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Ricciardo zufrieden: "Ich habe es allen gezeigt"

Daniel Ricciardo kann die Disqualifikation vom Rennen in Melbourne nichts anhaben - Der Australier fühlt sich bei Red Bull pudelwohl

(Motorsport-Total.com) - Als Mark Webber im vergangenen Jahr seinen Rücktritt aus der Formel 1 bekannt gab, war das der Start für die wildesten Spekulationen. Kimi Räikkönen und Fernando Alonso wurden unter anderem für die Nachfolge auf den Platz neben Weltmeister Sebastian Vettel gehandelt. Am Ende wurde es aber der damalige Toro-Rosso-Fahrer Daniel Ricciardo - eine Entscheidung, die nicht jeder nachvollziehen konnte. Der junge Australier hat aber schon in den ersten Rennen bewiesen, dass mit ihm zu rechnen ist.

Daniel Ricciardo

Sunnyboy Daniel Ricciardo konnte bei Red Bull bisher überzeugen Zoom

In Melbourne gelang ihm Platz zwei - trotz der gerade noch einmal bestätigten Disqualifikation von dem ersten Grand Prix bleibt der Eindruck einer starken ersten Leistung für den Neuen bei Red Bull. Auch in Malaysia war Ricciardo gut unterwegs, bevor ihm ein Problem beim Boxenstopp aus dem Rennen nahm. In Bahrain zog er an Teamkollege Vettel vorbei, um erneut ums Podium zu kämpfen und in Schanghai kam er über 24 Sekunden vor dem Weltmeister ins Ziel. Für den Landsmann Webbers scheint der Wechsel ins Weltmeisterteam kein Problem gewesen zu sein.

"Um ehrlich zu sein: Besser hätte ich mich nicht in das Team einfügen können", sagt Ricciardo selbst. "Sie haben es mir einfach gemacht, mich hier rasch zuhause zu fühlen. Ich habe viel Spaß am Fahren. Und das scheint sich auch an den Resultaten bemerkbar zu machen. Ich bin sehr zufrieden."

Bei der Arbeit konzentriert

Die Kritiker, die nichts davon hielten, dass Red Bull bei der Vergabe des Webber-Cockpits auf den eigenen Nachwuchs setzt, verstummen langsam. "Man hat lange gedacht, ich wäre zwar schnell, aber kein richtiger Racer, dass ich zu nett und nicht aggressiv genug bin", erzählt Ricciardo gegenüber 'The Telegraph'. "Aber ich denke, ich habe schon in den ersten Rennen beweisen können, dass man mich unterschätzt hat und ich werde definitiv so weitermachen. Dann werde ich mir den Respekt verschaffen."

"Ich bin viel konzentrierter als ich vielleicht rüberkomme, wenn ich neben der Arbeit meine Scherze mache." Daniel Ricciardo

Der Sunnyboy mit dem breitesten Grinsen im Fahrerlager wurde auch aufgrund eben dieses sonnigen Gemüts nicht immer so ernst genommen. "Ich gehe meine Arbeit jeden Tag fröhlich an, so bin ich 95 Prozent der Zeit drauf", gibt er zu. "Wenn es aber dann ums Rennfahren geht und den praktischen Teil der Arbeit, nehme ich das sehr ernst. Ich genieße die Zeit im Auto zwar sehr, aber ich bin auch viel konzentrierter als ich vielleicht rüberkomme, wenn ich neben der Arbeit meine Scherze mache."

Auch bei Red Bull hat man nicht damit gerechnet, mit Ricciardo einen so ernsten Arbeiter engagiert zu haben. "Das Team war ein bisschen überrascht und beeindruckt davon, dass ich im Auto ganz anders bin", so der 24-Jährige, der den Spaß aber auch im Cockpit nicht vollkommen vergisst: "Ich scherze immer noch, es ist nicht alles ernst. Erst letzte Woche beim Testen habe ich im Funk ein paar Witze gemacht. Ich habe gerappt, oder es wenigstens versucht. Ich kann das nicht sehr gut, aber ich habe mir Mühe gegeben."

Das gute Gefühl von Melbourne bleibt

Selbst die Disqualifikation kann dem Dauergrinser nichts anhaben. Die Erfahrung, vor heimischem Publikum den Champagner auf dem Podium genießen zu können, überwiegt den Verlust der 18 Punkte. "Den Moment werde ich mir auf jeden Fall bewahren", betont er. "Das Gefühl, das ich hatte, als ich da oben stand, ist immer noch gegenwärtig. Ich denke nicht daran, dass ich disqualifiziert wurde. Ich denke daran, was ich erreicht habe. Das Selbstbewusstsein, das ich dadurch bekommen habe, bleibt."

