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Mercedes' Vorteil wächst: Eintagsfliege oder Dauerzustand?

In Barcelona schien Mercedes den Vorsprung auf Ferrari vergrößert zu haben: Funktioniert das rote Update nicht oder war einfach nur die Strecke schuld?

(Motorsport-Total.com) - Das Wochenende von Barcelona ist in gewisser Hinsicht eines der spannendsten Formel-1-Events des Jahres. Zwar gehört der Lauf auf dem Circuit de Catalunya selten zu den sportlichen Höhepunkten im Kalender, doch als Europaauftakt wird der Große Preis von Spanien immer mit besonderer Spannung erwartet. Denn hier bringen die meisten Teams ihr erstes großes Update-Paket an das Auto, was häufig zu den größten Verschiebungen des Jahres im Kräfteverhältnis führt.

Nico Rosberg, Sebastian Vettel

Fast außer Sichtweite: Mercedes war in Barcelona Ferrari wieder enteilt Zoom

Vor dem diesjährigen Grand Prix waren alle Augen besonders auf das Duell zwischen Mercedes und Ferrari gerichtet. Die Frage war: Würde die Scuderia zu den Silberpfeilen aufschließen oder sie sogar überholen können, nachdem man bereits das Rennen von Malaysia für sich entscheiden konnte und in Bahrain bis auf 3,4 Sekunden an den zweiten Triumph herangekommen war?

Das Ergebnis war für alle Ferrari-Fans ernüchternd. Im Qualifying war Sebastian Vettel mit 0,777 Sekunden Abstand auf die Pole-Position bereits weiter weg als zuvor, doch die Hoffnungen auf ein spannenderes Rennen - bislang die Stärke von Ferrari - erfüllte sich nicht. Am Ende des Tages fehlten Sebastian Vettel heute mehr als 45 Sekunden auf Sieger Nico Rosberg, der auf der gleichen Strategie unterwegs gewesen war.

War Mercedes besser oder Ferrari schlechter?

"Jeder hat gehofft, dass man hier näher an Mercedes ist, doch leider hat das nicht funktioniert", muss der Deutsche nach dem Rennen eingestehen. Stattdessen scheinen die Silberpfeile an der Spitze noch weiter enteilt zu sein. Anscheinend hat ihr Update-Paket besser funktioniert als das von Ferrari: "Das ist mit das beste am heutigen Tag, dass wir das Entwicklungsrennen jetzt erst mal mit Abstand für uns entschieden haben, und dass wir scheinbar weiter von denen weg sind", strahlt Rennsieger Nico Rosberg.

"Das ist auch überraschend, denn die waren in letzter Zeit so am Kommen im Rennspeed - und jetzt haben wir auf einmal so einen Abstand", sagt der Wiesbadener etwas erstaunt. Doch dass der F1 W06 Hybrid plötzlich ein Wunderupdate bekommen hat, klingt eher unwahrscheinlich, meint auch Motorsportchef Toto Wolff: "Die neuen Teile sind nicht spektakulär. Vielleicht haben wir die Reifen wieder ein bisschen besser verstanden."

Oder ist vielleicht Ferrari im Vergleich einfach nur schlechter geworden? Denn Williams scheint gleichzeitig den Rückstand auf die Roten verkürzt zu haben, wie Valtteri Bottas' Rückstand von 14 Sekunden zeigt, obwohl er sich am Ende Kimi Räikkönen erwehren musste. Die Theorie wird auch von Sebastian Vettel unterstützt: "Wenn man sich die Zahlen anschaut, dann ist es sehr unwahrscheinlich, dass Mercedes und Williams die gleichen Fortschritte gemacht haben - außer sie haben etwas mit dem Motor gemacht."

Arrivabene: Update-Paket hat funktioniert

Doch woran liegt es, dass Ferrari in Barcelona nicht auf dem alten Niveau war? Als Möglichkeit kommt natürlich in Frage, dass das neue Update-Paket, das an diesem Wochenende nur Sebastian Vettel am Auto hatte, nicht der erhoffte Sprung war. "Wenn man auf die Abstände schaut, die so groß wie noch nie waren, dann kann man vielleicht zu dem Schluss kommen, dass es vielleicht nicht so gut war", nickt Vettel, muss aber widersprechen: "Wir sind zuversichtlich, dass wir in die richtige Richtung gehen."

Maurizio Arrivabene

Teamchef Maurizio Arrivabene verteidigt Ferraris Update-Paket Zoom

Auch Teamchef Maurizio Arrivabene winkt ab, wenn es um Kritik am Update geht: "Der Vergleich zwischen beiden Autos hat gezeigt, dass Sebastian sich ziemlich gut geschlagen hat", unterstreicht er. Der Deutsche kam zwei Plätze vor Teamkollege Kimi Räikkönen ins Ziel, der vergleichsweise mit dem alten Boliden unterwegs war. Fakt ist für ihn nur: "Die Lücke zu Mercedes ist da, jetzt gilt es das zu analysieren."

