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Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat

Warum Redakteurin Julia Spacek meint, dass Bruno Spengler enttäuscht aus England abreist und er es verdient hätte, wieder einen Grund zum Jubeln zu haben

Bruno Spengler

Bruno Spengler: Wann geht es für ihn wieder bergauf? Zoom

Liebe DTM-Freunde,

DTM is coming home: Am Wochenende fand zum ersten Mal seit fünf Jahren wieder ein Rennen in Brands Hatch statt. Die Rückkehr nach Großbritannien stellte die Fahrer vor eine große Herausforderung: Denn zum ersten Mal in der Geschichte der deutschen Tourenwagenserie wurde auf dem 3,908 Kilometer langen Grand-Prix-Kurs gefahren. Für die meisten der 18 DTM-Piloten war die Langversion in Brands Hatch eine große Unbekannte. Bei den vorherigen Gastspielen in der Grafschaft Kent wurde auf dem kürzeren Indy-Kurs gefahren.

Die Tatsache, dass das Rennwochenende in Brands Hatch auf zwei Tage verkürzt und der Trainings-Freitag ganz gestrichen wurde, stellte alle Beteiligten vor eine weitere Probe. Zwei Freie Trainings, Qualifying und Rennen am Samstag innerhalb von nur fünf Stunden. Hop oder top. Entweder man hatte von Anfang das perfekte Auto und konnte am Ende um den Sieg mitfahren. Oder eben nicht. Aber dann war die Zeit zu knapp, um noch viel zu ändern und im Rennen halbwegs Schadensbegrenzung zu treiben.

Balance-Probleme bremsen Spengler ein

Einer, der mit hohen Erwartungen nach Brands Hatch reiste ist Bruno Spengler. Und das nicht ohne Grund: Drei Mal wurde er in den vorherigen Rennen südöstlich von London Zweiter. Bei allen sieben Rennen zwischen 2006 und 2013 war der Kanadier unter den Top 7 zu finden. Keine schlechte Ausgangslage.

Doch in diesem Jahr lief es alles andere als rund. In den Qualifyings wurde er jeweils Letzter und in den Rennen 17. und 14. Das hatte sich der sympathische BMW-Mann mit Sicherheit anders vorgestellt und deshalb dürfte er letzte Nacht auch nicht besonders gut geschlafen haben. Spengler ist einer der Fahrer, die mit dem langen Kurs zu kämpfen hatten und ihr Auto einfach nicht richtig zum Fahren bekommen haben.


Fotos: RBM-BMW, DTM in Brands Hatch


"Leider konnten wir die Probleme bei der Balance und beim Set-up nicht über Nacht lösen", bedauert der DTM-Champion von 2012. "Unter dem Strich war es für mich natürlich nicht das Wochenende, das ich mir erhofft hatte."

Insgesamt dürfte er sich die bisherige Saison anders vorgestellt haben. Wobei diese eigentlich ganz vielversprechend begann. Beim Auftakt in Hockenheim auf den Positionen sechs und acht war der 34-Jährige zwei Mal in den Punkten, genauso im ersten Rennen in der Lausitz. Danach hatte er einen kleinen Durchhänger, bis er am Norisring als Vierter sein aktuell bestes Saisonergebnis einfuhr.


DTM Zandvoort: Backstage mit Spengler

Bruno Spengler führt durch die BMW-Box Weitere DTM-Videos

In Zandvoort ging es dann wieder bergab: Die Plätze zwölf und 13 im Rennen, und damit wieder nicht in den Punkten. Derzeit liegt der Wahl-Schweizer auf dem elften Gesamtrang in der Fahrerwertung und hat 43 Punkte auf dem Konto. Damit ist er zwar der drittbeste BMW-Fahrer in der Tabelle, aber die Tatsache, dass DTM-Rookie Philipp Eng mehr Punkte gesammelt und schon zwei Mal auf dem Podium stand, dürfte ihm nicht gefallen. Auch wenn Spengler seinem Teamkollegen den Erfolg bestimmt gönnt.

Dabei hatte die Zusammenarbeit mit den Münchnern für Spengler nach seinem Wechsel von Mercedes 2012 so gut begonnen. Gleich im ersten Jahr der DTM-Rückkehr von BMW holte Spengler den Meistertitel. Im darauffolgenden Jahr wurde er Gesamtdritter. Doch dann lief für ihn im "schwarzen Biest" nicht mehr viel zusammen. 2015 der fünfte Gesamtrang in der Fahrerwertung, danach wurde er Gesamt-15. (2016) und Gesamt-13 (2017).

Formel E als Alternative zur DTM?

Im vergangenen Jahr gelang Spengler ein Achtungserfolg am Norisring: Er gewann das Rennen auf dem Stadtkurs in Nürnberg und holte für BMW den ersten Sieg seit 25 Jahren beim Heimrennen. In diesem Jahr konnte er diesen Erfolg nicht wiederholen, und auf sein erstes Podium 2018 wartet er leider immer noch.

Bruno Spengler

Bruno Spengler fährt in seiner 14. DTM-Saison Zoom

Eigentlich schade. Denn Spengler hätte es verdient, mal wieder zu jubeln. Auch bei ausbleibendem Erfolg hat er immer ein Lächeln im Gesicht und stellt sich geduldig den Fragen der Journalisten. Er wird auch nicht müde zu betonen, wie sehr er die DTM liebt und wie sehr ihm die Serie, in der er seit 13 Jahren unterwegs, am Herzen liegt. Auch wenn es momentan für ihn nicht läuft. Es wäre ihm sehr zu wünschen, dass er in diesem Jahr noch einen schönen Grund zur Freude hat.

Denn die Frage ist, wie lange Spengler noch in der deutschen Tourenwagenserie bleibt. Parallel zu seinem DTM-Programm testet und entwickelt er für BMW deren Formel-E-Auto. Zur Saison 2018/19 steigen die Münchner werksseitig in der Elektrorennserie ein. Er selbst äußerte bereits, dass er Gefallen an der vollelektrischen Serie gefunden hat und sich vorstellen könnte, dort zu fahren.

Wenn es die Kalender der DTM und Formel E zulassen und es keine Terminüberschneidungen gibt, wäre es auch denkbar, dass Spengler an beiden Serien teilnimmt. Die Frage ist allerdings, ob BMW dies möchte: Denn Spenglers Terminkalender wäre, zumindest bis zum Sommer, wenn die Formel E endet, ziemlich vollgepackt.

Andererseits sind auch viele andere BMW-Werksfahrer wie Philipp Eng und Augusto Farfus, die neben der DTM auch in verschiedenen GT-Rennen und der Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC) unterwegs sind, ziemlich viel auf Achse.

Egal wie Bruno Spenglers (nahe und ferne) Zukunft im Motorsport auch aussehen mag: Es ist ihm zu wünschen, dass er nach einigen harten und schwierigen Jahren wieder öfter einen Grund zum Jubeln hat. Vielleicht findet er in der Formel E sein neues Glück und kann sich dort wieder über Top-Resultate freuen. Aber auch in der DTM wäre ihm das sehr zu wünschen.

Ihre
Julia Spacek

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