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Binotto gesteht: Ferrari von schwacher Performance selbst "überrascht"

Die erste Saisonhälfte war für Ferrari eine Enttäuschung - Nach den Wintertests ging man bei der Scuderia davon aus, dass man "wenigstens so schnell" wie Mercedes sei

(Motorsport-Total.com) - Die Ferrari-Zahlen in der ersten Saisonhälfte 2019 sprechen eine klare und ernüchternde Sprache: kein Sieg, 150 Punkte Rückstand auf Mercedes und in der Fahrer-WM nur die Plätze vier und fünf. Alles andere als ein optimaler Start für Mattia Binotto, der Maurizio Arrivabene als Teamchef der Scuderia zu Beginn des Jahres abgelöst hat. Dabei waren die Hoffnungen nach den Wintertests noch groß.

Charles Leclerc

Charles Leclerc wartet weiter auf seinen ersten Sieg in der Formel 1 Zoom

"Wir waren von unserer schlechten Performance zu Beginn der Saison überrascht", gesteht Binotto. Man habe sich selbst nach den Tests in Barcelona zwar nicht zwingend vor Mercedes gesehen, "aber wenigstens so schnell wie sie", so Binotto. "Das war in Australien nicht der Fall", erinnert er an den enttäuschenden Saisonauftakt. In Bahrain sei es dann besser gewesen.

Im Schnitt sei Ferrari in der ersten Saisonhälfte allerdings zu langsam gewesen. Vor allem das Rennen in Spanien, bei dem man ein weiteres Mal chancenlos gegen die Silberpfeile war, sei "entmutigend" gewesen, nachdem man an gleicher Stelle bei den Wintertests noch starke Leistungen gezeigt hatte. Doch warum stellte sich die Situation beim GP in Barcelona komplett anders dar als bei den Tests?

Binotto vermutet, dass entweder Ferrari selbst im Winter "überperformt" oder aber Mercedes "unterperformt" habe. Den Grund dafür kenne er nicht, doch er erinnert daran, dass es am Grand-Prix-Wochenende eine "andere Situation" gewesen sei. Unter anderem änderten sich Wetter und Streckenbedingungen im Vergleich zum Test. Außerdem verändere sich die Hackordnung in diesem Jahr sowieso von Rennen zu Rennen.

Kein Fehler beim Konzept des SF90?

"Es ist ziemlich seltsam, dass einige Autos in gewissen Rennen sehr gut performen und andere nicht", grübelt Binotto. So habe auch Mercedes nicht in allen Rennen das schnellste Auto gehabt. "Es ist für alle Autos ein Auf und Ab", zuckt Binotto die Schultern. Es ist kein Geheimnis, dass dem SF90 im Vergleich zum Mercedes W10 und Red Bull RB15 vor allem Abtrieb fehlt.


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"Wenn ich ein Jahr zurückgehen könnte, dann würde ich mehr Fokus auf den Abtrieb legen", gesteht Binotto, der damals noch Technikchef der Scuderia war. "Diese Reifen brauchen mehr Abtrieb, um sie aufzuwärmen, damit sie funktionieren", weiß er mittlerweile. Das sei allerdings "keine Frage der Philosophie", wie er betont. "Kann man da von einem Konzept sprechen? Ich bin mir nicht sicher", so Binotto.

"Es ist ein Ziel, das jetzt jetzt klarer geworden ist", erklärt er. Mit anderen Worten: Binotto glaubt nicht, dass Ferrari beim SF90 grundsätzlich ein falsches Konzept gewählt hat. Man habe einfach die Prioritäten nicht richtig gesetzt. Zudem erinnert er: "Wir haben ein paar Möglichkeiten ausgelassen." Wenn man bis zur Sommerpause ein paar Rennen gewonnen hätte, "würde das Bild ganz anders aussehen."

Viele Siegchancen ausgelassen ...

Tatsächlich hatte Ferrari in der ersten Saisonhälfte mehrere Möglichkeiten, ganz oben auf dem Podium zu stehen. Gleich beim zweiten Rennen in Bahrain fuhr Leclerc dem Sieg entgegen, ehe er von einem Problem an seinem Motor eingebremst wurde. Zwei Rennen später in Baku ging der junge Monegasse als Favorit ins Qualifying, crashte dort allerdings.

Mattia Binotto

Mattia Binotto hatte keinen leichten Einstand als Ferrari-Teamchef Zoom

In Kanada überquerte Sebastian Vettel die Zielflagge als Erster, wurde wegen einer Zeitstrafe allerdings nur Zweiter hinter Lewis Hamilton. In Spielberg verlor Leclerc den Sieg erst in der Schlussphase an Max Verstappen, und auch in Hockenheim stand der 21-Jährige wieder im Fokus, als er auf nasser Piste abflog und damit eine weitere Chance auf einen Sieg vergab.

Dazu kamen Probleme mit der Technik und mit diversen Entscheidungen des Teams. Bereits zu Saisonbeginn kamen in diesem Zusammenhang Diskussionen darüber auf, Binotto könnte seiner neuen Aufgabe nicht gewachsen sein beziehungsweise sich übernommen haben. Denn einen Nachfolger als Technikchef ernannte er zunächst nicht. "Ich denke nicht, dass das die Ursache [für unsere Probleme] ist", winkt er jedoch ab.

Binotto hofft "mittel- bis langfristig" auf Erfolg

"Es stimmt, dass viele Probleme aufgetreten sind, die es nicht geben sollte", weiß er, stellt aber gleichzeitig klar: "Ich glaube nicht, dass sich irgendetwas im Vergleich zum Vorjahr geändert hat - oder zum Jahr davor." Außerdem erinnert er daran, dass die Zuverlässigkeit auch in den Vorjahren nie die größte Ferrari-Stärke gewesen sei. "Manchmal ist es eine Frage der Priorität", erklärt er.

"Man behebt die Probleme mit der Zuverlässigkeit nicht nur damit, in dem man die Probleme behebt, die man [aktuell] hat", so Binotto. Wie meint er das genau? Bereits nach Hockenheim erklärte er: "Es geht um unsere komplette Herangehensweise bezüglich der Qualitätskontrolle und der Entwicklung des Autos." Aktuell prüfe man daher, welche Schritte man unternehmen muss, um in Zukunft eine bessere Zuverlässigkeit zu erreichen.


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Zudem erinnert er daran, dass Ferrari aktuell noch ein "junges Team" sei, weil viele Personen ganz neu auf ihren Positionen seien. Dazu zählt auch er selbst. In dieser Hinsicht kann er den Schwierigkeiten der ersten Saisonhälfte sogar etwas Positives abgewinnen, denn durch solche Erfahrungen mache das Team "Fortschritte". Er erklärt: "Wir müssen ruhig bleiben, fokussiert und leidenschaftlich bleiben."

Das werde sich "mittel- bis langfristig" auszahlen. Und das Auto werde bereits jetzt besser, "was zeigt, dass das Team in der Lage ist, abzuliefern." Auf den nächsten Sieg seit Austin 2018 wartet Ferrari trotzdem weiterhin. Und das mittlerweile seit zehn Monaten ...

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