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Longrun-Analyse Österreich: Nur Vettel an Mercedes dran

Red Bull muss beim Heimrennen das Blatt erst wenden, um Podiumskandidat zu werden, während Mercedes mit den Updates das Tempo vorgibt

(Motorsport-Total.com) - Lewis Hamilton und das Mercedes-Team sind die erklärten Topfavoriten auf den Sieg beim Grand Prix von Österreich in Spielberg (Formel 1 2018 live im Ticker), müssen sich aber auf Gegenwehr von Sebastian Vettel (Ferrari) einstellen. Das ist das Fazit der Longrun-Analyse nach dem zweiten Freien Training auf dem Red-Bull-Ring.

Lewis Hamilton

Lewis Hamilton war auch bei den Longrun-Tests am Freitag die Nummer 1 Zoom

Der am besten vergleichbare Run war jener auf dem härtesten Reifen aus dem Pirelli-Angebot, Soft, am Ende der Session. Vettel fuhr damit zwölf Runden mit Schnitt 1:07.9 Minuten, Hamilton fuhr acht Runden mit Schnitt 1:07.8 Minuten.

Aber was auf den ersten Blick nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen aussieht, muss man in Wahrheit ein wenig pro Mercedes relativieren. Denn Vettel hatte seine Longruns viel früher begonnen als Hamilton, hatte also schon mehr Benzin verbrannt und damit mutmaßlich das leichtere Auto. Das macht unserer Einschätzung nach etwa zwei Zehntelsekunden aus.

Sorgen macht sich Hamilton darüber, dass er ausgerechnet mit dem Soft am besten zurechtkam: "Der härtere Reifen scheint für mich besser zu sein", sagt er und ergänzt: "Im ersten Training war das Auto gut. Aber von da an wurde es eigentlich immer schlechter."

Bereits im ersten Longrun hatten sich knappe Zeitabstände zwischen Mercedes und Ferrari abgezeichnet. Vettels direkte Messlatte war auf dem Ultrasoft aber nicht Hamilton, der seine Ultrasoft-Longruns in zwei Teile teilte, sondern Valtteri Bottas.

Vettel fuhr auch in diesem Vergleich mehr Runden, was dazu führte, dass der Reifen gegen Ende des Stints einbrach. Solange die Reifen direkt vergleichbar waren, war auch die Pace ähnlich: 1:08.4 bei Bottas, 1:08.6 bei Vettel. In den letzten drei Runden des Longruns fielen die Zeiten jedoch auf durchschnittlich 1:09.5 Minuten ab.

Bottas kennt den möglichen Grund dafür: "Letztes Jahr hatte ich starke Blasenbildung links hinten. Wenn es am Sonntag wärmer wird, könnte das wieder ein Problem werden." Vettel lässt sich von den abbauenden Reifen aber nicht verunsichern: "Es war einer der besseren Freitage", sagt er.

Alle anderen fielen auf Ultrasoft dann schon etwas ab:

1. Valtteri Bottas - 1:08.6
2. Sebastian Vettel - 1:08.9
3. Max Verstappen - 1:09.3
4. Daniel Ricciardo - 1:09.6

Kimi Räikkönen fuhr einen zu kurzen Ultrasoft-Longrun, als dass dieser repräsentative Daten ergeben hätte. Doch man hatte den ganzen Tag nie das Gefühl, dass er genauso schnell fahren kann wie Vettel. Das bestätigt sich im direkten Zeitenvergleich.

Räikkönens repräsentativer Longrun war der erste auf Supersoft, also dem mittleren Reifen aus Pirellis Spektrum für den Red-Bull-Ring. Seine einzig echte Benchmark auf Supersoft war Daniel Ricciardo (Red Bull), der auf einen Schnitt von 1:08.9 Minuten kam (Räikkönen auf 1:09.0 Minuten). Dem ist hinzuzufügen: Ricciardo fuhr den Supersoft später als Räikkönen, als die Strecke mehr Grip hatte. Vorteil Ferrari.

Aus Red-Bull-Sicht waren die Longruns "bestenfalls Durchschnitt", wie Max Verstappen zugibt: "Wir haben nicht die Balance, die wir wollen." Und das wirkte sich dann auch auf die Zeiten aus. Red Bull ist beim Heimspiel in Österreich nur dritte Kraft.

Das zeigt sich ganz gut beim Vergleich des Soft-Durchschnitts:

1. Lewis Hamilton - 1:07.8
2. Sebastian Vettel - 1:08.0
3. Max Verstappen - 1:08.9

Auf unseren Analyse-Diagrammen kann man immerhin erkennen, dass die Reifen am Red Bull nicht so stark abzubauen scheinen wie bei der Konkurrenz. Sollten die Temperaturen am Sonntag wie angekündigt steigen, könnte der Rückstand also dramatisch kleiner sein als bei den Longrun-Simulationen. Momentan fehlen Red Bull 0,75 Sekunden auf die absolute Spitze. Auf dem kurzen Red-Bull-Ring eine Menge Holz.

Mehr Grip durch Reifenabrieb, höhere Temperaturen, ein besseres Set-up: All das wird dazu beitragen, dass Red Bull noch näher heranrückt. Was auch wichtig ist, denn Stand gestern musste sich das österreichisch-britische Team in Sachen Renntempo eher nach hinten orientieren.

Auf dem Ultrasoft ist Haas fast dran an Red Bull. Dem Red-Bull-Schnitt von 1:09.4 Minuten steht ein Haas-Schnitt von 1:09.5 Minuten gegenüber. Das liegt auch an der ganz eigenen Asphaltoberfläche in Spielberg, die für einen effizienten Wasserabfluss bei Regen sorgen soll und extrem glatt ist.

"Es geht trotzdem mehr darum, nach hinten zu schauen", analysiert Romain Grosjean, "auch wenn wir wirklich ein sehr gutes Training hatten. Wenn wir Siebter und Achter werden, ist das gut. Gasly im Toro Rosso sieht stark aus, Force India, Leclerc. Und Renault ist am Freitag immer langsamer als am Samstag."

Haas ist, das steht außer Frage, "Best of the Rest". Der spezielle Asphalt lag dem Auto schon 2017. Das gilt insbesondere für die Longruns. Im Qualifying in die vierte Reihe zu fahren, könnte hingegen eine Herausforderung werden: "Wir müssen uns eher darauf konzentrieren, die Reifen für eine Runde schnell zu machen. Der Longrun ist für uns der leichtere Teil", sagt Kevin Magnussen.

Ansonsten zeigen unsere Analyse-Diagramme, dass das Mittelfeld wieder extrem dicht beisammen liegt. Renault, Toro Rosso, selbst McLaren fällt kaum ab. Nur Charles Leclerc, sonst am Freitagnachmittag oft ein Longrun-Wunder, konnte diesmal nicht überzeugen. "Wir hatten ein Problem, das Trainingszeit gekostet hat. Die Performance war aber positiv", relativiert der Sauber-Fahrer.

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