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  • 18.02.2008 · 14:45

  • von Britta Weddige

Schumacher: "Werde auch Prügel einstecken"

Ralf Schumacher fährt 2008 für Mercedes in der DTM, steckt sich realistische Ziele und sieht sich nicht als Nachfolger von Mika Häkkinen

(Motorsport-Total.com) - Jetzt ist es offiziell: Ralf Schumacher startet 2008 für Mercedes im Gebrauchtwagen in der DTM. Der 32-Jährige hat einen Einjahresvertrag mit einer beidseitigen Option auf Verlängerung bekommen. Über das Gehalt schweigen sich sowohl Schumacher als auch Mercedes aus, der prominente Neuzugang betont aber, dass er nicht wegen des Geldes in die DTM wechselt.

Ralf Schumacher

Ralf Schumacher hat sich für seine erste DTM-Saison realistische Ziele gesteckt

Schumacher sieht sich auch nicht als der neue DTM-Star, der in die Fußstapfen von Mika Häkkinen als Publikumsmagnet treten soll. "Das ist ja nicht die Absicht des ganzen", sagte Schumacher. "Ich nehme deshalb in der DTM teil, weil es einfach eine Herausforderung ist, die sicherlich nicht leicht werden wird und mit der ich mich auch Auseinandersetzen muss. Es war von keiner Seite die Intention, dass ich mitfahre, nur damit ein bekannter Name dabei ist. Ich wurde nicht verpflichtet, damit ich an die Stelle von Mika trete, das kann ich gar nicht und das will ich auch gar nicht."#w1#

Noch vor einem halben Jahr hatte Schumacher einen Wechsel in die DTM für sich ausgeschlossen, nun hat er seine Meinung geändert. "Ich habe mich vor einen halben Jahr noch nicht zu dem Thema geäußert, weil ich damals selbst noch nicht wusste, in welche Richtung es gehen soll und ich damals auch jegliche Diskussion vermeiden wollte", so der 32-Jährige. "Ich habe deshalb immer betont, dass ich auch 2008 in der Formel 1 fahren würde, weil ich diesen ganzen Fragen aus dem Weg gehen wollte."

Lehrling Schumacher fängt bei Null an

"Es wäre unfair, das als Abstieg oder ähnliches zu bezeichnen." Ralf Schumacher

Als Abstieg möchte der sechsmalige Grand-Prix-Sieger seine neue Aufgabe nicht sehen: "Es wäre unfair, das als Abstieg oder ähnliches zu bezeichnen. Die DTM ist eine eigenständige und sehr interessante Rennserie. Natürlich ist die Formel 1 das Toplevel im Motorsport, aber die DTM ist das in ihrer Klasse genauso, von daher wäre es nicht fair, das einen Abstieg zu nennen."

Für seine Debütsaison in der 2007er-C-Klasse setzt sich Schumacher realistische Ziele. "Ich bin ganz einfach so ehrlich zu sagen, dass es gar nicht möglich wäre, gleich auf Siege zu fahren. Das ist ein so komplett anderes Thema und ich muss sowieso erst einmal schauen, dass ich im 'Gebrauchtwagen' mit den vergleichbaren Konkurrenten gut klar komme", sagte er. "Das wird sicherlich schwierig und ich mag auch die einen oder anderen Prügel einstecken. Ich muss mich da einfach reindenken, ich muss das lernen. Ich fange da von Null an, es sind neue Rennstrecken, eine komplett neue Umgebung, ein ganz anderes Fahren und da möchte ich mir selbst Zeit lassen. Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen und da stehe ich auch dazu." Er stelle sich zumindest mal darauf ein, dass er im hinteren Teil des Feldes seine DTM-Karriere beginnt, fuhr der 32-Jährige fort.

Debüt ohne Stress und Druck

"Einfach reinzukommen und zu sagen 'Hallo, ich bin der Ex-Formel-1-Fahrer und ich zeige es euch allen', das wird nicht funktionieren." Ralf Schumacher

Deshalb will Schumacher auch gar nicht in einem Neuwagen an den Start gehen: Es ist ja wie in der Formel 1, ich habe ja auch nicht in der Formel 1 angefangen, sondern in kleineren Klassen. Und in der DTM einfach reinzukommen und zu sagen 'Hallo, ich bin der Ex-Formel-1-Fahrer und ich zeige es euch allen', das wird nicht funktionieren. Ich möchte mich weder dem internen noch dem öffentlichen Druck stellen, sondern mir einfach selbst Zeit geben, die Rennstrecken, das Team und die Autos kennen zulernen und das kann man sicherlich auf einem Gebrauchtwagen wesentlich besser und auch stress- und druckfreier, ganz klar."

'Motorsport-Total.com' wollte von Schumacher wissen, wie sehr er sich bei den Testfahrten schon an die C-Klasse gewöhnen konnte und woran er noch arbeiten muss. "Ich fange so langsam an, mich wohler zu fühlen, aber es sind zum Schnellfahren ganz andere Merkmale gefragt, daran muss man sich gewöhnen", erklärte er. "Man muss zum Beispiel das Auto fühlen können auf einer schnellen Runde. Also da ist sicherlich noch einiges zu tun, aber wir haben ja noch den einen oder anderen Test. Da hoffe ich, dass ich noch was machen kann."

