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Formel 1 Ungarn 2017: Ferrari erobert Doppel-Pole in Budapest

Kimi Räikkönen wirft die mögliche Pole in der letzten Runde weg, aber beide Ferraris stehen in der ersten Reihe - Mitfavorit Lewis Hamilton nur auf Platz vier

(Motorsport-Total.com) - Totaler Triumph für Ferrari im Qualifying zum Grand Prix von Ungarn (Formel 1 2017 live im Ticker): Sebastian Vettel sicherte sich auf dem Hungaroring bei Budapest mit einem neuen Streckenrekord von 1:16.276 Minuten die Pole-Position, flankiert von seinem Ferrari-Teamkollegen Kimi Räikkönen. Vettels WM-Rivale Lewis Hamilton (Mercedes) startet morgen nur von Platz vier in das Rennen.

Sebastian Vettel

Sebastian Vettel sicherte sich die Pole-Position beim Grand Prix von Ungarn Zoom

Hamilton hatte weder am Freitagnachmittag noch am Samstagmorgen eine saubere Runde hinbekommen und startete somit als Außenseiter in das Qualifying. Als er jedoch in Q2 im Gegensatz zu den Ferraris eine zweite schnelle Runde fuhr und sich mit dieser auf den ersten Platz katapultierte, schien die 69. Pole-Position seiner Karriere (die die Einstellung des Schumacher-Rekords bedeutet hätte) in Reichweite.

Aber in Q3 war Vettel dann souverän, stellte schon im ersten Run eine Bestzeit von 1:16.276 Minuten auf und konnte es sich leisten, sich im zweiten Run gar nicht mehr zu verbessern. Hamilton hatte seine erste Q3-Attacke nach einem Ausritt in Kurve 4 abgebrochen. Mercedes-Sportchef Toto Wolff glaubt im Nachhinein: "Lewis hätte die Pole fahren können, wenn dieser Fehler nicht passiert wäre." Auch wenn dessen letzte Runde optisch sauber aussah.

Aber: "Uns liegt die Strecke irgendwie nicht. Und Sebastian war in seiner eigenen Liga", stellt Wolff nüchtern fest. Dabei wäre am Ende beinahe noch Räikkönen auf die Pole gefahren. Der "Iceman" glaubte schon, den ersten Startplatz "in der Tasche" zu haben, als ihm in der Schikane ein leichter Fahrfehler unterlief: "Da habe ich es weggeschmissen. Ich bin enttäuscht."

Ganz anders Vettel: Der Ferrari sei "unglaublich" gewesen, lobt er, die Strecke gefalle ihm, und mit dem Set-up "im richtigen Fenster" zu sein, bei so strahlendem Sonnenschein, das ist aus seiner Sicht ein perfekter Tag. Dabei habe er von Freitag auf Samstag "nichts" am Auto geändert. Aber Vettel warnt: "Die Hauptaufgabe kommt am Sonntag. Wir haben heute noch nichts gewonnen."

Katerstimmung herrscht indes bei Red Bull. Als Geheimfavorit nach Ungarn gekommen, am Freitag noch Trainingsschnellster, landete Daniel Ricciardo mit 0,542 Sekunden Rückstand auf dem sechsten Platz. Als Ursache macht er den Hydraulikdefekt im Abschlusstraining aus: "Das Auto fühlte sich in Q1 ganz anders an als gestern Nachmittag. Es fiel uns schwer, uns von dem Problem heute Morgen zu erholen."

Und auch Max Verstappen ("Meine Runde war nicht perfekt") konnte die Kohlen nicht aus dem Feuer holen. Der Niederländer war zwar um 0,021 Sekunden schneller als Ricciardo, aber auch er blieb unter seinen Möglichkeiten: "Max", sagt Red-Bull-Motorsportkonsulent Helmut Marko, "hatte einen leichten Quersteher in Kurve 6. Sonst wäre Platz drei realistisch gewesen." Gleichzeitig gibt Marko zu: "Die zwei Ferraris waren zu schnell für uns."

Zwischen dem sechsten und siebten Platz klaffte eine Lücke von 1,192 Sekunden. "Best of the Rest" war diesmal Nico Hülkenberg, der mit den in Silverstone eingeführten Renault-Updates nach und nach an die Spitze des Verfolgerfeldes rückt. Bitter: Wegen eines vorzeitigen Getriebewechsels muss er in der Startaufstellung auf den zwölften Platz nach hinten.

"Ich bin sehr zufrieden. Mehr ist einfach nicht drin. Ich habe das Beste rausgeholt", strahlt Hülkenberg. "Wir haben hier wirklich ein gutes Auto, und diesmal bin ich auch zuversichtlich, dass das nicht nur im Qualifying so ist, sondern auch im Rennen ganz gut wird. Die Strafe ist natürlich nicht super. Gerade hier in Ungarn, wo das Überholen schwierig ist, ist das eine bittere Pille. Aber das Getriebe war nicht mehr zu retten."

Hülkenbergs Leistung ist umso beeindruckender, als er seinen Teamkollegen Jolyon Palmer in Q2 um 0,760 Sekunden abhängte. Palmer verpatzte auf seiner letzten Runde den ersten Sektor und verpasste so den Q3-Einzug gegen Carlos Sainz (10./Toro Rosso/+2,636) um 0,104 Sekunden. Immerhin ließ er Esteban Ocon (12./Force India) knapp hinter sich, der vor dem letzten Versuch noch auf Platz zehn gelegen war.

Hinter Daniil Kwjat (13./Toro Rosso), dessen Ausritt im ersten Segment ohne Folgen blieb, klassierten sich Sergio Perez (Force India) und Romain Grosjean (Haas). Perez hatte schon in Q1 Glück gehabt, als er im direkten Duell gegen Grosjeans Teamkollege Kevin Magnussen nur in die Top 15 einzog, weil er seine Runde bei exakt gleicher Zeit etwas früher fuhr.

Für eine Mini-Sensation sorgte Massa-Ersatzmann Paul di Resta, der trotz seiner extrem späten Nachberufung bei seinem ersten Formel-1-Qualifying seit 2013 nicht auf dem letzten Platz landete. Der Williams-Fahrer tastete sich in zwei Runs langsam an das Tempo der neuen Formel-1-Boliden heran und schaffte auf seiner letzten Runde eine Zeit von 1:19.868 Minuten.

Das war nicht nur genug, um locker die 107-Prozent-Hürde zu nehmen, sondern reichte sogar, um 0,104 Sekunden vor Marcus Ericsson (Sauber) zu bleiben. Wäre er um 0,029 Sekunden schneller gewesen, hätte er auch den Wehrlein-Sauber (18.) geknackt. Und auf seinen Teamkollegen Lance Stroll (17.) fehlten nur 0,766 Sekunden. Dabei hätte di Resta das Qualifying eigentlich nicht fahren, sondern für das britische Pay-TV kommentieren sollen!

"Vier schnelle Runden sind nicht viel, wenn man ohne jede Vorbereitung ins Qualifying geht", lacht der 31-jährige DTM-Fahrer. "Die neuen Autos sind schnell, aber je mehr Runden ich gefahren bin, desto besser wurde es. Ich hätte nicht damit gerechnet, so nahe dran zu sein. Ich bin erst vergangene Nacht zum ersten Mal im Auto gesessen. Davor immer nur in Modellen. Aber es hat Spaß gemacht!"

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