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Technik: Wie Ferrari die Australien-Probleme kuriert hat

Mit welchen technischen Neuerungen der Ferrari SF71H beim Grand Prix von Bahrain in den Händen von Sebastian Vettel zum Sieg über Mercedes fuhr

(Motorsport-Total.com) - Als Ferrari zum zweiten Rennen der Formel-1-Saison 2018 - dem Grand Prix von Bahrain - erschien, geschah dies einerseits mit der Freude über den Sieg beim Saisonauftakt in Australien, anderseits aber auch im Wissen, dass man mit dem SF71H noch viel Arbeit vor sich hat.

Ferrari SF71H vs. SF70H: Vergleich, Bargeboards

Für Bahrain verbesserte Ferrari unter anderem die Bargeboards Zoom

Zwar war der rote Renner im Albert Park von Melbourne ganz klar ein potenzieller Rivale für Mercedes. Doch das Tempo und einige Unsicherheiten bezüglich des Handlings ließen erahnen, wie viel Arbeit die Scuderia aus Maranello noch vor sich hat.

In Bahrain gelang Ferrari dank Veränderungen am Frontflügel und an den Bargeboards ein Ergebnis, das selbst Mercedes überraschte.

Frontflügel

Ferrari SF71H: Frontflügel

Ferrari SF71H vs. SF70H: Frontflügel, Vergleich Zoom

Noch in Australien hatte Ferrari Zweifel an der Wirkungsweise des Frontflügels. So nutzte man das dortige Freie Training unter anderem dazu, Vergleichstests zu fahren mit dem neuen 2018er-Frontflügel einerseits und anderseits einem Flügel, der dem von 2017 sehr nahe kam (im Bild jeweils eingekreist).

Die Hauptunterschiede waren zum einen, wie die Hauptkaskade mit der r-Kaskade verbunden ist, zum anderen die Form der äußeren Grundplatte und die Form des Bogens im Hauptflügelelement. Und schließlich war auch der Verbindungspunkt zur neutralen Sektion in der Mitte des Frontflügels anders gestaltet.

Der Flügel, der in der Spätphase der Saison 2017 zum Einsatz kam, sorgte für eine effizientere Generierung des sogenannten Y250-Vortex. Grund dafür war der ausgeprägte Bogen im Hauptflügelelement (im oberen Bild im Kreis rechts).

Der 2018er-Frontflügel erledigt prinzipiell die gleiche Aufgabe, erreicht dies aber über Einschnitte im Hauptflügelelement (im oberen Bild gelb eingefärbt).

Ferrari SF71H: Frontflügel, Vergleich

Ferrari SF71H: Frontflügel, Vergleich Bahrain vs. Australien Zoom

Die Zweifel, die Ferrari noch in Australien hatte, waren in Bahrain offenbar verschwunden. Dort wurden die Flaps so angepasst, um dem Abtriebslevel des Bahrain International Circuit gerecht zu werden. Dabei verstärkte man den zweiten Flap (weißer Pfeil).

Die Folge der Veränderungen: Bei Belastung bewegt sich der untere Teil des Hauptflügelelements nicht so stark wie der obere. Dadurch wurde die aerodynamische Instabilität beim Bremsen kuriert. Sebastian Vettel hatte noch in Australien davon gesprochen, der Front des Ferrari nicht vollständig zu vertrauen. Dieses Gefühl könnte vom Frontflügel verursacht worden sein.

Bargeboards

Der Bereich zwischen den Vorderrädern, den Seitenkästen und dem vorderen Ende des Unterbodens gilt seit den Regeländerungen, die für die Saison 2017 eingeführt wurden, als der Bereich, in dem sich am einfachsten Abtrieb generieren lässt. Aus diesem Grund widmen sich die Teams diesem Bereich mit besonderer Intensität.

Der Ferrari SF71H ist in vielerlei Hinsicht eine Evolution des Vorgängermodells SF70H. Aufgrund des längeren Radstands hat man aber im gerade erwähnten Bereich des Autos neue Möglichkeiten für Entwicklung geschaffen. So wurden die Bargeboards und die um sie herum platzierten Winglets verändert, um noch mehr Performance zu gewinnen.

Der Vergleich zwischen dem aktuellen SF71H (links) und dem SF70H ab dem Grand Prix von Malaysia 2017 (rechts) zeigt, wie die Veränderungen im Detail aussehen.