Schlecht für die Roten ist dabei, dass Spanien meist das Kräfteverhältnis für den weiteren Verlauf der Saison widerspiegelt. Die Streckencharakteristik gibt einen guten Querschnitt auf die kommenden Strecken wieder, und größere Updates kommen jetzt eher in unregelmäßigen Abständen. Doch Sebastian Vettel möchte aus Barcelona keinen Trend ableiten: "Ich denke nicht, dass es die Realität war. Wenn man den Durchschnitt der ersten fünf Rennen nimmt, dann hat man die Realität", sieht er sein Team nicht plötzlich im Hintertreffen.

Strecke schuld: Im letzten Sektor hakt's

Stattdessen könnte es sein, dass sein Team einfach streckenbedingt nicht auf der Höhe des Geschehens war: "Man muss akzeptieren, dass man auf einigen Strecken konkurrenzfähiger als auf anderen ist", urteilt der viermalige Weltmeister. "Wir scheinen aus diversen Gründen hier nicht so konkurrenzfähig gewesen zu sein, auch wenn wir unser Auto verbessert haben. Ich war am gesamten Wochenende nicht wirklich glücklich mit dem Auto, das liegt aber weniger an den Updates sondern wohl mehr an den Bedingungen und den Reifen."

Kimi Räikkönen

Im letzten Sektor verlor Ferrari immer besonders viel Zeit Zoom

"Entweder hat uns die Strecke nicht gelegen, oder die Bedingungen kamen Mercedes wirklich entgegen", so der 27-Jährige weiter. "Es ist wahrscheinlich, dass es eines von beiden ist, denn in den vergangenen Rennen waren wir näher dran." An den Aussagen des Hessen dürfte etwas Wahres dran sein, wenn man sich die Ergebnisse anschaut. Besonders der verwinkelte letzte Sektor, in dem es auf Traktion ankommt, war die Achillesferse des roten Boliden.

"Im letzten Sektor haben wir alleine eine halbe Sekunde verloren", hat Teamchef Arrivabene beobachtet. Komplementär dazu war Abschnitt drei bei den Silberpfeilen ein willkommener Bonus: "Der letzte Sektor kommt uns besonders entgegen. Das haben wir auch im vergangenen Jahr so gehabt, dass wir da richtig gut ausgesehen haben", sagt Toto Wolff. "Wenn man in diesem Sektor schnell ist, dann kann man den Speed auch auf die Gerade mitnehmen. Das ist vielleicht unser stärkstes Zeichen heute gewesen."

Benzinkniff könnte Ferrari wehtun

Allerdings wirkt der Verlust von Ferrari in diesem Sektor schon etwas stark, sodass man vermuten kann, dass es nicht alleine an der Streckencharakteristik liegen kann. Laut den Kollegen von 'auto motor und sport' liegt das auch an einer neuen Vorgabe der FIA im Bereich der Benzindruckmessung. Mittlerweile werde dieser nämlich zwischen Durchflussmengensensor und Hochdruck-Einspritzpumpe ermittelt, um Tricksereien zu vermeiden.


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Bislang konnte Benzin hinter dem Messpunkt in einer Blase gespeichert werden, um dann beim Beschleunigen Extrasprit einspeisen zu können, was laut Expertenmeinung bis zu vier Zehntelsekunden Gewinn bringen konnte - genau dort, wo es auf Traktion ankommt. Und weil Ferrari genau dort nun Zeit verliert, gehen Experten laut dem Bericht davon aus, dass sich der Verzicht des Tricks bemerkbar macht.

Antworten könnten schon die nächsten Rennen bringen, denn auch in Monaco und Montreal kommt es auf eine gute Traktion an. Und Ferrari-Teamchef Arrivabene sieht bereits schwarz: "Der dritte Sektor hier ist der Traktionssektor, und wenn man das Problem nicht löst, dann wird es in Monaco nur noch schlimmer", meint er. Glücklicherweise gibt es am Dienstag und Mittwoch noch einmal zwei Testtage in Barcelona, an denen sich Ferrari dem Problem widmen kann.

Bringen weiche Reifen Besserung?

Die Piloten sind sich hingegen noch nicht so sicher, dass das aktuelle Kräfteverhältnis in den kommenden Rennen in Stein gemeißelt ist: "Das ist schwierig zu sagen, bevor wir dorthin kommen. Die Bedingungen können sich schnell ändern, und die kommenden Rennen sind wieder total anders", winkt Kimi Räikkönen ab. Und auch Nico Rosberg sieht es ähnlich: "Die kommenden Rennen sind ziemlich einzigartig. Wir haben Monaco und Montreal, die sehr unübliche Strecken sind", so der Wiesbadener.

"Und außerdem gibt es dann andere Reifen", ergänzt der "Iceman" und trifft damit genau den Mutmacher für Ferrari. Denn der SF15-T gilt als reifenschonender als der Mercedes und sollte mit weicheren Reifen besser zurechtkommen. Bei den kommenden drei Rennen werden mit Supersoft und Soft die weichsten Mischungen mitgebracht. "Ich denke, dass Ferrari dran sein wird in Monaco", sagt Experte Marc Surer bei 'Sky'. "Das wird ein spannendes Rennen." Die Frage wird nur sein: Wer behält Recht?

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