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Mattia Binotto über Sainz: "Das kann Carlos im Moment nicht"

Carlos Sainz in der Krise: Warum er in Barcelona gepatzt hat und woran es liegt, dass er den Ferrari F1-75 nicht so im Griff hat wie Charles Leclerc

(Motorsport-Total.com) - Für Carlos Sainz verläuft die Formel-1-Saison 2022 bisher nicht nach Wunsch. Nachdem er seinen Teamkollegen Charles Leclerc 2021 mit 164,5 zu 159 Punkten geschlagen hat, steht's nach sechs von 22 Rennwochenenden 2022 65 zu 104 aus Sicht des Spaniers. Und beim Heim-Grand-Prix in Barcelona hat er mit einem schwerwiegenden Fahrfehler den nächsten Rückschlag erlitten.

Carlos Sainz

Nachdenklich: Carlos Sainz kommt mit dem 2022er-Ferrari nicht zurecht Zoom

Ferrari-intern stärkt man Sainz weiterhin den Rücken, doch der Druck von außen wächst. Teamchef Mattia Binotto sagt: "Charles fährt im Moment sehr gut. Er fährt eine fantastische Saison und ist dazu in der Lage, eine sehr aggressive Balance zu beherrschen. Das kann Carlos im Moment nicht. Er braucht dafür noch mehr Erfahrung."

Der Ausritt in Kurve 4 war dafür ein gutes Beispiel: "Das Auto war für mich am Kurveneingang schon das ganze Wochenende auf Messers Schneide", sagt Sainz. "Die Kombination aus der verwirbelten Luft des Autos vor mir plus dazu noch eine starke Windböe führten dazu, dass ich das Heck außer Kontrolle verloren und mich gedreht habe."

"Das sind Dinge, die passieren. Du lernst draus und schaust nach vorn", seufzt Sainz. "Man sieht es an den Onboards und man sieht es an meinen Fehlern, dass ich mich mit diesem Auto schwertue und nicht weiß, wie ich das Maximum herausholen soll. Das ist eine in meiner Formel-1-Karriere völlig neue Herausforderung."

Sainz gibt zu: Mache auch selbst Fehler

Er sagt: "Ich muss jetzt querdenken, für meine Begriffe unkonventionell fahren. Das führt zu Fehlern. Ich muss das Fahren neu lernen. Ich arbeite hart dran, das so schnell wie möglich in den Griff zu kriegen. Aber es kommen gerade ein bisschen Pech und dazu Fehler von meiner Seite zusammen. Ich hoffe, dass der Schalter plötzlich kippt. Oder auch nach und nach."

Genau beschreiben, woran es hapert, kann der 27-Jährige nicht: "Das ist sehr spezifisch und hängt mit so vielen Details zusammen, dass ich das nicht einfach so in einem Interview erklären kann. Außerdem finde ich, dass das auch vertraulich im Team bleiben sollte."

Nur so viel: "Das Auto ist für meinen Geschmack ein bisschen zu spitz. Aber so ist es halt. Du kannst dich dann entweder selbst besser drauf einstellen oder du kriegst das Auto besser für deinen Fahrstil hin. Aber das dauert, das erfordert Wissen und Erfahrung - und wenn du Dinge ausprobierst, passieren Fehler. Das ist der Prozess, in dem ich gerade stecke."

Dazu kommt: "Im anderen Auto sitzt ein Kerl wie Charles, der gerade einen exzellenten Job macht. Er fährt auf sehr hohem Niveau, legt sensationell beeindruckende Rundenzeiten hin, hat einen aggressiven Fahrstil. Ich kann nur bewundern, was er leistet, und versuchen, das eine oder andere von ihm zu kopieren, damit ich schneller werde."

15 Sekunden durch Dreher in Kurve 4 verloren

In Barcelona fuhr Leclerc bis zu seinem Ausfall von Turbolader und MGU-H einem sicher scheinenden Sieg entgegen. Als der Monegasse in Runde 27 ausrollte, lag er bereits 35 Sekunden vor Sainz. Der hatte durch den Dreher in Runde 7 etwa 15 Sekunden verloren und war vom fünften auf den elften Platz zurückgefallen.

Wie sehr sein F1-75 nach dem Ausritt beschädigt war, konnte Sainz nach dem Rennen nicht konkret beziffern. Aber: "Die Ingenieure konnten sehen, dass ein Schaden da war, und ich konnte es spüren. Es waren also noch 90 Prozent der Renndistanz zu fahren, ich war aus den Punkten geflogen und hatte ein beschädigtes Auto. Mental keine einfache Situation."


"Die WM ist noch lang": Ferrari trotz Leclerc-Ausfall zufrieden

Trotz des bitteren Ausscheidens von Charles Leclerc, zeigt sich Ferrari Teamchef Mattia Binotto zufrieden mit dem Wochenende in Barcelona.

"Ich bin konzentriert geblieben und habe für das Team mein Bestes gegeben. Ich denke, dass die Aufholjagd ganz gut war. Trotzdem nicht ideal. Es war ein langes Rennen, und ich wollte unbedingt zurück in die Top 5. Am liebsten wäre mir natürlich ein Podium gewesen, aber dafür hat's nicht ganz gereicht", bilanziert der Ferrari-Pilot.

Letztendlich belegte Sainz den vierten Platz. Im Finish überholte er noch den Bottas-Alfa, der mit abbauenden Reifen wehrlos war, und Lewis Hamilton im Mercedes, der wegen zu hoher Wassertemperatur vom Gas gehen musste und keine Chance mehr hatte, sich zu verteidigen.

Binotto: Vertrauen in Sainz weiterhin intakt

"Schade für Carlos", sagt Binotto, "denn als er sich gedreht hat, wurde sein Auto beschädigt. Ihm haben Anpressdruck und Balance gefehlt. Ich bin mir aber sicher, dass er das über kurz oder lang in den Griff kriegt, denn Carlos ist einer, der sich in die Daten reinkniet, der alles versucht, sich einen neuen Fahrstil beizubringen und sich anzupassen. Das dauert, aber er wird es schaffen."

Immerhin steht mit Monaco jetzt einer der Lieblings-Grands-Prix von Sainz bevor: "Dort bin ich meistens schnell und ich fühle mich dort wohl. Aber du brauchst halt in Monaco Vertrauen. Wenn in Monaco die Balance nicht passt und du das Auto nicht spürst, bist du aufgeschmissen. Ich kann daher nicht sagen, wie es diesmal wird."

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