powered by Motorsport.com
  • 24.07.2009 · 16:29

Theissen: "In Summe ist das eine Steigerung"

BMW Motorsport Direktor Mario Theissen ist mit dem Freien Training auf dem Hungaroring zufrieden, aber nicht mit dem Saisonverlauf

(Motorsport-Total.com/Sky) - Nick Heidfeld Neunter, Robert Kubica 14. - das BMW Sauber F1 Team ist von absoluten Spitzenplätzen noch immer weit entfernt, doch das heutige Freie Training auf dem Hungaroring stellte zumindest mal eine Steigerung dar. Wenn man bedenkt, dass der Rennstall an Freitagen oftmals konservativ mit viel Benzin testet, scheint ein Einzug ins Top-10-Qualifying aus eigener Kraft durchaus realistisch, wie BMW Motorsport Direktor Mario Theissen im Interview andeutet.

Mario Theissen

Mario Theissen schöpft Zuversicht für den Grand Prix auf dem Hungaroring

Frage: "Herr Theissen, wie geht es Ihnen heute nach den beiden Trainings?"
Mario Theissen: "Nicht so schlecht. Es ist ziemlich warm, das bekommt unseren Autos offensichtlich gut."#w1#

Positives Feedback von den Fahrern

Frage: "Die Trainingsleistung scheint besser zu sein als zuletzt. Nick Heidfeld ist in den Top 10. Das sind gute Nachrichten, oder?"
Theissen: "Beide Fahrer waren mit dem Auto zufriedener als zuletzt. Die Zeiten kann man nicht vergleichen, denn Robert war sehr früh mit neuen Reifen draußen und fuhr dann seine Longruns, als die Strecke schneller wurde. Bei Nick war es umgekehrt, deswegen hatte er am Schluss die Nase vorne. Aber in Summe ist das schon eine Steigerung."

Frage: "Robert Kubica hat vor dem zweiten Training gesagt, dass das Auto besser war, als noch keine Gummipartikel von den Reifen auf der Strecke lagen. Können Sie unseren Lesern einmal erklären, warum die Reifen nur in einem so schmalen Fenster funktionieren?"
Theissen: "Das sollten wir die Bridgestone-Kollegen fragen, denn das mit dem schmalen Fenster ist wirklich so."


Fotos: BMW Sauber F1 Team, Großer Preis von Ungarn, Freitag


"Die Ursache, warum ein Auto so oder so reagiert, ist so zu erklären: Durch den Gummi wird die Haftung verbessert - und dann hängt es einfach an der Balance des Autos, ob es nun vorne oder hinten besser greift. Da kommt die Vorliebe des Fahrers ins Spiel, denn der eine hat es lieber untersteuernd, der andere lieber übersteuernd. Daraus ergeben sich dann solche Kommentare."

Frage: "Vor einem Jahr hatte Ihr Team vor diesem Grand Prix 89 Punkte auf dem Konto und war damit WM-Zweiter. Jetzt sind es acht Punkte. Können Sie erklären, was beim BMW Sauber F1 Team in diesem Jahr schief gelaufen ist?"
Theissen: "Unser Auto ist nicht schnell genug, ganz einfach. Daran arbeiten wir. Wenn man dann sieht, dass das Feld so eng zusammenrückt wie in diesem Jahr, dann macht eine halbe Sekunde gleich Welten aus und man steht ganz weit hinten in der Startaufstellung."

"Die Autos sind außerdem sehr zuverlässig - es fällt kaum jemand aus. Wenn man also nicht in den Top 10 ins Rennen geht, hat man nur sehr geringe Chancen, in den Top 10 ins Ziel zu fahren. Aber wir wollen es in dieser Saison noch mal drehen."

Saison 2009 wird nicht abgeschrieben

Frage: "Warum werfen Sie nicht einfach das Handtuch und sagen wie beim Boxen: 'Lassen wir diese Runde und erholen wir uns besser für den nächsten Kampf im nächsten Jahr!'"
Theissen: "Das hat verschiedene Gründe. Der wichtigste ist, dass wir dieses Jahr ein völlig neues Aeroreglement haben, das aber 1:1 ins nächste Jahr übernommen wird. Das heißt, was wir an diesem Auto entwickeln, das können wir zum größten Teil schon für das nächstjährige Konzept verwenden."

"Wir müssen verstehen, woran es liegt, um Vertrauen in das Konzept für nächstes Jahr zu haben." Mario Theissen

"Der zweite Grund ist, dass wir zum ersten Mal in diesem Jahr ein komplettes Testverbot in der Saison haben. Das heißt, das Rennwochenende ist tatsächlich die einzige Chance, mit neuen Entwicklungen auf die Strecke zu gehen. Und der dritte Grund ist, dass wir verstehen müssen, woran es liegt, um entsprechendes Vertrauen in das neue Konzept für nächstes Jahr zu haben."

Frage: "Warum haben gerade Topteams wie Ihres, Ferrari und McLaren-Mercedes Schwierigkeiten, während kleine Teams wie Brawn, Red Bull und Williams auftrumpfen?"
Theissen: "Im Wesentlichen liegt es schon an der Aerodynamik. Offensichtlich haben die vier Topteams der letzten drei Jahre - Ferrari, McLaren, wir selbst und Renault - einen falschen Ansatz gewählt, sind kollektiv ins hintere Mittelfeld marschiert und arbeiten sich jetzt mühsam nach vorne. Bei einem geht es etwas schneller, beim anderen dauert es etwas länger. Anders kann ich es auch nicht erklären."

Frage: "In der Frage wird wahnsinnig viel diskutiert. Wie wird die Formel 1 nächstes Jahr aussehen und kommt irgendwann wieder Frieden in den Laden?"
Theissen: "Es wird sicher irgendwann wieder Frieden in den Laden kommen. Ich hoffe, dass das nicht allzu weit weg ist. Die Verhandlungen über ein neues Concorde-Agreement sind weit fortgeschritten. Es geht eigentlich nur noch um den Feinschliff. Danach sollte wieder Ruhe einkehren."