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Norisring stellt klar: DTM-Rennen ohne Zuschauer 2021 "nicht umsetzbar"

Wieso dieses Jahr auf dem Norisring im Gegensatz zum Vorjahr ein "Geisterrennen" nicht machbar wäre und wieso Zuschauer auch aus politischer Sicht wichtig wären

(Motorsport-Total.com) - Was passiert nach der Absage des DTM-Saisonauftakts in St. Petersburg mit dem einzigen Stadtrennen im Kalender, dem Saison-Highlight auf dem Norisring in Nürnberg? Muss der Klassiker wegen der Coronavirus-Krise wie schon 2020 abgesagt werden? Eine Frage, die laut Veranstalter MCN (Motorsport Club Nürnberg) davon abhängen wird, ob am 3. und 4. Juli Zuschauer erlaubt sein werden.

Nico Müller

Im Jahr 2019 fand der Klassiker auf dem Norisring zum bislang letzten Mal statt Zoom

"Ohne Zuschauer ist das nicht umsetzbar, denn wo soll das Geld herkommen?", fragt Wolfgang Schlosser, der als Vorstandsvorsitzender des MCN agiert, im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com'. Das sei auf die Kosten der Veranstaltung in Höhe von 1,6 bis 1,8 Millionen Euro zurückzuführen - je nachdem, ob man das volle Tribünenkontingent ausschöpft oder nicht.

Interessant: Im Vorjahr kämpfte der MCN nach dem Zuschauerverbot eine Zeitlang sogar um ein Rennen vor leeren Rängen, ehe man den Plan verwerfen musste, weil die Stadt Nürnberg unmittelbar nach der Kalenderpräsentation keine Genehmigung erteilte.

Warum "Geisterrennen" dieses Jahr keine Option ist

Ein entsprechendes Szenario ist dieses Jahr laut Informationen von 'Motorsport-Total.com' wegen des Ausstiegs von Audi und BMW als Mitglieder der DTM-Dachorganisation ITR unrealistisch. Denn damals gab es den Plan, dass die Hersteller und die Seriensponsoren mehrere 100.000 Euro locker machen, um das entstehende Loch in der Kasse zu stopfen.

Dazu kommt, dass der Zugang für Zuschauer auch politisch als Rechtfertigung für das Rennen von Bedeutung ist. "Wir sind keine permanente Rennstrecke", erklärt Schlosser. "Und ich brauche grünes Licht von der Stadt Nürnberg, denn ich muss diese Sondergenehmigung jedes Jahr aufs Neue beantragen, damit wir die öffentlichen Straßen nutzen dürfen."

Um diese zu erhalten, müsse man den Mehrwert für die Stadt begründen: "Es soll ja ähnlich wie ein Volksfest eine Veranstaltung für alle in der Stadt sein. Und wenn dann kaum Menschen daraus einen Nutzen ziehen, wird es schwierig."

"Wie weit es sich wirtschaftlich trägt, ist andere Frage"

Das habe auch damit zu tun, dass sich die Rennstrecke, die jedes Jahr von vielen Freiwilligen mit viel Herzblut aus dem Boden gestampft wird, mitten in einem Erholungsgebiet befindet. "Das Gelände da draußen muss für zehn, zwölf Tage abgesperrt werden", erklärt Schlosser. "Und das Gebiet rund um die Rennstrecke beim Dutzendteich ist die grüne Lunge von Nürnberg. Da bewegen sich unglaublich viele Menschen, um sich zu erholen."

Insgesamt bietet die Anlage am ehemaligen Reichsparteitagsgelände 50.000 bis 55.000 Zuschauern Platz, 15.000 davon auf den Tribünen. Wäre es vorstellbar, wegen möglicher Auflagen eine begrenzte Zuschaueranzahl zu erlauben?

"Vorstellbar ist vieles", antwortet Schlosser. "Wie weit es sich dann auch wirtschaftlich trägt, ist eine andere Frage. Die ganze Infrastruktur muss ja erst geschaffen werden, das Gelände muss eingezäunt werden. Ob ich dann 200 oder 300 Toiletten aufstelle, ist dann egal."

Dürfen nur geimpfte Zuschauer teilnehmen?

Immer wieder wird derzeit auch diskutiert, dass Veranstaltungen nur besucht werden dürfen, wenn man gegen das Coronavirus geimpft ist. "Darüber haben wir uns vor Kurzem vereinsintern unterhalten", gibt Schlosser zu. Diesbezüglich gibt es für ihn aber noch viele Unklarheiten.

"Ich frage mich, ob diese Zweiklassengesellschaft wirklich kommt", sagt er. "Bei Flugreisen kann ich es mir vorstellen, aber gilt das auch für Restaurantbesuche? Und wie sieht es mit dem Fußballstadion aus? Wenn das an der Rennstrecke kommt, dann muss es dort auch gemacht werden. Außerdem wissen wir nicht mal, wann jeder geimpft werden kann."

Und auch die Frage, ob die DTM genügend Starter zusammenbekommt, um als GT3-Meisterschaft weiter zu bestehen, ist aktuell noch unklar, denn derzeit sind zehn Autos bestätigt. "Ich bin da optimistisch", sagt Schlosser, der den Wechsel auf GT3-Autos begrüßt.

"Ich als Motorsportfreak finde es schön, dass man jetzt verschiedene Marken sieht, während die Class-1-Autos einander sehr ähnlich waren", sagt er. "Ich freue mich schon darauf, wenn ein R8 gegen einen Porsche oder einen Ferrari fährt. Ich fand auch die Präsentation in Hockenheim toll. Wir würden uns sehr freuen, wenn alles klappt."

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