Dass er sich mittlerweile zwischen den Top-Piloten der Königsklasse bewegt, ist für Ricciardo ein Privileg. "Ich lebe den Traum", betont er. Nach seiner klassischen Kartausbildung und dem Aufstieg durch die diversen Nachwuchsserien, war er zunächst selbst noch nicht davon überzeugt, dass er es soweit schaffen könnte: "2006 habe ich noch nicht dran geglaubt, jemals in der Formel 1 zu fahren. Ich habe weder gewonnen noch dominiert. Ich habe nicht daran geglaubt, mehr drauf zu haben als irgendjemand anderes."

Ricciardo berichtet dazu aus seiner Kindheit: "Es ist verrückt. Als Kind bin ich fürs Kartfahren ein wenig gereist, nach Melbourne oder Sydney und ich habe das Reisen überhaupt nicht gemocht. Ich dachte, um in der Formel 1 fahren zu können, muss ich nach Europa ziehen und ich wusste nicht, wie es dazu gekommen sollte. Es gibt viele Dinge, die ich nicht gerne tue. Ich denke, ich bin irgendwann gereift. Ich habe mich von einem Jungen zu einem jungen Mann entwickelt."

Duell mit Vettel als Ansporn

Mit der Zeit hat sich bei ihm dann auch ein gewisses Selbstvertrauen aufgebaut: "Ich weiß nicht, wie ich es ausdrücken soll, ich will nicht arrogant klingen, aber ich habe immer an mich geglaubt und gedacht, dass, wenn ich die Möglichkeit und die richtige Ausrüstung bekomme, ich auch zeigen kann, was in mir steckt und das ist jetzt der Fall. Ich selber bin nicht überrascht. Es ist aber nett, dass ich es mir auch selbst beweisen konnte. Ich bin überzeugt davon, dass ich so weitermachen kann."


Fotos: Red Bull, Großer Preis von China


Davor graut es auch Vettel, der sich zuletzt in China ein weiteres Mal von seinem Teamkollegen düpieren lassen musste. Der Beziehung der beiden kann das aber laut Ricciardo nicht schaden. "Ich selbst hatte natürlich einen recht guten Start", gibt er gegenüber 'Crash.net' zu. "Aber es ging für uns beide bisher auf und ab, deswegen kann sich jetzt noch kein Trend abzeichnen. Es hat nur gezeigt, dass es bisher ein guter Kampf war. Melbourne kann man zwar nicht beurteilen, da Seb an diesem Rennen quasi nicht teilgenommen hat, aber in Malaysia hatte er die Nase vorn und in Bahrain war ich besser unterwegs. Es ändert sich und das ist genau, was wir wollen - uns gegenseitig antreiben."

Das er mit Vettel ähnlich aneinander geraten könnte, wie sein Landsmann Webber, glaubt er nicht: "Bisher gab es keine Vorfälle und keinen Konflikt. Wir kommen eigentlich ziemlich gut klar miteinander und respektieren uns gegenseitig sehr. Sowohl auf als auch neben der Strecke läuft es gut und wie ich schon sagte, wir stacheln uns gegenseitig an - genauso, wie wir es uns vorgestellt haben."

Kein zweiter Webber

Der Vergleich mit seinem Vorgänger ist für ihn sowieso zu weit hergeholt: "Es ging ja um die beiden und hatte nichts mit mir zu tun. Es ist doch völlig normal, dass nicht jeder miteinander auskommt. Nur weil Mark auch Australier ist, heißt das nicht automatisch, dass ich auch Probleme mit Seb haben werde. Darum ging es ja nicht, es war ja keinen Nationen-Konflikt."

"Nur weil Mark auch Australier ist, heißt das nicht automatisch, dass ich auch Probleme mit Seb haben werde." Daniel Ricciardo

Ricciardo glaubt sogar, dass er mit Vettel viel mehr auf einer Wellenlänge liegt, als es bei Webber je der Fall war: "Wir haben auf jeden Fall einiges gemeinsam. Wir liegen vom Alter her nur zwei Jahre auseinander, also nicht weit. Abseits der Strecke sprechen wir über die Sachen, die wir gemeinsam haben, über das Radfahren in den Bergen und solche Sachen, das ist ziemlich cool. Es ist in diesem Sport schwierig, eine richtig gute Beziehung zueinander aufzubauen, da ist keiner dein bester Freund. Aber für Teamkollegen haben wir einen guten Start miteinander gehabt."

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