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Johnny Herbert: Valtteri Bottas ist genau das, was Mercedes braucht

Sky-Experte Johnny Herbert analysiert Valtteri Bottas' Ausgangslage bei Mercedes vor seiner fünften Saison in Silber - Was er braucht, um Lewis Hamilton zu schlagen

(Motorsport-Total.com) - Valtteri Bottas will in seiner fünften Mercedes-Saison endlich schaffen, woran er bislang gescheitert ist: Er möchte gegen Teamkollegen Lewis Hamilton bestehen und den Weltmeistertitel gewinnen. Vor allem aber möchte er seine Kritiker Lügen strafen. "Es ist schrecklich, weil er so viel abbekommen hat", meint Sky-Experte Johnny Herbert und findet: "Aber er hat abgeliefert und Lewis gelegentlich geschlagen."

Valtteri Bottas

Schafft Valtteri Bottas im fünften Jahr die Trendwende? Zoom

Für Mercedes sei die Fahrerpaarung Hamilton/Bottas ideal, glaubt Herbert. Der Finne konnte im vergangenen Jahr vor allem im Qualifying gegen den siebenfachen Weltmeister bestehen. "Die Konstanz im Rennen fehlt ihm noch ein wenig. Aber [...] er ist in der Lage, das abzuliefern, was Mercedes als Team für die Konstrukteurs-WM benötigt."

Die Aufgabe als Punktesammler für das Topteam erfülle Bottas auf "brillante" Weise. Außerdem gebe es keine Friktionen innerhalb der Mannschaft. "Ist es das, was Toto möchte? Absolut", analysiert der ehemalige Rennfahrer. "Ist es das, was Lewis möchte? Ja."

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Aus diesen Gründen sei Bottas die optimale Besetzung für das Mercedes-Cockpit neben dem Briten. "Man will keine Ablenkung oder interne Grabenkämpfe." Aufgrund seiner zurückhaltenden, ruhigen Art hat sich der 31-Jährige allerdings bereits des Öfteren den Vorwurf gefallen lassen müssen, dass er nur die Nummer 2 sei und ihm der nötige Biss fehlen würde.

Seit Teamchef Toto Wolff Bottas 2018 selbst als "Wingman" bezeichnet hat, haftet dem Finnen das Image des Wasserträgers an. In der diesjährigen Saisonvorbereitung hat er daher selbst betont, dass er egoistischer werden wolle. "Wenn du gewinnen willst, musst du an dich denken. Das ist etwas, das ich definitiv gelernt habe", meinte Bottas am Rande der Wintertests.

"Es scheint, als wolle er [egoistischer werden]", ist auch Herbert aufgefallen. "Aber wenn man nicht so veranlagt ist, dann ist das recht schwierig. Vielleicht kann er das lernen, weil er gesehen hat, wie Lewis arbeitet oder auch gesehen hat, wie Charles mit Sebastian agiert hat", blickt er auf die Ferrari-Situation des Vorjahres.


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Charles Leclerc kam als Jungstar 2019 von Alfa Romeo zu Ferrari, zu jenem Zeitpunkt war Sebastian Vettel noch die auserkorene Nummer 1 im Rennstall. Doch die Dynamik änderte sich rasch, spätestens mit den beiden Siegen des Monegassen in seinem ersten Jahr in Rot. "Charles hat die Kontrolle übernommen und Sebastian stand im Abseits."

Doch Bottas ist kein Neuling im Mercedes-Team, er geht 2021 in sein fünftes Jahr mit dem Rennstall. (ANZEIGE: Hol dir die komplette Formel 1 und den besten Live-Sport mit Sky Q oder streame flexibel mit Sky Ticket. Ganz ohne Receiver.) Um eine Trendwende in der Team-Dynamik einzuleiten, müsse der Finne versuchen, Hamilton "in der frühen Phase der Meisterschaft konstant zu schlagen. Und dann kann man anfangen, das Team in die Richtung zu führen, in die man es haben möchte."

Das ist bislang allerdings nicht passiert. "Das muss er versuchen zu ändern." Zwar sei es hilfreich, auch abseits der Rennstrecke das Team auf seine Seite ziehen zu wollen. "Und er ist ein wirklich netter Kerl, was sehr selten ist für einen Fahrer in einem Topteam." Aber die Antworten müsse er dennoch auf der Strecke geben, so Herbert.