DTM ganz anders als die Formel 1

"Es ist eine ganz andere Art von Rennfahren", verglich er die DTM mit seinem bisherigen Arbeitsbereich Formel 1. "Man muss mit dem Auto klar kommen, sich auf das Auto einstellen, ein bisschen etwas an der Abstimmung verändern aber dann einfach Gas geben." Einer der Unterschiede ist das Bremsen: "Das war sicherlich ein Thema und ist es teilweise noch. Denn man sieht die Räder nicht, es ist schwerer abzuschätzen. Das höhere Gewicht mit der niedrigeren Leistung sorgt außerdem dafür, dass man runder fahren kann und teilweise auch eine andere Linie wählt - das finde ich sehr ungewohnt. Man muss das DTM-Auto wesentlich präziser fahren als einen Formel 1."

"Man muss das DTM-Auto wesentlich präziser fahren als einen Formel 1." Ralf Schumacher

"Es ist für mich eine tolle Möglichkeit, in einer kompetitiven Rennserie Motorsport zu betreiben, eine andere Art von Motorsport, aber auch eine sehr schöne, eine etwas mehr familiäre Art Motorsport, die man einfach genießen kann", so "Schumi II". "Ich kann mich mit exzellenten Rennfahrern auf eben jetzt einem anderen Renngerät messen. Das mache ich sehr gern, das habe ich die letzten Jahre gern gemacht und das möchte ich einfach die nächsten Jahre auch noch machen."

Haben Schumachers doch das nötige Talent?

"Ich werde mich schon auf den Hosenboden setzen müssen, wie jeder andere auch." Ralf Schumacher

Und was sagt er dazu, dass ihm sein Bruder Michael von der DTM abgeraten haben soll, weil "die Schumachers kein Talent dafür hätten"? "Es ist ja eine Aufwertung für die Serie, wenn er als siebenmaliger Formel-1-Weltmeister selbst zugibt, dass er nicht gut genug dafür wäre", erklärte "Schumi II" schmunzelnd. "Ich muss ihm sicherlich recht geben, dass es ganz klar eine Herausforderung ist. Ich sehe nur keinen Grund, warum ich mich der Herausforderung nicht stellen sollte. Ich mache das gern, es macht mir Spaß, wir haben zwei Testfahrten gemacht und es lief ganz okay. Aber klar, ich werde mich schon auf den Hosenboden setzen müssen, wie jeder andere auch. Aber wenn man es nicht probiert, dann kann man es nicht herausfinden."

Weitere neue Erfahrung: Die DTM ist ein Teamsport und damit etwas anderes als die Formel 1, wo man meistens nur für sich fährt. "Gerade in meinem Fall ist das eher positiv", erklärte Schumacher dazu. "Denn ich habe natürlich viel zu lernen und kann auch von vielen Leuten profitieren. Aber man kämpft nur bis zu einem gewissen Punkt miteinander, aber sobald die Ampel auf Grün geht, fährt ja jeder sein Rennen, und da unterscheidet es sich dann wiederum überhaupt nicht zur Formel 1."

Vorfreude auf Fannähe

Die Fannähe in der DTM wird für Schumacher ebenfalls eine neue Erfahrung sein. Anders als im hermetisch abgeriegelten Formel-1-Fahrerlager wird gerade er künftig von allen Seiten bestürmt werden, sobald er einen Fuß aus dem Motorhome setzt. "Zum einen ist die Nähe zum Fan schön, aber zum anderen kann es auch stressig werden, wenn man es eilig hat", sagte er. "Aber das werde ich wohl lernen. Ich selbst freue mich im Moment darauf und alles andere wird sich ergeben."

"Es hat nie ein Gespräch stattgefunden, ich konnte immer nur viel lesen." Ralf Schumacher

Spekulationen, dass er zunächst auch mit Audi in Kontakt stand, hat Schumacher heute zurückgewiesen. "Nein, ich habe bei Audi gar nicht nachgefragt. Es hat nie ein Gespräch stattgefunden, ich konnte immer nur viel lesen", sagte er. "Fakt ist, dass Norbert Haug und ich uns schon seit Jahren über das Thema unterhalten haben und kurz vor Weihnachten haben wir uns zusammentelefoniert und haben gesagt 'Gut, versuchen wir es mal'."

Dass sein Ruf nach den letzten drei Jahren bei Toyota nicht unbedingt der beste ist, gibt Schumacher unumwunden zu. Er sieht deshalb in der DTM auch zu gewissen Teilen eine Chance, vor ausverkauften Häusern zu beweisen, dass er mehr kann, als er zuletzt gezeigt hat. Und sollte sich plötzlich die Möglichkeit ergeben, dass Schumacher zurückkehren kann in die Formel 1, würde ihn Mercedes auch ziehen lassen.

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