Ferrari SF71H vs. SF70H: Vergleich, Bargeboards

Ferrari SF71H vs. SF70H: Vergleich, Bargeboards Zoom

Das vordere Element (roter Pfeil) wurde in der Geometrie verändert, da es aufgrund des längeren Radstands nun mehr Platz in diesem Bereich gibt. Die dahinterliegende Aneinanderreihung von Mini-Winglets (blauer Pfeil) wurde weiter nach außen versetzt, um den Einfluss auf den Luftstrom in diesem Bereich zu erhöhen. Dabei hat sich Ferrari außerdem eines Tricks von Mercedes bedient und auf den kleinen Winglets vertikale Anbauten angebracht. Zudem wurde auch das sensenförmige Luftleitelement (schwarzer Pfeil) leicht verändert.

Ebenfalls erwähnenswert ist etwas, was in diesen Illustrationen nicht zu sehen ist. Im Zuge des Bahrain-Updates brachte Ferrari drei Streben am vorderen Ende des Unterbodens an.

Force India VJM10 vs. Red Bull RB13 vs. Mercedes F1 W08: Streben, Vergleich

Force India VJM10 vs. Red Bull RB13 vs. Mercedes F1 W08: Streben, Vergleich Zoom

Diese Maßnahme hatte man in der Saison 2017 zuerst am Mercedes F1 W08 gesehen, bevor Red Bull am RB13 im Zuge des umfangreichen Ungarn-Updates nachzog. In Mexiko kreuzte auch Force India mit einer solchen Lösung am VJM10 auf. Die Folge ist, dass es diese Streben nun auch am aktuellen VJM11 gibt.

Sinn und Zweck der hier an drei Autos aufgezeigten Streben am Unterboden ist es, die Luftturbulenzen zu beruhigen, um damit für einen stabileren Luftstrom in Richtung des Diffusors zu sorgen.

In Australien klagten die Ferrari-Piloten noch über Balanceprobleme und im Team glaubte man erkannt zu haben, dass diese auch auf das neue Design des Diffusors am SF71H zurückzuführen waren.

Eine komplett angeblasene Variante des Diffusors soll beim anstehenden Grand Prix von China zum Einsatz kommen. Für Bahrain reichte die Zeit dafür nicht aus und so beließ es Ferrari bei einigen kleineren Modifikationen am Mittelteil des Diffusors. Welche das genau waren, zeigt das folgende Video:


Darum qualmt der Ferrari in der Box

Technik inside: Wir erklären, warum es am Heck des Ferrari 2018 so oft qualmt. Weitere Formel-1-Videos

All diese Veränderungen am Ferrari sorgte am Bahrain-Wochenende für eine bessere Balance. Dies wiederum war der Schlüssel dafür, dass Vettel seine Reifen länger beanspruchen konnte und so letztlich das Rennen gewann.

Und der für den Grand Prix von China angekündigte neue Unterboden am SF71H könnte den starken Saisonauftakt der Scuderia Ferrari noch weiter verstärken.

Gary Anderson erklärt die Ferrari-Bargeboards

Noch bei den Wintertestfahrten in Barcelona sah der Bereich um die Bargeboards am Ferrari, verglichen mit dem Mercedes, simpel aus. Doch dank jüngster kleinerer Entwicklungen wurde die Komplexität erhöht und die Performance verbessert.

Die Bargeboards haben ganz grundsätzlich die Aufgabe, alles andere in aerodynamischer Hinsicht funktionieren zu lassen: Frontflügel, Kühler, Unterboden, Colaflaschenhals am Heck und Diffusor. All diese Bauteile würden ohne die Bargeboards nicht richtig funktionieren. Schauen wir uns den Bereich der Bargeboards am Ferrari SF71H im Detail an.

Ferrari SF71H: Bargeboards

Ferrari SF71H: Bargeboards Zoom

Der vordere Bereich mit den drei vertikalen roten Schaufeln hilft zusammen mit den darunterliegenden Komponenten dabei, die Luft von unterhalb des erhöhten Chassis "abzusaugen". Dadurch wird hinter dem Frontflügel ein Luftstau verhindert, wodurch die Performance verbessert wird.

Der untere Bereich der Bargeboards hilft dabei, den Luftstrom gezielt in Richtung des vorderen Bereichs des Unterbodens zu lenken. Dieser Bereich unterhalb des Ferrari-Logos ist ein äußerst komplexer, der im Grunde wie ein separater Diffusor funktioniert.

Die vertikalen Schaufeln an den äußeren Ecken der Seitenkästen dienen dazu, die von den Vorderreifen kreierten Luftturbulenzen zu beruhigen. Dadurch wird die Wirkungsweise des Unterbodens in diesem Bereich zusätzlich verbessert.

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