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Concorde: Brown befürchtet nie da gewesenes "Feuerwerk"

McLaren-Boss Zak Brown stellt sich auf explosive Verhandlungen über die Zukunft der Formel 1 ein und erklärt, warum er Ecclestones Fehler als Chance begreift

(Motorsport-Total.com) - Bis Ende 2020 laufen die kommerziellen Verträge, die die Beteiligten in der Formel 1 (Rechteinhaber Liberty Media, Teams, Automobil-Weltverband FIA) aneinander binden. Für die Zeit danach muss neu verhandelt werden. Und McLaren-Boss Zak Brown geht davon aus, dass die Verhandlungen explosiver als je zuvor verlaufen werden.

Zak Brown, Chase Carey

Zak Brown erwartet explosive Verhandlungen mit Chase Carey & Co. Zoom

"Ich glaube, bei den Verhandlungen über ein neues Concorde-Agreement werden wir ein Feuerwerk wie nie zuvor erleben", erklärt Brown vor dem Saisonauftakt in Melbourne (Formel 1 2018 live im Ticker). "Sie haben schon begonnen, aber ich denke, sie werden in nächster Zeit noch mehr an die Öffentlichkeit kommen."

"Die Fans haben daran vielleicht ihren Spaß", lacht er. "Aber wir müssen sicherstellen, dass die wirtschaftliche Community unseres Sports davon nicht abgetörnt wird, wenn ständig darüber spekuliert wird, ob dieses Team aussteigt oder jenes Rennen nicht mehr stattfindet."

Nachsatz: "Ich gehe davon aus, dass die Verhandlungen von jetzt an bis zu dem Punkt, an dem wir eine neue Einigung erzielen, ziemlich dramatisch verlaufen werden." Vielen graut jetzt schon davor, dass geheime Verhandlungsdokumente an die Medien gespielt werden, um öffentlich Stimmung zu machen, oder dass ein Krieg der Worte seriöse Verhandlungen hinter verschlossenen Türen ablösen könnte.

Positionierungen fangen bereits an

Über die Medien haben die ersten Positionierungen bereits stattgefunden. Ferrari zündelt immer wieder mit dem Ausstiegs-Feuer. Red Bull kritisiert das Motorenformat aufs Schärfste. Und Mercedes spielt die politische Klaviatur hinter den Kulissen ebenfalls geschickt mit. Nur Liberty macht bisher auf diplomatisch. Die entscheidende Frage ist, ob es Liberty gelingt, die Gemeinsamkeiten in den Vordergrund zu stellen. Oder ob die Fronten verhärten und der Machtkampf eskaliert.

Zuletzt war das in der Formel 1 2008 der Fall, als die Teams, allen voran Hersteller wie Toyota und BMW, über eine konkurrierende Piratenserie nachdachten. Letztendlich konnte man sich aber doch noch mit Bernie Ecclestone und der FIA einigen. Im Gegensatz zu damals gibt es jetzt kein einheitliches Concorde-Agreement mehr. Stand heute hat jedes Team seinen eigenen individuellen Vertrag mit dem Rechteinhaber.

Ob es in Zukunft wieder ein gemeinsames Concorde-Agreement geben wird, ist derzeit unklar. Fest steht hingegen, dass alle Beteiligten die Post-Ecclestone-Ära als Chance für die Formel 1 erkannt haben. Unter Liberty Media mag zwar der finanzielle Gewinn kurzfristig zurückgegangen sein; doch die langfristigen Investments in Themen wie F1 TV, Show-Events wie in London oder eine verbesserte Live-Experience am Grand-Prix-Wochenende findet der Paddock fast geschlossen sinnvoll.

"Bernie", philosophiert Brown, "hat unglaubliche Arbeit geleistet, den Sport so groß zu machen, wie er heute ist. Gleichzeitig denke ich, dass Liberty Media der richtige Eigentümer ist, um uns voranzubringen, vor allem in dieser veränderten Medienlandschaft. Bernie war kein Fan der sozialen Netzwerke, scherte sich nicht um die Fans. Die bei Liberty hingegen sind globale Sport-Medien-Experten, die sogar ihre eigenen Sport-Teams besitzen (zum Beispiel die Atlanta Braves in der NBA; Anm. d. Red.)."

Brown: Bernies Fehler sind unsere Chance

"Gewissermaßen ist es sogar gut, dass die Bernie-Vergangenheit dem Sport viel Erfolg vorenthalten hat. Denn jetzt ist der Durst da! Wenn wir an die Live-Events gehen oder wenn wir unsere Fahrer zu den Fans bringen, beginnen wir in vielerlei Hinsicht mit einem weißen Blatt Papier", sagt der McLaren-Boss.

"Wäre ich NASCAR, wüsste ich gar nicht, was ich besser machen soll." Zak Brown

Andere Sportarten, etwa die NFL (American Football), die Premier League (Englische Fußball-Liga) oder auch NASCAR sind da schon viel weiter. Während die Formel 1 noch damit kämpft, endlich einen eigenen Live-Streamingdienst an den Start zu bringen, bietet das Herrentennis schon lange kostenpflichtige Services an, mit denen fast jedes Spiel der ATP-Tour live gesehen werden kann. "Tennis TV" ist ein Riesenerfolg.

Aber: "Ich stehe lieber vor den Herausforderungen der Formel 1, wo wir mit Dingen anfangen, die noch nie gemacht wurden, als vor denen der NASCAR, die unheimlich gute Arbeit geleistet haben und jetzt in Schwierigkeiten geraten, ihre Fangemeinde noch weiter zu vergrößern. Wäre ich NASCAR, wüsste ich gar nicht, was ich besser machen soll. Aber ich habe viele Ansichten dazu, was die Formel 1 besser machen könnte."

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