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  • 01.04.2010 · 10:41

  • von Roman Wittemeier

Renningenieur: Traumjob für Techniker

Renault-Renningenieur Mark Slade beschreibt seine Tätigkeiten bei Renault: Technischer Überblick, Organisatorischer Aufwand

(Motorsport-Total.com) - Millionen von Menschen verfolgen weltweit die Formel 1, doch nur ganz wenige sind wirklich direkt involviert. Dabei hegen sicherlich viele Fans den Traum vom Job in der Königsklasse. Der Weg dorthin ist nicht leicht, denn Formel 1 ist kein Studienfach. Die meisten Mitglieder des großen PS-Zirkus haben sich ihren Platz über Umwege, durch viel Arbeitseinsatz und manchmal auch unterhaltsame Zufälle erobert. Ein Beispiel: Mark Slade, Renningenieur am Renault R30 von Vitaly Petrov.

Robert Kubica, Vitaly Petrov

Der Renault R30 wird während des Wochenendes immer wieder umgebaut

"Ich bin 1989 zu Reynard gegangen, seit 1991 mit McLaren in der Formel 1. Seit 1994 bin ich bei jedem Rennen an der Strecke", erklärt der Brite, der zuvor ein normales Ingenieursstudium absolvierte. Schon früh war ihm klar, dass der Weg möglichst schnell in den Motorsport führen sollte: "Ich war früher ein großer Fan von Alan Jones. Der hat mich richtig für die Formel 1 begeistert. Damals war Williams ein sehr junges Team, das mir richtig viel Spaß bereitet hat."#w1#

"Ich hatte großes Glück, dass ich bei Reynard anfangen konnte. Dort habe ich zunächst für einen Flaschenpfand gearbeitet", lacht Slade, der heutzutage gutes Geld verdient. "Ich konnte dort den Job machen, den ich mir sehnlichst gewünscht hatte. Darum geht es zuerst einmal: Du musst einen Fuß in die Tür bekommen. Das ist der Schlüssel. Später öffnen sich meist andere Türen."

Der Einstieg in den Motorsport

"Erst einmal überhaupt in die Szene zu kommen, das ist am wichtigsten. Dafür sollte man alles geben. Man sollte sich im Klaren darüber sein, dass man zu Beginn zum Beispiel beim Geld Abstriche machen muss. Aber dafür ist man glücklich. Daher ist das ganz egal", gibt der erfahrene Techniker wichtige Hinweise für Nachwuchspersonal mit dem Traum vom Job in der Formel 1.

Vitaly Petrov

Streckenbesichtigung immer am Donnerstag: Mark Slade und Vitaly Petrov Zoom

Nach rund 15 Jahren in Diensten von McLaren wechselte Slade Anfang des Jahres zu Renault. "Die Herangehensweise ist natürlich bei allen Teams ähnlich. Was aber einen großen Unterschied ausmacht ist die Einstellung. Die ist bei Renault anders. Es gibt weniger Druck. Das bedeutet nicht, dass hier irgendjemand seinen Job nicht ernst genug nimmt. Sie haben vielleicht einfach mehr Spaß bei der Sache", erklärt er die Unterschiede.

"Mir macht es jedenfalls viel Spaß. Die Verantwortlichkeiten sind natürlich bei den Teams auch unterschiedlich verteilt. Das Ziel ist aber bei allen das gleiche." Die Tätigkeit am Auto von Rookie Vitaly Petrov bringt viel Verantwortung mit sich. "Ich behalte die komplette Arbeit am Auto im Auge. Ich nehme das Feedback auf und gebe es entsprechend an die Entwicklungsabteilung weiter. Ich arbeite eng mit dem Fahrer zusammen, halte ihn immer über die Vorgänge und Arbeiten am Auto auf dem Laufenden. Ich mache auch Vorschläge, was wir am Setup verändern könnten, damit sich der Fahrer wohler fühlt."

Die Aufgaben als Renningenieur

Auch die taktischen Möglichkeiten werden von Slade gemeinsam mit dem Piloten und dem weiteren Technikerstab ausgelotet. Es entsteht dadurch eine konsequente Marschroute für das Rennwochenende: "Ich stelle das Programm für die einzelnen Sessions zusammen. Ich habe eher eine organisatorische Rolle, eher jedenfalls, als eine rein technische. Natürlich ist die technische Seite sehr ausgeprägt, aber ich habe eher den Gesamtüberblick über die Entwicklungen am Rennwochenende und auch über das gesamte Jahr."

¿pbvin|512|2584||0|1pb¿Slade ist süchtig nach Benzingeruch und Gummiabrieb. Daher fiel ihm der Abschied von McLaren nicht besonders schwer. Das Team wollte ihn ab 2010 nicht mehr an der Strecke einsetzen. Gleichzeitig ergab sich bei Renault die Chance, weiterhin in der Box zu arbeiten und mit dem Zirkus durch die Welt zu reisen. "Natürlich sind wir derzeit eher selten in der Firma. Wenn ich aber dort bin, dann kommen bürokratische Dinge auf mich zu. Ich schaue, wann welche Updates geplant sind und was wir dafür erledigen müssen. Es geht gemeinsam mit den anderen Ingenieuren auch um die langfristige Planung."

Natürlich arbeitet Slade, um Geld für sich und die Familie zu verdienen. Doch nach eigener Aussage taucht der wichtigste Lohn der Arbeit nie auf der Gehaltsabrechnung auf: Siege. Dies seien eindeutig die schönsten Momente: "Wenn wir gewinnen - so einfach ist das! Es geht doch nur um Siegen. Ich hatte das Glück, in meiner Karriere bei einigen Erfolgen dabei sein zu dürfen", erklärt Slade, der bei McLaren der "Finnen-Spezialist" war, weil er unter anderem mit Mika Häkkinen, Kimi Räikkönen und Heikki Kovalainen arbeitete.

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