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  • 10.02.2012 · 17:20

  • von Dieter Rencken & Roman Wittemeier

Nürburgring: Was passiert mit der Formel 1?

Nach der Kündigung des Pachtvertrages mit der Nürburgring Automotive GmbH (NAG) gibt es große Sorgen um die Zukunft des Grand Prix in der Eifel

(Motorsport-Total.com) - An der "grünen Hölle" ist aktuell der Teufel los. Nachdem die Landesregierung als Mehrheitseigner der Nürburgring GmbH den Pächtern (Nürburgring Automotive GmbH; kurz NAG) gekündigt hat, stellen sich die Verantwortlichen auf die Hinterbeine. Die beiden NAG-Boss Jörg Lindner und Kai Richter drohen dem Land Rheinland-Pfalz mit einem Rechtstreit um den zukünftigen Betrieb. Sie pochen auf einen Vertrag, an dessen Inhalte sie sich laut Landesregierung aber selbst nicht gehalten haben. Die vereinbarten Pachtzahlungen seien nicht in vereinbartem Umfang geflossen, heißt es.

Nürburgring

Im Betreiberstreit am Nürburgring droht ein langes gerichtliches Verfahren

In der Eifel steht wieder einmal die Zukunft des Nürburgrings auf dem Spiel. Die Nordschleife gilt als Kulturgut, die gigantischen Neubauten als Millionengrab, die Grand-Prix-Strecke als Pilgerort für Formel-1-Fans. Während sich an den ersten beiden Tatsachen kaum etwas ändern wird, steht der dritte Fakt gehörig auf der Kippe. Die neuesten Entwicklungen bezüglich des Betriebes der Anlage werfen bezüglich zukünftiger Grands Prix viele Fragen auf.

Seit 2009 wechseln sich der Hockenheimring und der Nürburgring jährlich mit der Austragung des Grand Prix von Deutschland ab. 2007 war mit Formel-1-Boss Bernie Ecclestone ein entsprechender Vertrag ausgehandelt worden. Genauer: Der Brite schloss zwei Verträge ab - einen mit Hockenheim, einen mit den Verantwortlichen am Nürburgring. Dies könnte zur Konsequenz haben, dass der Grand Prix nur noch alle zwei Jahre oder beispielsweise im Wechsel zwischen Hockenheim und einer x-belibigen Strecke stattfinden könnte.

Bernie Ecclestone (Formel-1-Chef)

Noch ist unklar, wer sich mit Bernie Ecclestone an einen Tisch setzt Zoom

Alles hängt davon ab, ob man die teils undurchsichtige Situation im Gewirr aus den unterschiedlichen Interessen von Landesregierung und NAG schnell in den Griff bekommen kann. Derzeit sind zwei Optionen denkbar: ein langer Rechtsstreit oder die beiden Parteien einigen sich außergerichtlich. Leider erscheint die zweite Option nach den Aussagen der vergangenen Tage sehr unwahrscheinlich. Die NAG-Macher hatten klargestellt, dass sie den ursprünglich bis 2040 laufenden Pachtvertrag notfalls gerichtlich durchsetzen möchten.

Derzeit hat am Nürburgring niemand einen gültigen Vertrag für die Austragung eines Grand Prix 2013 oder der folgenden Jahre. Die Nürburgring GmbH war aufgrund der Betreiberstrukturen in den vergangenen Monaten einfach nicht in der Position, in solche Verhandlungen einzusteigen. Die NAG hat es getan, ist aber nun nach dem Rausschmiss nicht mehr in der Position einen solchen Grand Prix auf der Strecke ausrichten zu können.

Hockenheim nur alle zwei Jahre

Lindner und Richter brachten in ihrer Wut nach der Kündigung des Pachtvertrages die Formel-1-Karte ins Spiel. Sie behaupteten, dass ihnen ein unterschriftsreifer Formel-1-Vertrag für die Jahre 2013, 2015, 2017, 2019 und 2021 vorliege. Angeblich hatte ihnen Ecclestone ein Angebot unterbreitet, das die jährlichen Zuschüsse seitens des Landes auf unter zehn Millionen Euro drücken würde - ein starkes Ass, das allerdings zu einem ungewöhnlichen Zeitpunkt aus dem Ärmel gezaubert wurde.

Das vermeintliche Angebot von Ecclestone müsste nun im Gespräch mit der Nürburgring GmbH oder einem potenziellen künftigen Betreiber nochmals bestätigt werden. Wer den Formel-1-Boss allerdings kennt, der weiß genau, dass der Brite seine Optionen je nach Verhandlungspartner immer wieder neu taxiert. Klartext: Dieser angeblich unterschriftsreife Vertrag über weitere fünf Rennen ist hinfällig. Die Frage stellt sich nun: Mit wem soll Ecclestone eigentlich verhandeln? Und wann?

Die Dauer einer gerichtlichen Auseinandersetzung schätzen Experten auf mindestens 18 Monate. Erst dann wäre also klar, mit wem sich Ecclestone an einen Tisch setzen könnte. Ein neuer Betreiber wäre damit aber auch noch nicht gefunden. Der Formel-1-Boss wäre also gezwungen, mit Politikern der Landesregierung über die Austragung weiterer Grands Prix zu sprechen. In einem solchen Falle säßen selbstverständlich auch Vertreter der Grünen mit am Tisch. Ob Ecclestone das möchte?

Und selbst wenn der Brite sich mit der Landesregierung an einen Tisch setzen würde, das Timing für 2013 würde nicht mehr stimmen, denn bis zum nächsten Rennen wären es nur noch 16 Monate. Wenn nicht ein Wunder geschieht, dann wird es 2013 keinen Formel-1-Grand-Prix auf dem Nürburgring geben. Hockenheim fällt als Ersatzschauplatz weg, denn die Verantwortlichen ächzen schon jetzt unter der Königsklassen-Last, die sie derzeit nur alle zwei Jahre zu schultern haben. Was bleibt? Ein Grand Prix von Deutschland in Spa-Francorchamps?

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