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Formel 1 Barcelona 2015: Nico Rosberg beendet Durststrecke

Nico Rosberg gewinnt den Grand Prix von Spanien vor Lewis Hamilton - Mercedes überrundet mit Ausnahme von Ferrari und Williams das komplette Feld

(Motorsport-Total.com) - Eine Schwalbe macht zwar noch keinen Frühling, aber Nico Rosberg hat in Barcelona seine Pflicht erfüllt und endlich den ersten Saisonsieg 2015 gefeiert. Der Mercedes-Pilot gewann den Grand Prix von Spanien vor seinem Teamkollegen Lewis Hamilton und Ferrari-Fahrer Sebastian Vettel. Für Rosberg war es erst der zweite volle Erfolg in den vergangenen zwölf Rennen (Hamilton: neun) - und vor seinem "Heimrennen" in Monaco vielleicht die letzte realistische Chance, eine Wende in der Weltmeisterschaft einzuleiten.

Rosberg liegt zwar immer noch 20 Punkte hinter Hamilton, lieferte heute aber eine souveräne Leistung ab. Schon am Start fiel die Vorentscheidung: Während Rosberg (mit modifizierter Mercedes-Kupplung) auf der sauberen Seite perfekt losfuhr, musste Hamilton Vettel durchlassen und sich in der ersten Kurve auch noch gegen Valtteri Bottas (Williams) verteidigen. Von da an war der Brite auf Platz drei einzementiert - weil kein Weg an Vettel vorbeiführte.

"It's Hammer-time! Du musst pushen und Vettel attackieren", feuerte Renningenieur Peter Bonnington an, aber Hamilton antwortete resignierend: "Das ist unmöglich. Ihr müsst euch etwas anderes einfallen lassen." Und das taten die Mercedes-Strategen dann auch: Hamilton stellte von zwei auf drei Stopps um, während der Rest des Feldes fast geschlossen bei zwei Stopps blieb, verschärfte das Tempo drastisch und sicherte Mercedes so einen Doppelsieg.

Denn Hamilton kam mit knapp 23 Sekunden Vorsprung auf Vettel zu seinem letzten Boxenstopp - und hatte immer noch vier Sekunden übrig, als er wieder auf die Strecke ging. Erst danach zeigte sich, wie überlegen Mercedes in Barcelona eigentlich war, denn bis zur Zieldurchfahrt baute Hamilton den Vorsprung auf 27,8 Sekunden aus. "Wieder ein perfektes Rennen", jubelt Mercedes-Boss Niki Lauda. "Und das Positive ist: Vettel liegt 45 Sekunden zurück."

Rosberg legte den Grundstein für seinen überlegenen Sieg schon am Start: "Endlich bin ich mal gut weggekommen. Das war ja überfällig", sagt er. "Unser Auto ist natürlich noch um einiges schneller als das von Sebastian. Dadurch hatte ich keinen großen Druck. Es ist alles perfekt aufgegangen." Unsicherheit kam nur auf, als er Hamilton aus strategischen Gründen kurz vor sich sah, aber das Team beruhigte gleich: "Lewis muss nochmal reinkommen."

Bei Mercedes waren in Barcelona die Rollen vertauscht: Während Rosberg an der Spitze ein ebenso einsames wie souveränes Rennen fuhr, verzweifelte diesmal Hamilton im Verkehr. "Ich hatte einen schlechten Start mit stark durchdrehenden Rädern. Aber Nico hat einfach fantastische Arbeit geleistet. Ich bin froh darüber, noch Zweiter geworden zu sein. Es war ein schwieriges Wochenende für mich. Aber das nehme ich hin", erklärt er.

In der Schlussphase wollte Hamilton das Unmögliche möglich machen und trotz mehr als 20 Sekunden Rückstand nach seinem letzten Boxenstopp gewinnen. Die Empfehlung des Teams, Platz zwei nach Hause zu fahren, wollte er erst nicht hören: "Ich will wissen, ob es unmöglich ist?", ließ er am Boxenfunk nicht locker, bis ihn sein Renningenieur zurechtwies: "Ja, es ist unmöglich. Wenn du schneller fährst, würde Nico auch schneller fahren."

