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Nach Baku: Safety-Car sorgt wieder für Diskussionen

Warum Toto Wolffs Kritik an der Safety-Car-Phase in Baku nicht berechtigt und FIA-Rennleiter Charlie Whiting mit seinen Entscheidungen "total im Reinen" ist

(Motorsport-Total.com) - Nach dem Grand Prix von Aserbaidschan in Baku sorgt das Safety-Car wieder einmal für Diskussionen. Nicht nur, dass Lewis Hamilton Sebastian Vettel Vorwürfe macht, beim Re-Start gegen die Regeln verstoßen zu haben, ärgert sich auch Mercedes-Sportchef Toto Wolff darüber, dass die Strecke offenbar freigegeben wurde, obwohl sie noch nicht hundertprozentig sicher war.

Safety-Car in Baku 2018

Bernd Mayländer kam am Sonntag in Baku gleich zweimal zum Einsatz Zoom

"Ich finde, solche Teile sollten nicht mehr auf der Strecke liegen, wenn wir gerade sechs Runden hinter dem Safety-Car hatten. Und schon gar nicht ein faustgroßes Teil", kritisiert Wolff und spricht damit jenes Objekt auf der Start- und Zielgeraden an, an dem sich Valtteri Bottas - den Sieg vor Augen - den rechten Hinterreifen aufschlitzte.

Tatsächlich hatten die Streckenposten in Baku, die sonst das ganze Wochenende vorbildlich gearbeitet haben, genug Zeit, die Fahrbahn von gefährlichen Objekten zu befreien. In der 40. Runde (von 51) ereignete sich die Red-Bull-Kollision, nach der Bernd Mayländer mit dem Mercedes-AMG GT R auf die Strecke geschickt wurde.

In der 43. Runde hatte sich das Feld schon ein wenig sortiert und es sah so aus, als könne das Rennen bald freigegeben werden. Doch dann klebte plötzlich Romain Grosjean in der Mauer. Und so dauerte es bis zur 48. Runde, ehe wieder freigegeben werden konnte. Das dauerte vielen zu lang.

FIA-Rennleiter Charlie Whiting verteidigt sich: "Wir haben das Safety-Car so früh es ging reinbeordert. erst mal mussten wir die überrundeten Autos zurückrunden lassen. Das ist Vorschrift. Dann hatte Grosjean seinen Unfall, also mussten wir das Safety-Car ein bisschen länger als geplant draußen lassen. Und es dauerte ein bisschen, die Strecke sauber zu machen, weil Grosjean an einer sehr ungünstigen Stelle stand."

Wrackteil lag erst seit dem Re-Start dort

"Ich glaube nicht, dass die Safety-Car-Phase in Anbetracht dieser Umstände kürzer hätte sein können", winkt Whiting ab. Und zur Wolff-Kritik, dass wenigstens keine Teile rumliegen sollten, sagt er: "Beim Re-Start waren wir uns ziemlich sicher, dass die Strecke überall sauber war. Ich bin jedenfalls total im Reinen in Zusammenhang mit unseren Safety-Car-Entscheidungen."

Zur Verteidigung von FIA und Streckenposten sei gesagt: Das für Bottas verhängnisvolle Teil stammte vermutlich von einer Berührung zwischen Kevin Magnussen und Pierre Gasly beim Re-Start. Ergo hätte es während der Safety-Car-Phase gar nicht entfernt werden können, weil es zu dem Zeitpunkt noch nicht dort lag. Das wusste Wolff noch nicht, als er seine Kritik anbrachte.

Die Kritik mancher Fahrer, dass das Safety-Car schneller fahren sollte, weil sonst die Reifentemperaturen in den Keller fallen, lässt den FIA-Rennleiter ebenfalls kalt. Dabei provoziert das niedrige Tempo durchaus Situationen mit Gefahrenpotenzial - Grosjean, dessen Reifen noch kalt waren, oder die Beinahe-Kollision Vettel vs. Hamilton lassen grüßen.

"Die Fahrer fordern immer wieder, das Safety-Car schneller zu machen. Nicht nur dass es schneller fährt, sondern auch dass wir ein schnelleres Auto nehmen", erklärt Whiting. "Aber wie schnell wollen wir es machen? Es geht darum, das Feld zu verlangsamen. Dann jammern alle über kalte Reifen und kalte Bremsen. Ist für alle gleich. Wenn sie sich nach dem Re-Start darauf einstellen, ist alles gut. Und wenn sie weniger Grip haben, müssen sie halt langsamer fahren, bis mehr Grip da ist."

Whiting fordert Flexibilität von den Fahrern

"Ich weiß, dass es für die Fahrer nicht schön ist, sich darauf einstellen zu müssen, aber es geht darum, sie einzubremsen, die Autos zu kontrollieren", argumentiert er. "Darum haben wir das Safety-Car zum Beispiel eingesetzt, als die Streckenposten an Grosjeans Auto standen. In so einer Situation können wir uns nicht darauf verlassen, dass die Fahrer selbst langsam genug fahren, um die Sicherheit nicht zu gefährden. Dafür gibt es ja ein Safety-Car."


Fotostrecke: Unfall zwischen den Red-Bull-Piloten in Baku

Eine generelle Diskussion über Sinn oder Unsinn des Safety-Cars entbrennt nach Baku aber nicht. Zwar herrscht im Paddock Einigkeit darüber, dass ein Safety-Car früher oder später elektrisch (eher früher) und autonom (eher später) fahren wird, aber das ist Zukunftsmusik. Und nachdem es in Australien Ferrari einen Sieg geschenkt hat, war diesmal Mercedes dran. Ausgleichende Gerechtigkeit.

"Das Safety-Car", sagt Mercedes-Sportchef Wolff, "hat die Rennergebnisse dieses Jahr durchaus beeinflusst. Ich schätze, das ist gut für die Show. Wie sagen nochmal die Amerikaner? 'Schick Mister Debris raus und neutralisiere das Feld!' Das hat dieses Jahr schon für großes Spektakel gesorgt. Mit Ergebnissen, die wir sonst nicht erwartet hätten."

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