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Enzo Ferrari brach sein Wort: Wie Alan Jones' Wechseltraum zerplatzte

Alan Jones war sich für die Formel-1-Saison 1978 bereits mit Enzo Ferrari einig, doch der Italiener ließ den Deal am Ende noch überraschend platzen

(Motorsport-Total.com) - Als zweiter und bislang letzter Australier holte Alan Jones 1980 einen WM-Titel in der Formel 1. Jones fuhr damals für das Williams-Team, zu dem er 1978 von Shadow gewechselt war. Doch eigentlich hatte er sich damals bereits als Ferrari-Pilot gewähnt und einen Vertrag unterschrieben. Zu dem Wechsel kam es letzten Endes jedoch nicht.

Gilles Villeneuve, Alan Jones

Gilles Villeneuve schnappte Alan Jones einst das Ferrari-Cockpit weg Zoom

Jones erinnert sich: Nach seinem ersten Grand-Prix-Sieg in Österreich 1977 rief ihn Luca di Montezemolo an und fragte Jones, ob er für Ferrari fahren wolle. "Was für eine dumme Frage, natürlich will jeder für Ferrari fahren. Ich sagte: 'Ja, das wäre nett'", erzählt der Australier im Podcast 'Beyond The Grid'.

Di Montezemolo kündigte ein baldiges Treffen mit Ferrari-Gründer Enzo Ferrari persönlich an und sagte ihm, welche Fragen der Italiener stellen würde und was er ihm darauf antworten soll. "Er meinte, dass wir das aber streng geheim halten müssten, weil meine Bekanntgabe eine Überraschung sein soll. Das war aber ein Schwachsinn, weil sie natürlich auch mit anderen Fahrern gesprochen habe. Sie wollten einfach nicht, dass es jeder weiß", so Jones.

Beeindruckt von der Fabrik

Wenig später flog der Shadow-Pilot nach Mailand, wo er von "einem Kerl in einem blauen Anzug und der Aufschrift Ferrari" empfangen wurde, der ein Schild hochhielt, auf dem Jones' Name stand. "So viel zur Verschwiegenheit", lacht der heute 72-Jährige.

Der Mann fuhr mit Jones nach Maranello, zeigte sich dabei aber eher von seiner wilden Seite: "Er ist wild gefahren und hat die Leute auf der Straße innen überholt, er wollte mich wohl beeindrucken", so Jones. "Ich habe ihm dann zu verstehen gegeben, dass wenn er damit nicht sofort aufhört, mich bei der nächsten Kreuzung rauslassen soll."

In Maranello angekommen, wurde er von einem weiteren Mann in einem FIAT 500 abgeholt und durch die Fabrik und die Fertigungsanlagen geführt. Der Name des Mannes: Piero Lardi. Was Jones damals nicht wusste: Es war der Sohn von Enzo Ferrari.

Enzo Ferrari

Enzo Ferrari war bei der Scuderia DER Macher schlechthin Zoom

Doch ihn interessierten ohnehin nur die Anlagen in Maranello, die ihn ziemlich beeindruckten. Aber kein Wunder: Ferrari hatte in den drei Jahren zuvor stets die Kontrukteursmeisterschaft gewonnen und mit Niki Lauda 1975 und 1977 auch zwei Fahrertitel geholt.

"Ich dachte nur: 'Die sollten allen Fahrern das zeigen, denn das würde alle einschüchtern, denn die können jedes Rennen gewinnen'", sagt Jones. Ferrari habe als erstes Team so etwas wie Telemetrie gehabt und in den Kurven der hauseigenen Strecke Messsensoren eingebaut, um den Speed am Kurveneingang-, mitte und -ausgang zu messen.

Treff mit dem weißen Boss

Nach der Tour wurde Jones nach Fiorano gebracht, um Enzo Ferrari persönlich zu treffen. "Ich habe in diesem riesigen Warteraum gewartet, als plötzlich die Doppeltüre aufgeht und hinter dem Schreibtisch dieser Typ sitzt", erinnert er sich. "Ich bin reingegangen und sah, dass er komplett weiß ist - wie ein Blatt Papier. Ich dachte, er sei tot."

"Er fragte mich natürlich, warum ich für Ferrari fahren möchte und ich sagte, weil mir das Team das Material geben könnte, um Weltmeister zu werden", erzählt Jones weiter. Dann sei er gefragt worden, ob er sich ein Leben in Italien vorstellen könnte, "und ich sagte, ich würde sogar am Nordpol leben, um einen Ferrari fahren zu können."


Fotostrecke: Fotostrecke: Alle Ferrari-Rennleiter in der Formel 1 seit 1950

Allerdings gab es da noch ein Problem: Ferrari gab zu, dass man bereits mit Mario Andretti verhandeln würde, weil man die Verkaufszahlen in Nordamerika steigern wolle. "Sollte Andretti nicht zur Verfügung stehen, sei ich Ferraris Mann. Ich habe dann sogar einen Vertrag unterschrieben. Alles war bereits ausgemacht, auch das Gehalt und wo ich leben würde", meint Jones.

Aufgeregt berichtete er zuhause seiner Frau, dass beide bald in Italien leben würden, wenn Andretti nicht zu Ferrari gehen sollte. Und so kam es auch: Mario Andretti unterschrieb für 1978 einen Vertrag beim Lotus-Team und die Bahn war für Jones frei. "Ich dachte nur: 'Ja, ich bin ein Ferrari-Fahrer! Wie hört sich das an?'"

Andretti geht nicht zu Ferrari, aber ...

Doch Jones hörte einige Tage lang nichts von Ferrari und wurde misstrauisch, weil es für ihn nach dem Andretti-Deal eine klare Sache war. Der Australier rief daraufhin selbst bei den Roten an. "Am anderen Ende der Leitung war es für gefühlt eine Stunde still. Das war wirklich eigenartig", schildert er. "Noch stiller wurde es, als ich fragte, wann ich vorbeikommen sollte. Und dann wurde mir erklärt, dass Herr Ferrari eben einen nordamerikanischen Piloten haben wollte."

Alan Jones, Gilles Villeneuve

Alan Jones genoss in den späteren Jahren die Erfolge gegen Ferrari Zoom

Und der hieß statt Mario Andretti nun Gilles Villeneuve. Ferrari hatte den Kanadier bereits unter Vertrag genommen. "Nun fragte ich, was ich mit meinem Vertrag jetzt anfangen soll", so Jones. "Der war dann für den Arsch ..."

Jones' Notnagel hieß Williams: Er rief nach seiner Ausbootung bei Teamgründer Frank Williams an und sagte ihm, dass er sehr gerne für das Team fahren würde. "Er sagte mir dann, das müsse geheim bleiben, da es eine Überraschung sein soll bei der Bekanntgabe und ich wurde daraufhin wütend", so der Australier. Doch der Wechsel kam zustande.

Bereut hat Jones das nicht: "In diesem Jahr habe ich Ferrari fast immer ausqualifiziert. Es war schon sehr schön, als ich an ihnen in der Boxengasse vorbeigefahren bin und sie am Auto geschraubt haben. Da habe ich sie gegrüßt, dabei habe ich womöglich nur einen Finger verwendet, aber es war ein Gruß. Ich dachte nur: 'Karma gibt es wirklich'."

Alan Jones

Happy End: Jones wird 1980 mit Williams Weltmeister Zoom

Zwar wurde Jones 1978 nur Elfter in der Meisterschaft, zwei Jahre später sollte sich der Wechsel aber auszahlen: Mit Williams wurde er 1980 Weltmeister.

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