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Technik-Check: Hat Renault beim RS18 etwas zu verbergen?

Der Renault RS18 ist das fünfte präsentierte Auto der Formel-1-Generation 2018 und bislang das mit der kleinsten Revolution im Vergleich zu 2017

(Motorsport-Total.com) - Ein Großteil des am Dienstag online präsentierten Renault RS18 für die Formel-1-Saison 2018 kann als Evolution des Vorgängermodells RS17 eingestuft werden. Ohne ganz genau auf die Details zu achten, könnte man auf den ersten Blick sogar meinen, es handele sich um das letztjährige Auto, an das einfach der Cockpitschutz Halo angebracht wurde.

Renault RS18

Der Renault RS18 in der Launch-Version: Erschreckend konventionell Zoom

Hat Renault für 2018 tatsächlich auf dramatische Veränderungen verzichtet? Oder aber hält man etwas zurück und wir werden bei den Testfahrten (Formel-1-Testfahrten 2018: Live-Timing aus Barcelona) und den Rennen etwas ganz anderes sehen?

Es wäre unfair zu sagen, dass es überhaupt keine Veränderungen gibt. Betrachtet man sich die veröffentlichen Bilder genauer und zieht insbesondere den direkten Vergleich der Draufsicht des RS17 mit dem RS18 heran, fällt etwas auf: Der Radstand ist beim 2018er-Modell länger.

Renault RS18 vs. RS17: Vergleich

Der direkte Vergleich mit dem Vorgänger RS17 zeigt: Längerer Radstand am RS18 Zoom

Den Trend zum längeren Radstand sieht man bei vielen der neuen Formel-1-Autos. Er geht auf das Konzept des 2017er-Mercedes zurück und soll für einen sanfteren Umgang mit den Reifen sorgen. Dies könnte umso wichtiger sein, weil Pirelli in der neuen Saison weichere Reifenmischungen bringt, die Zweistoppstrategien in den Rennen wieder auf den Plan bringen sollen.

Abgesehen davon hat ein längerer Radstand den Vorteil, dass das Auto aerodynamisch konstanter ist. Im vergangenen Jahr hatten die im Vergleich zu 2016 breiteren Reifen die Aerodynamiker vor einige Probleme gestellt.

Vor dem Hintergrund der Wichtigkeit der Aerodynamik ist es ungewöhnlich, dass Renault als bislang einziges Team keine extravagante Lösung für die Seitenkästen des neuen Autos präsentiert hat. Am Sauber C37 beispielsweise wurde die seitliche Crashstruktur abgesenkt, um an der Vorderseite der Seitenkästen Platz für einen zweiten Lufteinlass oberhalb des ohnehin schon kleinen Hauptlufteinlasses zu schaffen.

Hauptziel der Veränderungen am Sauber ist es, den Lufteinlass aus den Turbulenzen des Vorderreifens zu nehmen und somit für einen ruhigeren Luftstrom in und um den Seitenkasten zu sorgen. Eine direkte Folge daraus ist ein nach hinten verlagertes Druckzentrum des Autos und damit eine andere Gewichtsverteilung. Die Einführung von Halo allerdings steht diesen Bemühungen im Weg.


Fotos: Präsentation Renault R.S.18


Die Tatsache, dass es am Renault keine Veränderungen in diesem Bereich gibt, erweckt den Eindruck, der französische Rennstall habe etwas verpasst. Es könnte aber auch sein, dass man eine mögliche aggressive Neuerung noch zurückhält. Schließlich wurden bislang nur Computergrafiken und keine echten Fotos des RS18 veröffentlicht. Das beim Fotoshooting mit den Teammitgliedern verwendete Auto ist in der Tat ein RS17 im 2018er-Look.

Renault RS18 vs. RS17: Vergleich, Airbox

Renault RS18 vs. RS17: Vergleich, Airbox Zoom

Ein Bereich, an dem Renault Hand angelegt hat, ist die Airbox. Durch die Veränderungen soll der negative Einfluss von Halo auf die Antriebseinheit minimiert werden. Die grundsätzliche Form des Lufteinlasses der Airbox wurde beibehalten, aber der Einlass an sich wirkt nun kompakter.

Der Rest des Autos ist auf den Grafiken mit Platzhaltern übersät. So entsprechen Frontflügel, Luftleitelemente, Windabweiser, Diffusor und Heckflügel allesamt dem Stand von 2017. Das wird sich im Verlauf der Wintertestfahrten und bis zum ersten Rennen der Saison 2018 ändern.

Renault RS18 vs. RS17: Vergleich, Windabweiser

Renault RS18 vs. RS17: Vergleich, Windabweiser Zoom

Immerhin: Der im vergangenen Jahr "Aerokatze" getaufte Windabweiser weist nun einen Einschnitt auf. Somit hat die Katze jetzt gewissermaßen zwei Köpfe. Zudem erinnern die Rückspiegel nun verdächtig an jene des 2017er-McLaren. Sie weisen aggressive, aerodynamisch geformte Verlängerungen auf (roter Pfeil).

Unter dem Chassis findet sich die Aufhängung für den Splitter, die von der Form her stark an jene der vergangenen Jahre erinnert. Neu ist aber, dass der Sensor für die Bodenfreiheit nun auch direkt an dieser Aufhängung sitzt. Damit soll der Luftstrom unter dem Auto beruhigt werden.

Alles in allem erweckt der neue Renault nicht den Eindruck, als wäre er im Vergleich zum 2017er-Auto ein großer Schritt. Aber noch einmal: Die Frage ist, ob das Team noch etwas zu verbergen hat?

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