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Formel 1 Abu Dhabi 2018: "Killer"-Pole für Hamilton beim Finale

Entscheidung im dritten Sektor: So hat Lewis Hamilton das letzte Qualifying der Saison gewonnen - Vorteil im ersten Rennstint auch dank der Reifenwahl

(Motorsport-Total.com) - Lewis Hamilton hat sich beim Saisonfinale 2018 in Abu Dhabi (Formel 1 2018 live im Ticker) die 83. Pole-Position seiner Formel-1-Karriere gesichert. Der Mercedes-Fahrer war im alles entscheidenden Q3 unter Flutlicht auf dem Yas Marina Circuit um 0,162 Sekunden schneller als sein Teamkollege Valtteri Bottas. Dritter wurde Sebastian Vettel (Ferrari/+0,331).

Lewis Hamilton, Valtteri Bottas, Sebastian Vettel

Valtteri Bottas, Lewis Hamilton und Sebastian Vettel nach dem Qualifying Zoom

Mercedes fährt in Abu Dhabi erstmals seit Hamiltons Sieg beim Grand Prix von Japan wieder mit gelochten Distanzscheiben in den Felgen, und prompt stehen die beiden Silberpfeile geschlossen in der ersten Reihe. Wie überlegen, das zeigte sich daran, dass Hamilton schon nach seiner ersten Q3-Runde in Führung lag, obwohl er in dieser in der Haarnadel mit einem stehenden Rad links vorne ein paar Meter zu weit gerutscht war.

Dazu kommt: Beide Mercedes-Fahrer haben den Q1-Einzug auf Ultrasoft-Reifen geschafft, ebenso wie Kimi Räikkönen (4./Ferrari/+0,571) und Daniel Ricciardo (5./Red Bull/+0,607). Vettel und Max Verstappen (6./Red Bull/+0,795) hingegen müssen im Rennen auf dem Hypersoft-Pirelli starten. "Da sind wir vielleicht auf dem besseren Fuß", freut sich Mercedes-Teamchef Toto Wolff.

Aber: "Man darf es nicht unterschätzen. Die Red Bulls sind wirklich gut mit dem Reifenmanagement. Die werden morgen eine Rolle spielen", befürchtet er. Zumal besonders Verstappen am Boxenfunk nach Q3 fuchsteufelswild war. Seiner Meinung nach hatte man seine Reifen zu stark aufgeheizt, sodass er diese auf der Out-Lap kühlen musste. Was der Renningenieur allerdings anders sah ...

Beste Runde des Tages schon in Q2

Die "beste Runde des heutigen Tages" wurde diesmal nicht in Q3, sondern in Q2 gefahren, findet Mercedes-Teamchef Wolff. Als die drei Topteams ihren ersten Q2-Run auf Ultrasoft absolvierten, hängte Hamilton Bottas um 0,7 Sekunden und die beiden Ferraris sogar um mehr als eine Sekunde ab. Da zeigt sich selbst sein Ex-Rivale Nico Rosberg beeindruckt: "Lewis hat's perfekt getroffen."

In Q3 sei dann der letzte Sektor "Killer" gewesen, lobt sich Hamilton selbst: "Dort konnte ich den Unterschied machen." 'RTL'-Experte Timo Glock nickt: "Sebastian hatte das Problem, dass im letzten Sektor der Reifen ein bisschen an Performance verloren hat." Für morgen ist Glock mäßig optimistisch, denn: "Gestern war der Reifenverschleiß von Ferrari auf den Longruns dramatisch."

"Ich wäre schon gern in der ersten Reihe gestanden", gibt Vettel zu. "Aber ich habe schon vor dem Qualifying zu den Jungs gesagt, dass unsere Chance morgen kommt. Wir sind auf den Geraden sehr schnell, und im Rennen kann alles passieren." Positiv auch: Je tiefer in die Nacht hinein gefahren wurde, desto besser der Ferrari. Ein gutes Zeichen für Sonntag.

Hülkenberg verliert zwei Positionen

Platz sieben ging in einem spannenden Mittelfeld-Fight an Romain Grosjean (Haas), und zwar mit 0,045 Sekunden Vorsprung auf Charles Leclerc (Sauber) und 0,348 auf Esteban Ocon (Force India). Nico Hülkenberg wurde Zehnter, nur 0,002 Sekunden hinter Ocon. Nach dem ersten Q3-Run war der Renault-Pilot noch an achter Stelle gelegen.

Wie eng es am Saisonende zugeht, beweist der Blick auf die Sektorenzeiten. Gleich zweimal leuchteten bei Leclerc (in Q1 und Q2) absolute Bestzeiten (!) im ersten und dritten Sektor auf. Tatsächlich waren seine Bestzeiten in diesen beiden Abschnitten um 0,002 Sekunden schneller beziehungsweise nur um 0,265 Sekunden langsamer als jene von Hamilton. Nur im kurvenreichen dritten Sektor büßte er 1,180 Sekunden auf die Pole ein.

Ferrari verliert halbe Sekunde im dritten Sektor

Mercedes fuhr die Zeit auf Ferrari, nämlich eine halbe Sekunde, ebenfalls im dritten Sektor heraus. Interessant aber: Noch schneller als Hamilton, und zwar um 0,093 Sekunden, war auf den letzten 37 Fahrsekunden Ricciardo. Das lässt vermuten, dass Ferrari mit flach eingestellten Flügeln eher auf mehr Topspeed als auf Anpressdruck gesetzt hat.

Fernando Alonso verabschiedete sich im (vorerst) letzten Qualifying seiner Formel-1-Karriere als Session-Letzter (15. in Q2., 0,202 Sekunden hinter Sergio Perez auf P14). Dass der Spanier in Q2 überhaupt dabei war, kam für seinen Renningenieur laut Boxenfunk überraschend: "Das war magisch, mein Freund!", sagte dieser nach der Q1-Runde.

Bereits in Q1 hatte es die beiden Toro Rossos erwischt. Pierre Gasly rollte mit Verdacht auf Antriebsdefekt im letzten Run aus und wurde 0,172 Sekunden hinter Brendon Hartley 17. Hartley wiederum fehlten sechs Hundertstelsekunden auf den Q2-Cut (Kevin Magnussen, am Ende 13.). Erfreulich aus Gasly-Sicht: Für die Kontroverse mit Grosjean im Abschlusstraining gab es "no further Action".

Vandoorne: 0:21 gegen Alonso

Darüber hinaus war für Stoffel Vandoorne (McLaren) sowie die beiden Williams-Piloten ebenfalls nach Q1 Endstation. Vandoorne verliert damit sein Stallduell 2018 gegen Alonso mit 0:21. Und bei Williams gewann Sergei Sirotkin seinen letzten direkten Vergleich gegen Lance Stroll immerhin um 0,047 Sekunden.

Abseits der letzten Qualifying-Entscheidung des Jahres gab es auch eine lustige Szene, als sich Vettel am Ferrari-Boxenfunk erkundigte, ob er zwischen Q2 und Q3 noch Zeit habe, um pinkeln zu gehen. Trockene Antwort seines Renningenieurs Riccardo Adami: "Du hast genau vier Minuten!"

Generell wurde bei Mercedes aber mehr gelacht als bei Ferrari. Kein Wunder: Abu Dhabi 2018 ist die fünfte Doppel-Pole hintereinander auf der gleichen Strecke - ein Novum in der Formel-1-Geschichte. Für Hamilton war es die 52. Pole in den letzten 100 Qualifyings und die 83. insgesamt in seiner Karriere - ebenfalls Rekord.

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