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Wer letzte Nacht am besten geschlafen hat

In unserer Kolumne widmen wir uns traditionell dem Weltmeister - Langsam muss man sich damit abfinden, dass Lewis Hamilton die "Schumi"-Rekorde brechen wird

Lewis Hamilton

Lewis Hamilton war auch 2019 wieder nicht zu schlagen Zoom

Liebe Leserinnen und Leser,

erinnern sie sich noch an den ersten Rücktritt von Michael Schumacher Ende 2006? Ich zumindest weiß noch ziemlich genau, wie ich um diese Zeit herum als Jugendlicher an einem freien Nachmittag die Statistiken der Formel 1 durchstöberte. Sieben WM-Titel, 91 Siege und Co. - Damals dachte ich, dass diese Rekorde von "Schumi" für die Ewigkeit sind.

Keine 15 Jahre später sieht alles anders aus. Mit seinem sechsten WM-Titel ist Lewis Hamilton gestern bis auf einen an Schumachers magische Marke herangekommen. Bei den Siegen fehlen ihm nur noch acht Erfolge, und bei den Pole-Positions hat er "Schumi" bereits überflügelt. Die Frage lautet eigentlich nur noch wann und nicht ob er auch die anderen Bestmarken knackt.

Überraschend kommt das eigentlich nicht, wenn man sich zurückerinnert, wie Hamilton 2007 in die Formel 1 kam. Als Rookie verpasste er den Titel nur um einen Punkt, landete in der WM vor seinem Teamkollegen und Weltmeister Fernando Alonso. Da war bereits klar, dass da einer die Bühne der Königsklasse betreten hat, der einmal ein ganz Großer werden kann.

Alonso? Vettel? Hamilton!

Und doch hätte man lange Zeit nicht damit gerechnet, dass es der Brite sein würde, der eines Tages die Schumacher-Rekorde angreifen würde. Damals - 2007 - hätte man sein Geld vermutlich eher auf Alonso gesetzt, später dann auf Sebastian Vettel. Doch der eine hat die Formel 1 mittlerweile mit "nur" zwei Titeln verlassen, der andere läuft seinem fünften nun seit fünf Jahren hinterher.


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Natürlich sagen Kritiker, dass Hamilton fünf seiner sechs Titel vor allem der aktuellen Mercedes-Dominanz zu verdanken hat. Und wäre er 2013 nicht von McLaren zu den Silberpfeilen gewechselt, hätte er heute ganz sicher noch so viele Erfolge auf dem Konto. Doch ein glückliches Händchen gehört in einem Sport wie der Formel 1 eben dazu.

Eigentlich hätte ich diese Kolumne bereits vor Monaten schreiben können. Regelmäßige Leser werden sich erinnern, dass ich Lewis bereits nach dem siebten Saisonrennen in Kanada zum Titel gratuliert habe. Schon damals habe ich erläutert, warum dieser sechste Titel verdient ist. Daran hat sich auch fünf Monate später nichts geändert.

Noch nicht die Anerkennung, die er verdient

Es ist Schade, dass Lewis Hamilton bei einigen Fans nicht die Anerkennung bekommt, die er verdient hätte. Was damals für einige "Schummel-Schumi" war, ist heute für andere "Mecker-Lewis". Tatsächlich würde sich der Brite selbst einen Gefallen tun, wenn er damit aufhören würde, am Funk ständig die Entscheidungen des eigenen Teams zu hinterfragen.


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Denn wer sportlich keine Angriffsfläche bietet, den attackiert man eben auf anderen Ebenen. Das ist im Sport ein bekanntes Phänomen. Und fahrerisch hat Hamilton auch 2019 eben wieder eine fast komplett weiße Weste. Trotzdem habe ich das Gefühl, dass man seine Leistungen erst nach seinem Rücktritt richtig einordnen und würdigen wird.

Gemäß der "Früher-war-alles-besser"-Mentalität wird man dann auf diese Jahre zurückblicken und sagen: "Weißt du noch damals, als Hamilton ..." Ob es einem gefällt oder nicht: Lewis Hamilton ist einer der besten Formel-1-Fahrer aller Zeiten. Auch ganz unabhängig von irgendwelchen Statistiken. Und als solcher wird er auch in die Geschichte eingehen.

Endet Hamiltons Ära 2021?

2020 wird Hamilton Schumachers WM-Rekord wohl einstellen. Zumindest für mich persönlich geht der Weltmeister auch im neuen Jahr wieder als Favorit in die Saison. Ob er Schumachers Rekord auch brechen und als erster Fahrer acht WM-Titel holen kann, das wird stark davon abhängen, wo er 2021 fährt, wenn das neue Formel-1-Reglement kommt.


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Auch Schumachers Rekordserie mit Ferrari konnte nach fünf Titeln in Folge erst 2005 gestoppt werden, nachdem es bei den Reifenregeln eine gravierende Änderung gab. Für Vettel und Red Bull war 2014 nach vier Titeln in Serie mit dem neuen Motorenreglement Schluss. Möglich, dass Hamilton in zwei Jahren ein ähnliches Schicksal droht.

Doch selbst wenn der Brite eines Tages acht WM-Titel holen sollte, müssen sich seine Kritiker übrigens keine Sorgen machen. Denn Rekorde sind da, um gebrochen zu werden. Der Spruch klingt abgedroschen, stimmt aber eben. Auch wenn sich in ein paar Jahren ein Jugendlicher die Statistiken der Formel 1 ansehen und davon überzeugt sein wird, dass niemand die Hamilton-Rekorde brechen kann ...

Ihr


Ruben Zimmermann


Ruben Zimmermann

P.S.: "Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat" fand jahrelang jeden Montag auf unseren Portalen Formel1.de und Motorsport-Total.com statt. 2019 ist sie umgezogen zu de.motorsport.com. Wen es dieses mal getroffen hat, können Sie hier nachlesen!

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