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Massas tränenreicher Abschied: Hollywood in Interlagos

Der Williams-Pilot war nicht in der Lage, sein letztes Heimrennen zu Ende zu fahren - Sein Crash kreierte einen der emotionalsten Moment der Formel-1-Geschichte

(Motorsport-Total.com) - Felipe Massa und die Dramen bei seinem Heim-Grand-Prix: Nach dem aus seiner Sicht tragisch verlaufenden WM-Showdown 2008 geht auch sein allerletztes Rennen vor heimischen Publikum nicht ohne Tränen zu Ende. Der Williams-Pilot schied vorzeitig aus dem Rennen aus. Er verunfallte dabei aber so "geschickt", dass er einen der emotionalsten Momente der Formel-1-Geschichte kreierte. Weil er eine Safety-Car-Phase auslöste und gleichzeitig die Boxengasseneinfahrt blockierte, konnte ihm ein gebührender und tränenreicher Empfang bereitet werde.

Das hatte dem chaotischen und spannungsgeladenen Brasilien-Grand-Prix 2017 noch gefehlt: Ein emotionales Highlight bei dem kaum ein Auge trocken blieb. Auch dem neutralsten Königsklassen-Fan muss das Mitleid ergriffen haben, als Massa in 48. Runde zum vierten Opfer der widrigen Bedingungen wurde. Und auch dem coolsten Zuschauer muss ergriffen haben, wie er danach gefeiert wurde. Minutenlanger Jubel von den Rängen, respektvoller Applaus von den Teams in der Boxengasse und ein warmer Empfang von seiner Familie: So sieht ein würdiger Abschied aus der Formel 1 aus.

"Es ist ein ganz seltsames Gefühl", ringt Massa danach um Worte. "Ich habe das Rennen nicht zu Ende fahren können an einem so speziellen Ort für mich. Ich hätte gerne ein besseres Ergebnis erzielt. Das war leider nicht möglich. Gott weiß, was er da mit mir vor hatte; er hat mich an dieser Stelle gestoppt. Aber das Gefühl war so fantastisch mit den ganzen Menschen hier und den Leuten im Fahrerlager, mit denen ich zusammengearbeitet habe. Es ist mir eine echte Ehre, Teil von diesem Ganzen zu sein. Obwohl es jetzt hier im Rennen nicht geklappt hat, standen sie alle da und haben mir applaudiert. Es ist wirklich schwierig, da die richtigen Worte zu finden."

Den Williams mit der Startnummer 19 hat es wie schon Grosjean, Ericsson und Räikkönen vor ihm auf regennasser Fahrbahn nicht mehr auf der Strecke gehalten. Er rutschte dabei ähnlich wie der der Sauber aus der letzten Kurve heraus in die Mauer und kam direkt in der Boxengasseneinfahrt zum Stehen. Zunächst verzog er sich hinter die Mauer, um sich seines Helms zu entledigen. Schon dort wurde er von zahlreichen Fotografen und Streckenposten geherzt.

"Ich kann nur sagen: Vielen Dank an alle, die mich auch nur eine Sekunde in meiner Karriere unterstützt haben. Es ist ein Riesenvergnügen für mich, auch nach 15 Jahren noch hier zu stehen, so viele Freunde zu haben und so viele Dinge gelernt zu haben. Die Leute haben für mich gebrannt und heute Abend wird es sicher so weitergehen. Sie werden für immer einen Platz in meinem Herzen haben."

Als klar war, dass das Safety-Car auf der Strecke und die Boxengasseneinfahrt gesperrt war, trat er bereits mit brasilianischer Flagge bewaffnet den Weg zurück in die Box an. Bei Williams machten sich seine Ehefrau Raffaela und der siebenjährige Sohn Felipinho auf, ihm entgegenzulaufen. Und dann geschah, was nur aus der ungewöhnlichen Situation heraus passieren konnte: Die Crews aus den Boxen vor Williams kamen aus ihren Garagen um für Massa Spalier zustehen. Mercedes-Mechaniker applaudierten. Die ehemaligen Kollegen von Ferrari setzten auch zur einen oder anderen Umarmung an. Die TV-Kameras bleiben drauf - auf der Strecke lief ja lediglich die Prozession. Tränen mischten sich unter die Regentropfen.

"Es ist etwas ganz Besonderes zu sehen, wie die Leute mitten Rennen aus ihren Garagen kommen und mir so einen Abschied bereiten nach so einem Unfall", so Massa noch immer sichtlich gerührt. "So etwas hätte ich im Leben nicht erwartet und ich glaube auch nicht, dass ich so viel verdient habe. Ich werde diesen Tag nie vergessen."


Fotostrecke: GP Brasilien, Highlights 2016

So ging Massas 249. Grand Prix zwar vorzeitig und ohne Punkte, dafür aber mit schöneren Szenen zu Ende, als er bei einem normalen Rennverlauf zu erwarten gewesen wäre. In zwei Wochen feiert der 35-Jährige dann seinen endgültigen Abschied aus der Königsklasse - nach 15 Jahren, elf Siegen und 41 Podien. "Es war schade, das Felipe das Rennen so beenden musste, es war für ihn so wichtig, ein gutes Resultat zu erzielen", sagt ein Chefingenieur und Freund Rob Smedley. "Man konnte sehen, wie emotional er war - wie schon das ganze Wochenende über. Es war eine emotionale Achterbahnfahrt."

Übrigens hat nicht jeder im Fahrerlager eine Träne verdrücken müssen. Niki Lauda sagt über das Gefühlschaos bei RTL: "Der hat geweint, das kann man sich gar nicht vorstellen. Aber er hat sein Auto gecrasht. Er ist natürlich emotional hochgefahren, die Familie kam - es war so toll, ich hätte beinahe mitgeweint. Aber es war ja nicht sein letztes Rennen, er fährt ja noch eins." Sein Mercedes-Kollege Toto Wolff winkt daraufhin ab: "Dem Niki werden wir die Emotionalität nicht mehr beibringen können."