powered by Motorsport.com
  • 01.04.2015 · 12:49

  • von Dieter Rencken & Dominik Sharaf

Ferrari macht Druck: "Wer fährt, wenn wir nicht da sind?"

Teamchef Arrivabene glaubt, dass die Königsklasse ohne die Scuderia versauert, bekennt sich aber zum Engagement: "Weltmeister wird nur, wer Ferrari schlägt"

(Motorsport-Total.com) - Ferrari und die Formel 1 sind seit Jahrzehnten untrennbar miteinander verbunden. Geht es nach Maurizio Arrivabene, soll sich daran in Zukunft nichts ändern - jedoch weiß der neue Teamchef, dass das Erbe nicht nur Verpflichtung, sondern auch Druckmittel ist. Er ist davon überzeugt, dass die Königsklasse die Scuderia braucht wie es umgekehrt der Fall ist. "Sie würde 60 bis 70 Prozent ihres Marktwertes verlieren", skizziert Arrivabene gegenüber 'Motorsport-Total.com' das Szenario eines Ausstiegs.

Maurizio Arrivabene

Scharfe Töne: Maurizio Arrivabene kann auch mit erhobenem Zeigefinger Zoom

Die Fanbasis der Roten sieht der 58-Jährige als Kronzeugen für diese Behauptung und seine These durch Tribünen der Rennstrecken rund um den Globus bestätigt: "Meiner Erfahrung zufolge sind auch außerhalb Italiens 60 bis 70 Prozent Flaggen, die den Tifosi gehören", so Arrivabene. "Deshalb hat Ferrari einen Wert, der sich mit dem anderer Teams nicht vergleichen lässt." Weil die Scuderia so ein Publikumsmagnet ist, definiere sich der Wert der Formel 1 aus ihrer Teilnahme. Das gilt auch für Mercedes.

Arrivabene glaubt, dass für jede Marke der Kampf gegen Ferrari das notwendige i-Tüpfelchen auf dem Erfolg ist. "Sie siegen, sie haben sich im vergangenen Jahr all meinen Respekt verdient, aber ich denke, dass der Titel Weltmeister keinen Wert besitzt, wenn man Ferrari nicht schlägt", sagt er in Richtung der Silberpfeile. "Ich würde gerne sehen, wie viele auf die Strecken gehen würden, wenn Ferrari kein Gegner ist. Wenn Leute das vergessen haben, rufen sie es sich besser schleunigst in Erinnerung."


Fotos: Ferrari, Großer Preis von Malaysia


Es zeigt sich der in der Szene bisher selten gesehene, knallharte Geschäftsmann Arrivabene. Mit seinen Aussagen zementiert er die Privilegien seines Arbeitgebers bei der Einnahmenverteilung, über die so viele andere Teams klagen. Er gibt genau wie Enzo-Sohn und Vorstandsmitglied Piero Ferrari ein Bekenntnis zur Königsklasse ab: "Ich kann mir eine Formel 1 ohne Ferrari nicht vorstellen", so der Ex-Tabakmanager und PR-Spezialist, der den neuen Firmen-Präsidenten in höchsten Tönen lobt.

"Dass Ferrari wieder eine zentrale Rolle einnimmt, liegt am Engagement des Herrn Marchionne", erklärt er. Das Zutun des früheren FIAT-Sanierers in der Strategiegruppe und der Formel-1-Kommission hätte dafür gesorgt, dass beide Wege miteinander verwoben blieben. Trotzdem stecke in Sergio Marchionne nicht nur ein gewiefter Unternehmer und Politiker: "Wenn er sich nicht auf Geschäftliches konzentriert, ist er wahrer Ferrari-Fan. Es war eine angenehme Überraschung, seine Leidenschaft und seine Hingabe zu spüren, wenn er über das Team spricht. So handelt er auch."