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Toto Wolff dementiert Risse im Verhältnis zu Daimler-Chef Källenius

Jetzt spricht Toto Wolff: Was an den Gerüchten über einen Rückzug als Mercedes-Teamchef dran ist und warum er an den Turnaround von Aston Martin glaubt

(Motorsport-Total.com) - Vier Wochen vor Beginn der Formel-1-Saison 2020 ist weiterhin unklar, ob Toto Wolff seinen bis Ende 2020 laufenden Vertrag als Teamchef von Mercedes verlängern wird. In einer Videokonferenz mit ausgewählten Medienvertretern hat der 48-jährige Österreicher die Tür für eine Veränderung seiner Rolle offengelassen.

Toto Wolff

Toto Wolff: Bleibt er nun Teamchef von Mercedes oder wechselt er die Rolle? Zoom

"Ich habe das große Glück, seit Anfang 2014 bei Mercedes am Ruder zu sein, und das sind Jahre, die ich nicht missen möchte", sagt er. "Ich hatte großen Spaß an der Interaktion und der Zusammenarbeit mit meinen Freunden im Formel-1-Team und bei Daimler, und das ist etwas, was ich nicht missen möchte."

"Trotzdem", gibt Wolff zu, "muss ich mich hinterfragen. Ich möchte keiner von den Teamchefs sein, die einmal großartig waren und jetzt nur noch gut sind und nicht realisieren, dass sie vielleicht nicht mehr so viel ins Team einbringen können wie am Anfang. Ich habe das Gefühl, dass ich immer noch viel einbringen kann. Aber ich denke über meine Zukunft nach."

Zuletzt hatte die Plattform 'F1-Insider.com' berichtet, dass Wolff nach Ablauf seines derzeitigen Vertrags als Teamchef zurücktreten und in eine neue Funktion wechseln könnte, etwa als Aufsichtsrat des Mercedes-Rennstalls - ähnlich wie früher sein langjähriger Geschäftspartner und Freund Niki Lauda.

Wolff bestätigt Gespräche mit Källenius

Wolff bestätigt, dass seine zukünftige Rolle im Team Gegenstand von Gesprächen mit Daimler-Konzernchef Ola Källenius ist. Wegen seiner 30-Prozent-Beteiligung am Mercedes-Team sei das "nicht einfach ein Angestelltenvertrag", aber: "Wir stecken mittendrin im Prozess, unsere gemeinsame Zukunft auszuarbeiten."

Auf ein "konkretes Wording" dazu, wie seine Zukunft aussehen könnte, will er sich im Moment nicht einlassen: "Ob das jetzt Teamchef heißt oder Managing Director spielt doch keine Rolle. Und ehrlich gesagt habe ich mich bisher noch nicht entschieden, weil die Rennen noch nicht einmal begonnen haben. All diese Gespräche finden gerade statt."

Spätestens seit unserer Exklusiv-Story vom 27. März, wonach sich Wolff mit einem Finanzinvestment bei Aston Martin (wurde am 17. April offiziell bestätigt) einen Plan B zurechtlegen könnte, wird in der Branche über einen möglichen Abschied als Teamchef spekuliert. Und Wolff trägt wenig dazu bei, diese Spekulationen zu entschärfen.


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Konkret auf die Gerüchte angesprochen, wonach er zumindest als Teamchef bei Mercedes abdanken könnte, formuliert er vage: "Etwas, worauf ich in unserem Team immer stolz war, ist die Tatsache, dass wir es geschafft haben, leitende Mitarbeiter des Teams in neue Rollen zu befördern. Wir haben Talenten Möglichkeiten eröffnet. Und das Gleiche gilt auch für mich."

Was Wolff entschieden dementiert, ist ein angeblich belastetes Verhältnis zu Daimler-Chef Källenius. Konnte Wolff unter dessen Vorgänger Dieter Zetsche noch frei schalten und walten, hält ihn Källenius, so berichten es zumindest Kenner des Stuttgarter Daimler-Umfelds, an einer weitaus engeren Leine.

