Nach vielen Seuchen-Monaten: Erster Saisonsieg für die "Iron Dames"

Das Damenteam Gatting/Bovy/Frey feiert bei der ELMS in Imola ihren ersten Saisonsieg - Gesamtsieg in Imola für Kubica und Co. durch nachträgliche Strafe

(Motorsport-Total.com) - Nach einem Jahr voller Pleiten, Pech und Pannen haben die "Iron Dames" Sarah Bovy, Michelle Gatting und Rahel Frey in diesem Jahr erstmals wieder einen Sieg eingefahren. Seit ihrem Sieg beim Finale der Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC) in Bahrain 2023 hatte das Damenteam Iron Lynx eine Pleitenserie hinter sich. (Ergebnis)

Titel-Bild zur News: Die "Iron Dames" Michelle Gatting, Rahel Frey und Sarah Bovy mussten lange auf ihren ersten Sieg 2024 warten

Die "Iron Dames" Michelle Gatting, Rahel Frey und Sarah Bovy mussten lange auf ihren ersten Sieg 2024 warten Zoom

Sei es in der ELMS mit einem bitteren Ausfall in Führung liegend in Barcelona und einem vierten Platz in Le Castellet nach Pole und Führung, einer durchwachsenen Saison in der WEC ohne Podiumsplatz, oder zwei Ausfällen in drei IMSA-Endurance-Rennen. In Le Mans musste Doriane Pin pausieren, nachdem sie sich bei einem Formelrennen die Rippen gebrochen hatte.

Höhepunkt der Negativserie war der schwere Unfall von Bovy in Watkins Glen, in dessen Folge die "Iron Dames" die 24 Stunden von Spa auslassen mussten, um der 35-Jährigen Zeit zur Genesung zu geben. Das hat sich jetzt ausgezahlt.

Denn bei den 4 Stunden Imola, dem dritten Lauf der europäischen Le-Mans-Serie (ELMS), platzte der Knoten. Der pinkfarbene Porsche 911 GT3 R (992) fuhr zum ersten Mal in dieser Saison einen Sieg ein. Anders als in den anderen Serien werden die "Iron Dames" in der ELMS von Proton Competition und nicht von Iron Lynx betreut, dementsprechend kommt ein Porsche und kein Lamborghini zum Einsatz.

Das Rennen war mehr als dramatisch, denn die Iron Dames hatten für ein Vergehen unter Full-Course-Yellow (FCY) eine Zehn-Sekunden-Strafe erhalten. Um dies zu kompensieren, verzichtete Proton beim letzten Boxenstopp auf einen Reifenwechsel, wodurch Michelle Gatting in Führung liegend wieder auf die Strecke ging.

Im letzten Stint musste sie sich dann gegen einen drängenden Valentin Hasse-Clot im Racing-Spirit-of-Leman-Aston-Martin #59 (Deboer/Stevenson/Hasse-Clot) wehren, der mit frischen Reifen enormen Druck ausübte. Überholen ist im Autodromo Enzo e Dino Ferrari bekanntlich äußerst schwierig.

Dennoch versuchte Hasse-Clot alles. Das Ergebnis war ein spektakuläres Duell, das die Zuschauer in Atem hielt. Es kam zu mehreren Berührungen, darunter eine haarsträubende Szene 23 Minuten vor Schluss, als sich beide Autos auf der Zielgeraden in einem ungünstigen Winkel berührten. Am Ende erlaubte sich Gatting keinen Fehler und überquerte die Ziellinie mit einem Vorsprung von 0,771 Sekunden.

Gesamtsieger stand erst nachträglich fest

"Im vergangenen Jahr kämpfte ich in Bahrain gegen einen ähnlichen Aston Martin, aber mit einem anderen Fahrer", erklärt sie. "Ich war im Rhythmus und eins mit dem Auto. Als wir uns auf der Geraden berührten, dachte ich, es sei vorbei, weil mein Auto auf die Boxenmauer zusteuerte."

Irgendwie gelang es ihr, den Boliden auf der Bremse abzufangen, was auch Hasse-Clot ausbremste. "Zum Glück habe ich es irgendwie gerettet und einen kühlen Kopf bewahrt. Das Erfolgserlebnis gibt uns enormen Auftrieb, den wir für die Saison dringend brauchen, denn es lief nicht so, wie wir uns das vorgestellt hatten. Das haben wir wirklich gebraucht."

Bovy fügt hinzu: "Ich bin heute sehr stolz auf das ganze Team. Es war ein wirklich schöner Kampf, den ich sehr genossen habe. Es ist das schönste Gefühl, so zu gewinnen. Das ist ein Rennen, auf das man stolz sein kann. Wir haben wieder einmal gezeigt, dass die Umstände keine Rolle spielen. Wir können vorne mitfahren, wenn wir unser Bestes geben. Wir haben dem Druck standgehalten."

Den Gesamtsieg sicherte sich der TF-Oreca #14 mit den Fahrern Jonny Edgar, Louis Deletraz und Robert Kubica. Sie profitierten allerdings von einer Strafe gegen den eigentlichen Sieger. Das war der Panis-Oreca #65 mit den Fahrern Manuel Maldonado, Arthur Leclerc und Charles Milesi.

Weil Charles Milesi nach Ansicht der Sportkommissare am Ende der letzten FCY zu früh beschleunigte, erhielt Panis Racing eine 35-Sekunden-Strafe, was einer Durchfahrtsstrafe entspricht. Dadurch fiel das Trio auf den fünften Platz zurück.

In der LMP3-Klasse siegte der Eurointernational-Ligier #11 von Matthew Richard Bell und Adam Ali. Das Wochenspiegel-Team, frisch vom Sieg beim Road-to-Le-Mans-Rennen angereist, wurde durch ungünstig fallende Safety-Car- und Full-Course-Yellow-Phasen auf den fünften Platz durchgereicht.

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