Trotz Set-up-Transparenz: Mercedes-AMG rätselt über Schwankungen bei Teams

Luca Stolz war bei seiner Sachsenring-Pole um sechs Zehntel schneller als die Mercedes-AMG-Markenkollegen: Sind die Set-up-Daten auf dem Server korrekt?

(Motorsport-Total.com) - "Luca Stolz hat uns alle brutal vorgeführt", meinte Winward-Mercedes-Pilot Lucas Auer nach dem Sachsenring-Qualifying, als der HRT-Markenkollege bei seiner Pole-Runde um fast sechs Zehntel schneller war. Der Österreicher landete als zweitschnellster Mann der Marke mit dem Stern nur auf Platz 14. Aber wie sind diese großen Leistungsunterschiede möglich, obwohl Mercedes-AMG auf einen "One-Team-Approach" setzt?

Titel-Bild zur News: Luca Stolz, Lucas Auer

Seltener Anblick: Die Mercedes-AMG-Piloten in der DTM direkt hintereinander Zoom

"In der Vergangenheit war es immer unsere Stärke, dass unsere Autos eng beisammen lagen, aber dieses Jahr ist uns das bisher selten gelungen", rätselt auch DTM-Leiter Thomas Jäger im Gespräch mit Motorsport-Total.com.

Denn bei Mercedes-AMG müssen alle Set-ups nach den Sessions auf einen internen Server geladen werden, auf den alle Teams Zugriff haben, um eine möglichst große Leistungsdichte zu erreichen. Eine Transparenz, auf die kein anderer Hersteller so konsequent setzt.

"Unsere Teams versuchen dieses Jahr extremere Sachen"

Die internen Leistungsunterschiede fallen Jäger vor allem im Qualifying auf. "Man sieht, dass wir uns da dieses Jahr schwerer tun als andere Marken - und wir müssen uns mit den Teams verbessern, um mehr Konstanz reinzubringen", fordert er.

Denn wie wichtig das Qualifying ist, beweist die Statistik der DTM-Saison 2023: Bei neun von elf Rennen gewann der Pole-Setter auch das Rennen. Aber worauf führt es Jäger zurück, dass die Leistungsdichte dieses Jahr im Qualifying bei seiner Marke nicht gegeben ist?

"Eigentlich ist unser System mit dem Datenteilen und so weiter darauf ausgelegt, dass wir möglichst voneinander profitieren", erklärt der DTM-Sportdirektor von Mercedes-AMG, der die Ursache beim Wechsel der Rennserie von Michelin- auf Pirelli-Reifen ortet. "Einmal haben wir ein warmes, dann wieder ein kaltes Wochenende", holt er aus.

"Und die Teams haben noch nicht wie mit den Michelin-Reifen dieses System gefunden, um den Reifen perfekt zu nutzen. Deswegen versucht der eine oder andere auch extremere Sachen, mit denen du schneller danebenliegen kannst."

Eine Erklärung dafür, dass in Zandvoort Landgraf-Pilot Maro Engel dominant auftritt, dann Winward-Fahrer Lucas Auer einige Rennen lang die Oberhand hat und zuletzt auf dem Sachsenring HRT-Fahrer Luca Stolz für Furore sorgt. Aber spielen die Teams im Set-up-Poker trotz der vertraglichen Verpflichtung, die Set-ups zu teilen, wirklich mit offenen Karten?

Set-up-Daten korrekt? Mercedes-AMG sammelt erneut Autos ein

Offenbar ist man sich auch im Mercedes-AMG-Lager seiner Sache nicht ganz sicher, weshalb man nach dem Zandvoort-Wochenende bereits zum zweiten Mal in dieser Saison die Boliden von Stolz, Auer und Engel einsammelte und bei HWA überprüfte, ob die Set-up-Daten auf dem Server mit der Realität übereinstimmen.

"Wir machen das, weil wir die Verlässlichkeit brauchen", erklärt Jäger. "Anders ist es auch nicht möglich, die Teams weiterzubringen, weil wenn die Werte nicht korrelieren, dann kann keiner davon profitieren."

Aber stimmten die gemessenen Daten mit den Einträgen überein, die nach jeder Session auf dem Server vorgenommen werden? "Natürlich gab es Abweichungen", gibt Jäger zu. "Aber das waren Sachen wie zum Beispiel, dass in der Startaufstellung oder kurz vor dem Start nochmal ein Stabi-Klick gemacht wurde. Da geht es um einen halben Grad Sturz, also wirklich marginale Details. Und so soll es auch sein."

Er sehe darin "keinen Vorsatz. Wir arbeiten mit den Teams schon so lange zusammen und planen auch weiterhin eine gute Zusammenarbeit. Da ist Vertrauen essenziell." Und auch die Teams würden gerade diese Saison verstehen, dass das System "sinnvoll und wichtig" sei, "da jeder mal darauf angewiesen ist, vielleicht etwas vom anderen zu übernehmen, um wieder vorne dabei zu sein."

Kosten Leistungsschwankungen den Titel?

Abgesehen davon habe man auch bei den drei Motoren kaum Performance-Unterschiede gemessen, verrät Jäger nicht ohne Stolz: "Wir sind in einem Bereich von zwei PS, das ist super eng. Das ist für jeden anderen schwierig nachzumachen."

Tatsache ist aber, dass die Leistungsschwankungen der Fahrer und Teams Mercedes-AMG dieses Jahr vermutlich den Titel kosten werden, denn zwei Wochenenden vor Schluss ist nun Stolz, der einen katastrophalen Saisonauftakt hatte, als Fünfter bester Pilot der Marke mit dem Stern - mit 67 Punkten Rückstand.

Wie Jäger darüber denkt? "Es wäre natürlich schön, wenn die Meisterschaft möglichst zwischen mehreren Herstellern erst in Hockenheim entschieden werden könnte", sagt er. "Aber unterm Strich waren wir die letzten zwei Jahre super-erfolgreich. Das ist nicht immer möglich. Insofern muss man realistisch sein."

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