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  • 28.07.2009 · 08:57

  • von Roman Wittemeier

Brundle: "Im Rennen zuvor wäre das nicht passiert"

Martin Brundle sieht die harte Bestrafung für Renault in direktem Zusammenhang mit den Unfällen von Felipe Massa und Henry Surtees

(Motorsport-Total.com) - Nach dem tödlichen Unfall von Henry Surtees im Formel-2-Rennen in Brands Hatch und dem schwerwiegenden Zwischenfall mit Felipe Massa in Ungarn, ist der Ruf nach mehr Sicherheit im Formelsport wieder lauter geworden. Surtess war beim Rennen am vorletzten Sonntag von einem Rad erschlagen worden, der Ferrari-Pilot wurde durch eine Metallfeder am Kopf verletzt, die sich zuvor am Auto von Rubens Barrichello gelöst hatte.

Martin Brundle

Ex-Rennfahrer Martin Brundle sorgt sich um die Sicherheit in der Formel 1

Zwei dramatische Unglücke im Formelsport mit zwei ähnlichen Abläufen. "Das ist die Duplizität der schlimmen Ereignisse", meint Ex-Formel-1-Pilot Martin Brundle. Der Brite in der 'BBC' weiter: "Ein solches Szenario hatten wir zuletzt im Mai 1994. Roland Ratzenberger und Aytron Senna kamen ums Leben, Karl Wendlinger und Rubens Barrichello hatten heftige Unfälle. Das alles passierte auch innerhalb von nur zwei Wochen."#w1#

Ein Formel-1-Auto mit Glaskuppel?

"In solchen Situationen fragt man sich immer, was wohl als nächstes passieren wird." Martin Brundle

"In solchen Situationen fragt man sich immer, was wohl als nächstes passieren wird", beschreibt Brundle. Die FIA hat nach den Unfällen der vergangenen Tage eine genaue Analyse in Auftrag gegeben. Man will möglicherweise neue Maßnahmen zum Schutz der Rennfahrer einführen. Der Ruf nach mehr Sicherheit sei nur logisch, meint Brundle: "Aber welchen Weg wird die FIA einschlagen?"

"Man könnte vor den Piloten ein klarsichtiges Schutzschild bauen, aber das würde bei der Bergung im Notfall stören. Man könnte auch eine Plexiglaskuppel bauen, aber auch das würde die Bergung erschweren. Mal angesehen davon, dass es extrem hässlich aussehen würde, gäbe es weitere Probleme. Wir haben jetzt schon Cockpittemperaturen von manchmal über 55 Grad. Man müsste also Klimaanlagen einbauen wie bei den Le-Mans-Prototypen. Die würden wieder Gewicht bringen und unzuverlässig sein", führt Brundle auf.

"Man muss auch bedenken, dass die Sichtverhältnisse heute schon sehr knifflig sind. Die Piloten sitzen extrem tief in ihren Autos. Will vielleicht jemand tatsächlich Scheibenwischer und Gebläse in der Formel 1? Man könnte sich vielleicht vorstellen, dass Schutzbleche im Notfall explosionsartig seitlich an den Cockpitwänden hochschießen", meint der heutige Fernsehkommentator. "Aber hätte Massa so etwas wirklich geschützt?"

Sicherheitsmaßnahmen sollen wohl bedacht sein

"Die Hersteller und Sponsoren wollen mit dem Tod nichts zu tun haben." Martin Brundle

Brundle meint: "Im heutigen Motorsport werden solche Unglücke nicht mehr toleriert. Die Hersteller und Sponsoren wollen mit dem Tod nichts zu tun haben. Sie verkaufen ihre Autos mit den Attributen Sicherheit und Leistung. Deswegen muss jetzt eine elegante Lösung her. Ich bin sicher, dass die Formel-1-Designer etwas finden werden. Aber die Forschung, Entwicklung und Anpassung wird einige Zeit dauern."

Der britische Ex-McLaren-Pilot warnt vor Schnellschüssen. Die Bestrafung von Renault sei ein solcher gewesen, so Brundle: "Das Team wäre für das gleiche Vergehen ein Rennen zuvor sicherlich nicht bestraft worden." Beim Fahrzeug von Fernando Alonso war beim Ungarn-Grand-Prix ein Rad offenbar nicht richtig fixiert, es flog auf die Fahrbahn. Renault wurde daraufhin mit einer Sperre für den kommenden Grand Prix in Valencia gesperrt.

Man solle die Diskussion um neue Sicherheitsmaßnahmen mit Ruhe und Bedacht angehen, mahnt Brundle. Es sei im Augenblick ohnehin viel wichtiger, dass Felipe Massa schnell wieder gesund werde: "Er ist einer der nettesten Fahrer, die ich jemals getroffen habe. Ich wünsche ihm nur das Allerbeste. Ich wünsche mir, dass er weder seine Fähigkeiten noch sein Selbstbewusstsein für die Ausübung seines Jobs hinter dem Lenkrad verloren hat."