Hamilton verkürzte seinen Rückstand auf zwölf Sekunden, ließ im Finish aber wieder nach und fuhr 17,5 Sekunden nach seinem Teamkollegen über die Ziellinie. Von Vettel ging da keine Gefahr mehr aus. Der Deutsche hatte sich schon während der heißen Phase der Boxenstopps über den Überrundungsverkehr geärgert. Im Nachhinein muss er darüber lachen: "Als Rennfahrer muss man sich immer über etwas beschweren, besonders wenn man Deutscher ist!"

Bei Ferrari ist man trotz der Positionen drei und fünf (Kimi Räikkönen kam am Ende nicht mehr am Bottas-Williams vorbei) nicht zufrieden: "Der Vorsprung von Mercedes ist zu groß", findet Teamchef Maurizio Arrivabene, der sich eigentlich Hoffnungen gemacht hatte, den Rückstand beim Europa-Auftakt zu verkürzen. Felipe Massa (Williams) rundete die Top 6 ab - und außer Ferrari und Williams hatten alle mindestens eine Runde Rückstand auf Sieger Rosberg!

Die weiteren Punkte gingen an Daniel Ricciardo (Red Bull), Romain Grosjean (Lotus), Carlos Sainz (Toro Rosso) und Daniil Kwjat (Red Bull). Lokalmatador Sainz, als Fünfter der Startaufstellung die Überraschung des Samstags, wurde gleich in den ersten Runden nach hinten durchgereicht, spielte lange Zeit keine Rolle - drehte aber im Finish noch einmal auf, als er zuerst Teamkollege Max Verstappen und dann auch Kwjat überholte (mit Berührung).

Felipe Nasr (Sauber) berichtete gleich in der ersten Runde von Vibrationen rechts vorne, wurde am Ende Zwölfter. Marcus Ericsson im zweiten Sauber beendete den Grand Prix von Spanien auf Rang 14. Das Rennen war übrigens wenig aufregend, bot aber vereinzelt Highlights - etwa die Manöver von Räikkönen gegen beide Toro Rossos in der ersten Runde oder den Superstart von Massa, der nur gebremst wurde, weil ihn ein Gegner unglücklich abdrängte.

Einen Ausfall verzeichnete Pastor Maldonado (Lotus): Nach starker Anfangsphase kam es zu einer Berührung mit Grosjean, durch die sein Heckflügel eine der Seitenstreben verlor. Maldonado fuhr zwar rundenlang fast unbehelligt weiter, gab dann aber doch an der Box auf. Fernando Alonso (McLaren) schoss mit Bremsproblemen über die Boxenstopp-Markierung hinaus - und wurde daraufhin aus Sicherheitsgründen aus dem Rennen genommen.

Eine Schrecksekunde erlebte auch das Lotus-Team beim Boxenstopp: Grosjean kam etwas zu schnell zum Reifenwechsel, schoss wie Alonso über die Markierung hinaus und katapultierte den Wagenheber-Mann, der geistesgegenwärtig reagierte, hoch in die Luft. Gelächter dann bei den anderen Lotus-Mechanikern, als im Live-TV gezeigt wurde, wie sich ihr Kollege kühlende Eiswürfel ausgerechnet zwischen die Beine halten musste...

In der Weltmeisterschaft führt Hamilton nach fünf von 19 Rennen mit 111 Punkten vor Rosberg (91), Vettel (80) und Räikkönen (52). Diese vier Fahrer haben bisher auch das Podium exklusiv unter sich ausgemacht. Bei den Konstrukteuren liegt Mercedes (202) vor Ferrari (132), Williams (81) und Red Bull (30). Weiter geht's in zwei Wochen mit dem Grand Prix von Monaco - traditionell gesehen eine weitere Strecke, die Rosberg entgegenkommt...

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