Källenius und Zetsche seien "sehr unterschiedliche Persönlichkeiten", räumt Wolff ein, ohne das zu werten. Aber Medienberichte über Risse im Verhältnis zur Daimler-Spitze weist er zurück. Sein Verhältnis zu Källenius sei "exzellent" und gehe über eine reine Arbeitsbeziehung hinaus. Der Österreicher nimmt dabei sogar das Wort "Freundschaft" in den Mund.

"Ola und ich", sagt er, "mussten ziemlich lachen, als diese Gerüchte aufkamen, dass unser Verhältnis nicht intakt ist. Wir telefonieren mehrmals pro Woche, und er bringt sich sehr stark ein. Er ist ein guter Sparringpartner für mich, und genauso wenig, wie ich Dieter hätte missen wollen, möchte ich auch Ola nicht mehr missen."

Wolff: Warum er 41 Millionen in Aston Martin investiert hat

Sein Investment beim Sportwagenhersteller Aston Martin (nicht zu verwechseln mit dem Formel-1-Team Racing Point, das 2021 als Werksteam mit Lizenz von Aston Martin an den Start gehen wird) sei eben genau das, ein "Finanzinvestment. Ich glaube an die Marke", unterstreicht er. "Und ich denke, dass die Strategie, die dort gerade implementiert wird, Sinn ergibt."

"Ich habe ein paar Aktien gekauft, im Sinne einer Investmentdiversifizierung", erklärt Wolff. Laut 'Daily Mail' ist er mit 37 Millionen Britischen Pfund (aktuell umgerechnet 41 Millionen Euro) beim Sportwagenhersteller eingestiegen. Als Aktionär. "Operativ werde ich keine Rolle spielen", stellt er klar.

Tobias Moers

AMG-Erfolgs-CEO Tobias Moers wechselt ab 1. August 2020 zu Aston Martin Zoom

"Meine operativen Funktionen bleiben unverändert. Ich bin bei Mercedes, ich bin dort Teamchef und Shareholder. Und es ist klar, wenn es sonst keine Headlines gibt, dass die Aston-Martin-Sache Wellen geschlagen hat. Aber ich plane mit Mercedes. Ich habe die Absicht, hier zu bleiben. Daran hat sich nichts geändert."

Sein Investment bei Aston Martin könnte ein lohnendes werden. Bis Börsenschluss am Freitag hat die Aktie seit 14. Mai über 130 Prozent an Wert gewonnen. Befeuert wurde der Kurs durch einen Wechsel an der Spitze des Managements: Andy Palmer wurde vergangene Woche als CEO abgelöst. Am 1. August übernimmt Tobias Moers das Ruder.

Moers war bisher CEO bei Mercedes-AMG und gilt in der Automobilbranche als Erfolgsmanager. Am Finanzmarkt wird sein Wechsel als Indiz dafür gewertet, dass der Daimler-Konzern seine Minderheitsbeteiligung an Aston Martin ausweiten könnte. Darauf hatten zuletzt auch Medienberichte in Zusammenhang mit Daimlers Formel-1-Programm hingedeutet.

"Ich glaube an die Marke Aston Martin, ich glaube an das Management", sagt Wolff. "Tobias Moers ist jemand, der das genau versteht. Ich kenne ihn seit langer Zeit - und ich glaube daran, dass er mit diesem Business den Turnaround schaffen kann. Langfristig kann das ein erfolgreiches Unternehmen werden."

Um seine investierten Millionen macht sich Wolff jedenfalls keine Sorgen: "Es gibt eine sehr starke Gruppe an Shareholdern (rund um Lawrence Strolls Yew-Tree-Konsortium; Anm. d. Red.), die Aston Martin unterstützen und die die Marke nicht im Stich lassen werden. Und ich habe entschieden, Teil dieser Gruppe zu sein."

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