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  • 08.03.2017 · 13:50

  • von Dieter Rencken & Dominik Sharaf

Crash-Teenager Stroll wehrt sich gegen Kritiker: "Bin bereit"

Der Kanadier ignoriert die Schlagzeilen und betont, die "Anti-Verstappen-Hürden" genommen zu haben - Felipe Massa verteidigt ihn und nimmt Williams in die Pflicht

(Motorsport-Total.com) - Nach drei Abflügen in zwei Tagen bei den Wintertestfahrten in Barcelona hatte die Formel 1 ihren neuen Bruchpiloten gefunden: Lance Stroll. Auf den 18-jährigen Kanadier prasselte in der vergangenen Woche von allen Seiten Kritik ein, wobei dem Sohn eines Mode-Milliardärs sein Paydriver-Image keine Hilfe war. Gegenüber dem 'Journal de Montreal' gibt sich Stroll unbeeindruckt, auch wenn er Williams mit seinen Unfällen eine Zwangspause einbrockte: "Ich weiß, dass ich bereit bin."

Lance Stroll

Lance Stroll muss sich hohen Erwartungen stellen und erntet derzeit viel Kritik Zoom

Der Teenager verweist auf Fakten: Für die Superlizenz hätte er 40 Qualifikationspunkte aus Nachwuchsserien benötigt, die hätte er gesammelt - und sei nicht nur dank Papas Vermögen direkt aus der Formel 3 in die Königsklasse aufgestiegen: "Ich habe hart gearbeitet, um es zu schaffen", sagt Stroll. "Ich habe vorher Titel gewonnen und keinen Zweifel, dass ich meinen Platz in der Formel 1 verdiene." Die Journalisten könnten schreiben, was sie wollten - er würde es ohnehin nicht lesen.

Der Fall Stroll und die Reaktion des Williams-Piloten erinnern an Max Verstappens. Red Bulls Supertalent wurde vor zweieinhalb Jahren ähnlich scharf kritisiert, ehe der Niederländer überhaupt im Cockpit gesessen hatte. Wegen der Causa führte die FIA sogar Regeln ein, um die "Milchbubis" aus den Cockpits zu verdrängen - ein nationaler Führerschein und die von Stroll erwähnten Qualifikationspunkte als Hürden. Doch die Doublette ist nach den Testunfällen längst perfekt.

Rückendeckung erhält Stroll von Teamkollege Felipe Massa: "Es wäre einfacher gewesen, hätte er im vergangenen Jahr sein Debüt gefeiert - es gab weniger Abtrieb und die körperlichen Anforderungen waren niedriger", verweist der Brasilianer auf die nach neuen Aerodynamikregeln konstruierten Boliden, die bis zu fünf Sekunden pro Runde schneller sein sollen und von manchem Aktiven als Biester beschrieben wurden: "Es ist kein Auto mehr, das einfach zu fahren wäre", findet Massa.


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Stroll will die Entschuldigung nicht gelten lassen: "Sicher mangelt es mir an Erfahrung, aber ich fühle mich wohl." Das stellte er bei den Tests unter Beweis: Neben den Zwischenfällen drehte der Rookie auch 110 Runden, zum Teil auf ordentlichem Niveau. Wo gehobelt würde, fielen eben auch Späne, meint Massa und denkt an die Zeit, als er noch drei Jahre vom Debüt entfernt war: "Ich erinnere mich daran, dass ich 18 Jahre alt war und wie viele Fehler ich damals gemacht habe."

Außerdem wäre es nicht korrekt, Stroll die alleinige Schuld für Williams Testrückstand zu geben. Schließlich beschädigte er den FW40 nur leicht und verursachte Kleinholz, das Konkurrenten an ihren Boliden in Windeseile flickten. "Was vergangene Woche passiert ist, war nicht nur sein Fehler. Dem Team mangelte es an Ersatzteilen - hätten sie zur Verfügung gestanden, wären wir mit unserem Programm vielleicht durchgekommen", unterstreicht Massa. "Fehler können immer passieren. Ich bin auch von der Strecke abgekommen und habe gebetet, dass nichts zu Bruch gehen möge."