"Lewis war auf Dauer einfach stärker und konstanter"

"Kann er diese leicht fiese Person sein? Ich nehme an, wir alle haben ein wenig Bosheit in uns. Aber kann er das auch zur richtigen Zeit auf die richtige Art und Weise abrufen", fragt sich der TV-Experte. Grundsätzlich sieht er in Bottas aber alle Grundvoraussetzungen für eine erfolgreiche Formel-1-Karriere vereint: "Er hat das Talent und den Speed. Was er braucht, ist die Konstanz."

Das glaubt auch Nico Hülkenberg, wie er bei 'ServusTV' schildert. Zwar habe Bottas zu Saisonbeginn bereits des Öfteren starke Leistungen gezeigt, auf die Dauer hat er das aber noch nicht geschafft. "Lewis war auf Dauer gesehen einfach stärker und konstanter."

"Da muss er ein paar Prozent finden, an Leistung und Konstanz. Aber da liegt die Messlatte extrem hoch. Er fährt gegen einen der besten Rennfahrer der Geschichte und der Welt. Das ist auch ein bisschen undankbar und hart, da verglichen zu werden", findet der Deutsche.

Sollte es der Vizeweltmeister des Vorjahres schaffen, konstanter zu werden und Topleistungen von Rennen zu Rennen abrufen zu können, dann werde sich das Blatt wenden, davon ist Herbert überzeugt. "Dann wird es in seine Richtung laufen, weil dann alle realisieren, dass er der Kerl ist, der potenziell den WM-Titel gewinnen kann." Dann werde sich auch bei Mercedes intern der Fokus verschieben.

Was aber auch Herbert zu bedenken gibt: Bottas' Teamkollege heißt auch 2021 Lewis Hamilton. Der Champion wird nicht locker lassen und geht mit dem Wissen im Hinterkopf in die neue Saison, dass er seinen Garagennachbar bislang noch in jedem Jahr klar distanzieren konnte. "Lewis wird immer zurückschlagen", weiß der Experte.

"Lewis ist derjenige, der dir eine Ohrfeige gibt und sagt: 'Nun ja, noch nicht'." Bottas muss demnach nicht nur im Rad-an-Rad-Duell auf der Piste bestehen, sondern auch abseits der Kameras die mentalen Scharmützel zu seinen Gunsten entscheiden. "Es ist faszinierend, welche mentalen Spielchen da gespielt werden", findet Herbert.

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Diese Siegermentalität, die er bei Hamilton beobachtet, habe er schon bei vielen anderen Topstars gesehen, etwa Max Verstappen, Ayrton Senna oder auch Michael Schumacher. "Valtteri hat sehr hart in den vergangenen Jahren an sich gearbeitet, seit er zu Mercedes gekommen ist. Und er hat sich verbessert." Doch um einen siebenfachen Dominator zu bezwingen, braucht es noch ein wenig mehr.

"Es reicht noch nicht aus, um Lewis im Moment zu schlagen", meint Herbert, "aber wir reden von Lewis. Jeder würde das im gleichen Auto schwierig finden. Sogar Max oder Charles, aber könnten sie ihn schlagen? Womöglich. Aber es geht darum, ihn jedes Rennen zu schlagen."

Nachsatz: "Und wir alle wissen, dass Lewis immer noch etwas aus dem Hut zaubert, wenn er eine oder zwei Zehntel finden muss." Selbst an schlechten Tagen könne Hamilton noch auf den zweiten Platz fahren, gibt er zu bedenken. Daher müsse man auch Bottas' Leistungen in Relation setzen.


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"Valtteri macht einen sehr, sehr guten Job und das passt aktuell perfekt." Allerdings muss er sich für das kommende Jahr neu empfehlen, da sein Vertrag ausläuft und mit Williams-Pilot George Russell schon ein vielversprechendes Talent - spätestens seit seinem Einsatz in Bahrain 2020 - an die Mercedes-Türe anklopft.

"George hat sich, wie wir alle wissen, in Bahrain viel Gutes getan, und es muss einfach das Timing perfekt sein, damit sie sagen: 'Okay, Valtteri', oder selbst wenn Lewis zurücktritt, wenn es dort einen Platz gibt, dann 'Du bist der Mann für uns'. Und das wäre toll zu sehen. Großartig zu sehen", muss Herbert zugeben.

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