "Ich denke, es kommt auf die Erfahrung an. Manchmal braucht es einfach ein wenig Zeit, bis der Knoten platzt", erklärt der Williams-Pilot, der auch in seiner ersten Formel-3-Saison Startschwierigkeiten hatte, im Folgejahr dann aber den Titel holte.

Q3 und WM-Punkte für Rookie Stroll in Kanada?

Daher übt sich Stroll in Geduld: "Das Jahr ist ein Marathon. Es geht darum, Vergangenes zu vergessen und sich auf das nächste Rennen zu fokussieren. So habe ich es auch in der Formel 3 gemacht. Ich arbeitete über den Winter an meinen Schwächen und kam stärker zurück. Dasselbe passiert, wenn du in die Formel 1 kommst. Es gibt viele neue Dinge zu lernen. Vor allem die Reifen sind schwer zu verstehen. Das ist definitiv etwas, woran ich arbeite."

Doch sein Gefühl werde von Mal zu Mal besser. In Montreal sollen ihm die Fans zusätzliche "positive Energie" verleihen. Seinen Kritikern hingegen zeigt Stroll die kalte Schulter. Das immer wieder gern bediente Paydriver-Image lässt er nicht gelten. "Man sich seinen Weg in die Formel 1 nicht erkaufen, man muss Ergebnisse bringen", wehrt sich Stroll. "Es wird immer Hater geben, die versuchen, dich klein zu machen. Aber darauf gebe ich nichts."


Williams TV - Canadian Grand Prix

Von vielen erfahrenen Formel-1-Kollegen erhält der Rookie Zuspruch. "Er hatte einen harten Start, das hilft natürlich nicht, wenn du gerade erst anfängst. Zugleich lernst du dabei aber sehr viel", urteilt etwa Ferrari-Pilot Sebastian Vettel. Er ist überzeugt, dass sich Stroll in den nächsten Rennen steigern können wird. Vielleicht platzt der Knoten ja in Montreal. "Idealerweise bekommen wir ihn in Q3 und am Sonntag in die Punkte. Das wäre perfekt", hofft Lowe.

Stroll selbst hält den Einzug in Q3 für "sehr möglich". Wenn alles nach Plan verläuft, sieht der Williams-Pilot beide Autos am Samstag in den Top 10. Um das zu schaffen, nimmt er vor allem die berühmt-berüchtigte letzte Schikane in den Blick: "Hier kannst du viel Zeit gewinnen, wenn du etwas riskierst, aber genauso viel Zeit verlieren. Es ist in jedem Fall ein Abschnitt, auf den ich im Qualifying und im Rennen achten muss."

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