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Weiter "freies Fahren": Mercedes legt Piloten nicht an die Kette

Was der Unfall zwischen Hamilton und Rosberg mit der Kollision von Spa 2014 zu tun hat und wie die Silberpfeile aus dem Vorfall noch Kapital schlagen

(Motorsport-Total.com) - Der erste Crash zwischen Lewis Hamilton und Nico Rosberg 2014 in Spa-Francorchamps hatte zur Aufstellung eines teaminternen Verhaltenkodex geführt. Da wäre es logisch, wenn Mercedes seinen Stars nach dem Unfall in Barcelona am Sonntag die Ketten anlegen würde. Aber Pustekuchen! Bei den Silberpfeilen gilt weiter die Devise "freies Fahren", wie Sportchef Toto Wolff schon kurz nach dem Rennen bestätigte. Die unveränderte Marschroute schmeckt nicht jedem, auch nicht Rosberg.

Nico Rosberg, Lewis Hamilton

Hamilton scheint mit der Marschroute besser leben zu können als Rosberg Zoom

Auf die Zweikampfpolitik der sportlichen Führung angesprochen entgegnet der Deutsche, der als WM-Führender mit dem Doppelausfall zumindest punktemäßig besser leben kann als Hamilton: "Glücklich ist in meinem Fall nicht das richtige Wort." Er unterstellt auch Wolff, eher aus der Notwendigket heraus gehandelt zu haben. "Vielleicht hat er sich so entschieden", räumt Rosberg ein, Freude würde seinem Boss das Festhalten an der bisherigen Direktive aber nicht bereiten.

Hamilton nimmt die Entscheidung freudiger zur Kenntnis. Logisch: Als Jäger im Titelduell braucht er mehr Freiheiten, um größere Risiken einzugehen. Dazu ist das Vollgastier niemand, der Lücken gerne ungenutzt lässt. "Gut, dass wir weiter Rennen fahren können und wir werden es auch tun", verspricht der Champion. Also alles nur ein kleiner Ausrutscher? Nicht ganz. Mercedes hat seit Sonntag mit Red Bull einen Konkurrenten mehr, dazu wird das von den Silberpfeilen perfekt durchgezogene Krisenmanagement bei einer abermaligen Wiederholung deutlich kniffliger werden.

Spa 2014: Blaupause oder "überhaupt nicht vergleichbar?"

Denn obwohl sich Toto Wolff und Niki Lauda mit ihrer Einschätzung der Kollision - wie damals in Belgien - komplett widersprachen, löste Mercedes die Sache elegant. "Das ist die Blaupause von Spa - nur, was das Resultat angeht. Aber wir haben als Team dazugelernt, die interne Situation war damals eine ganz andere", meint Wolff. Denn damals gab es Spannungen und keinen Regelkatalog.


Fotostrecke: Der Mercedes-Crash in Barcelona

Rückblende zum Belgien-Grand-Prix am 24. August 2014: Rosberg saugt sich aus Eau Rouge heraus an seinen führenden und besser gestarteten Teamkollegen heran und attackiert ihn außen in Les Combes. Obwohl er zurücksteckt, kommt es zu einer Berührung seines Frontflügels (der dabei beschädigt wird) mit dem linkem Hinterrad Hamiltons. Viele Experten geben Rosberg die Schuld daran, dass der eine noch einen zweiten Platz rettet, der andere aber komplett leer ausgeht.

"Ich sehe keinen Grund, warum man es miteinander vergleichen sollte. Es sind zwei verschiedene Dinge", wiegelt Rosberg ab. Wirklich? Die Fakten sehen anders aus: Mercedes sah sich in beiden Fällen eines Doppelerfolges beraubt, weil die Teamkollegen schon in der ersten Runde für Kleinholz sorgten. Der lachende Dritte war Red Bull. Rosberg wird hoffen, dass er nicht wie damals aus der Spur gerät und die WM-Krone verspielt. Das Psychoduell ist wieder angepfiffen.

Mercedes verkauft Kollision als Mehrwert für die Formel 1

Lewis Hamilton, Nico Rosberg

Die Causa Spa 2014: In Les Combes warf Mercedes einen sicheren Sieg weg Zoom

In der Chefetage demonstriert man Gelassenheit. Mercedes tut gut daran, den Crash als Mehrwert für die Formel 1 zu verkaufen, den er de facto auch bietet. So viel Feuer unter dem Dach, so viele kontroverse Diskussionen und einen Sensationssieger gab es lange nicht mehr. "Dass so etwas mal passiert, war absehbar. Wir sind da ein klein wenig ruhiger als noch vor zwei Jahren", bremst Wolff und zeigt sich nicht überrascht: "Wenn man sie frei fahren lässt, dann gibt es irgendwann Kontakt."

Etwas aufbrausender ist da Lauda, der kurz nach dem Rennen Hamilton die Schuld gegeben hatte. "In Spa haben wir klar gesagt, dass sie keinen Fehler machen dürfen, wo Mercedes nicht gewinnt. Einer muss gewinnen", stellt der Österreicher klar, um seine Schelte gleich darauf zu relativieren: "Jetzt ist es wieder passiert. Aber es sind alles Menschen." Noch zu seiner aktiven Zeit war Lauda kein Fan von freiem Racing. Erinnert sei an den Vorfall mit Clay Regazzoni 1976 in Brands Hatch.

Wolff: Mercedes ist Freies Fahren "den Fans schuldig"

Heute wird er sich damit anfreunden müssen. "Wir sind nach all den Jahren über die Konsequenzen hinweg", erklärt Wolff. "Wir lassen sie weiter frei fahren. Es waren unglückliche Umstände, die dazu geführt haben, dass wir als Team gebeutelt waren. Es war kein Unfall, der von beiden Seiten hätte vermieden werden können." Also ein klares Bekenntnis zu den teaminternen Regeln und eine deutliche Absage an Ketten für die Piloten, deren schwieriges Verhältnis laut nach dem Vorfall angeblich nicht noch trüber wird, als es ohnehin schon ist. Sonst würde die Sache zum Problem.

"Jeder hat eine Meinung. So funktionieren Rennfahrer. Aber ich bin mir 100-prozentig sicher, dass es ihr Verhältnis nicht beeinflussen wird", unterstreicht Wolff und ist bemüht, den ärgerlichen Vorfall als Chance zu verkaufen. "Wir haben die Flinte nie ins Korn geworfen. Das ist eine weitere Gelegenheit, um zu beweisen, dass wir uns von Rückschlägen zu erholen wissen."

Denn gut für Mercedes ist: Die Formel 1 hat wieder Spannung und Würze, die Diskussionen um die silberne Dominanz sind zunächst verstummt. Obwohl sich an den Verhältnissen auf der Strecke und in der WM-Tabelle wenig verändert hat. Wolff verspricht auch in Zunkuft Action, wenn Hamilton und Rosberg auf der Strecke die Klingen kreuzen. "Das sind wir den Fans schuldig", findet er und schreibt ihnen hinter die Ohren: "Vielleicht müssen sie sich ein bisschen mehr besinnen."

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