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Hamilton kritisiert Mercedes: "Hinter verschlossenen Türen ansprechen"

Lewis Hamilton ist nach Platz sieben im Qualifying in Monaco sauer und wirft seinem Team vor, nicht alle technischen Möglichkeiten ausgeschöpft zu haben

(Motorsport-Total.com) - Lewis Hamilton war mit Platz sieben einer der Verlierer des Monaco-Qualifyings 2021. In den bisherigen vier Startaufstellungen der Saison hatte er die Positionen zwei, eins, zwei und eins belegt. "Heute Abend werde ich harte Diskussionen mit meinen Ingenieuren führen müssen", kündigte er unmittelbar nach Ende der Session an.

Lewis Hamilton

Lewis Hamilton übte nach dem Qualifying in Monaco Kritik am Mercedes-Team Zoom

"Es gibt Dinge, die wir tun hätten sollen, aber nicht getan haben", stellt Hamilton einen Vorwurf in den Raum, bleibt aber auch auf Nachfrage vage, was er damit konkret meint: "Kann ich nicht wirklich sagen. Ich möchte das Team auch gar nicht zu sehr kritisieren. Aber hinter verschlossenen Türen werde ich das ansprechen. Wir müssen härter arbeiten."

Und das Debriefing fiel dann auch tatsächlich "produktiv", aber gleichzeitig "sehr hart" aus, wie Teamchef Toto Wolff im Nachhinein zugibt: "Das sind genau die Tage, an denen wir am meisten lernen. Das Team hat bei solchen Themen eine brutale Ehrlichkeit und Transparenz. Wir haben es einfach nicht hinbekommen."

"Es ist noch nicht vollkommen klar, wie alle Set-up-Möglichkeiten miteinander interagiert haben. Aber ich würde sagen, dass wir in keinem der Runs genug Grip hatten", sagt Wolff. Das habe "vielleicht mit der Reifentemperatur" zu tun: "Wir müssen das analysieren. Aber eins steht fest: Wir alle zusammen waren nicht gut genug."

Wolff verrät, was Hamilton nicht sagen wollte: Darum ging's!

Wolff konkretisiert: "Da war ein spezieller Aspekt beim Aufwärmen der Reifen, den wir vor dem Qualifying diskutiert haben. Wir hatten am Donnerstagabend gesagt, dass wir eine andere Richtung einschlagen könnten. Das haben wir nicht gemacht. Darüber haben wir gesprochen: Wie können wir bei kühleren Temperaturen in einen Erkundungsmodus gehen?"

Dass Valtteri Bottas in Q3 um eine halbe Sekunde schneller war als Hamilton, ist insofern doppelt verblüffend, als Hamilton eingeräumt hat, dass er sich auch ohne die rote Flagge nach dem Crash von Charles Leclerc nicht mehr gesteigert hätte. Bottas hingegen ist überzeugt davon, dass er ohne Unterbrechung auf die Poleposition gefahren wäre.

"Wir haben Lewis nicht das richtige Auto mit genug Grip gegeben, um Vertrauen aufzubauen", zeigt sich Wolff selbstkritisch. "Mit Valtteri war das dritte Training produktiver, er war insgesamt in einem besseren Fenster. Und wenn du in Q1 gute Runden fährst, dann gehen dir die Dinge leichter von der Hand. Ich bleibe dabei: Wir waren alle zusammen nicht gut genug."


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Dass Hamilton sein eigenes Team nach dem Qualifying derart scharf kritisiert hat, überrascht Wolff nicht: "Wir wollen doch, dass die Fahrer offen sagen, was sie denken, und da steckte viel Frust in ihm. Wenn du in Monaco Siebter bist, weißt du, dass dein Wochenende gelaufen ist. Es ist absolut okay, da mal Frust rauszulassen."

"Niemand im Team nimmt ihm das übel, denn es ist ja keine Einbahnstraße. Lewis ist der Erste, der einsieht und die Hand hebt, wenn er etwas falsch gemacht hat. Das hat er sowohl öffentlich als auch intern schon öfter getan. Genau das zeichnet uns als Team so aus und hat uns in der Vergangenheit zu Weltmeistern gemacht: dass wir mit sowas umgehen können."

Eine Theorie, die auch in der Qualifying-Videoanalyse auf dem YouTube-Kanal von Formel1.de diskutiert wurde, ist: Hamilton verschleißt seine Reifen normalerweise weniger schnell als Bottas. Wenn es aber darum geht, die Reifen bei niedrigen Temperaturen auf einer langsamen Strecke auf eine schnelle Runde ins Temperaturfenster zu bekommen, könnte Bottas im Vorteil sein.

Wolff stellt klar: Bottas hatte kein anderes Set-up

"Die Autos waren im Qualifying ziemlich identisch", stellt Wolff klar. "Es geht darum, wie du in den Tag reinkommst, wie das Training läuft. Da kam Valtteri mit dem Auto in FT3 einfach besser zurecht. In Q1 ist er Bestzeit gefahren. Und unsere Hochrechnungen sagen, dass es um die Pole knapp geworden wäre zwischen Charles, Max und Valtteri. Valtteri lag vorne, als die rote Flagge kam."

"Wenn du aber nicht mit Bestzeit in den Tag startest, sondern mit einem Dreher, dann baust du kein Vertrauen auf. Und genau das ist Lewis passiert", glaubt Wolff und blickt nach vorne: "Die Diskussion, die wir gerade hatten, war so direkt, dass wir das Kapitel Qualifying jetzt abschließen können. Wir wissen, woran wir arbeiten müssen, wenn uns sowas nochmal passieren sollte."

"Jetzt schauen wir auf das Rennen. P7 ist sicher keine gute Ausgangsposition. Aber wer weiß schon, was passiert? Mit einer klugen Strategie und wenn wir mit den Reifen möglichst lang fahren können, was bisher immer eine Stärke war in diesem Jahr, könnten sich Möglichkeiten ergeben. Und darauf müssen wir uns jetzt konzentrieren."

"Wenn wir Dritter und Siebter werden", sagt Wolff, "müssen wir das schlucken. Aber wenn die Chance besteht, weiter nach vorne zu kommen, dann hoffe ich, dass wir sie nutzen können. Monaco ist aber keine Strecke mit vielen Überholmöglichkeiten." Trotzdem: "Wir haben ein Auto, das sicher schneller ist als P7."

Unnötige fahrerische Risiken werde man mit Hamilton dennoch nicht eingehen: "Platz sieben sind immerhin sechs Punkte. Ich habe lieber sechs Punkte als null. Wenn Max das Rennen gewinnt oder Zweiter wird, ist das allerdings immer noch ein großer Punkteunterschied." Aber: "Strategisch können wir Risiko nehmen", kündigt Wolff an.

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