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Millionenverlust bei Aston-Martin-Projekt in der DTM: HWA fordert Schadenersatz

HWA belastet Ex-Partner R-Motorsport im Aston-Martin-Streit: Wieso das DTM-Jahr zum Verlustgeschäft wurde und ein zweistelliger Millionenbetrag in der Kasse fehlt

(Motorsport-Total.com) - HWA-Vorstand Ulrich Fritz ließ im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com' bereits anklingen, dass es Ungereimtheiten bei der Finanzierung des DTM-Projekts von Aston Martin gab. Nun legt das Unternehmen aus Affalterbach gegen Ex-DTM-Partner R-Motorsport nach - in Form einer Ad-Hoc-Meldung, wie sie bei potenziell den Börsenkurs beeinflussenden Ereignissen gemacht werden muss.

R-Motorsport, Aston Martin

Das Aston-Martin-Projekt endete für HWA mit einem Verlustgeschäft Zoom

Darin fordert HWA vom Schweizer Ex-Partner Schadenersatz, weil der Kostenaufwand "nach aktuellem Stand von den Partnern in der DTM nicht kompensiert wird". Der dadurch entstandene Verlust, den HWA alleine trage, mache "einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag aus", heißt es weiter. Eine enorme Summe, wenn man bedenkt, dass das Jahresbudget des Projekts laut R-Motorsport-Teamchef Florian Kamelger 20 Millionen Euro betragen habe.

Zum Verständnis: Aston-Martin-Lizenznehmer R-Motorsport hatte sich vor der Saison 2019 dazu entschlossen, Auto und Motor von Ex-Mercedes-Partner HWA konstruieren zu lassen. Auch das Einsatzteam wurde vom Unternehmen von Hans Werner Aufrecht gestellt. Aus diesem Grund gründete man gemeinsam mit der R-Motorsport-Dachfirma AF Racing ein Joint-Venture namens Vynamic.

HWA rechnete mit langfristigem Projekt

Schon im Laufe der vergangenen Saison hatten aber neben des sportlichen Misserfolgs Gerüchte die Runde gemacht, dass R-Motorsport seine Rechnungen an HWA nicht bezahle. Kamelger wollte davon nichts wissen und meinte nach dem DTM-Ausstieg, das Projekt sei "solide finanziert" gewesen, während sich HWA-Vorstand Fritz zu den Gerüchten "nicht im Detail äußern" wollte.

Florian Kamelger

Streit nach DTM-Ausstieg: Florian Kamelger und HWA sind sich nicht einig Zoom

Die aktuelle Meldung zeigt aber zumindest, dass aus Sicht von HWA eindeutig ein Ungleichgewicht über die Deckung der entstandenen Kosten vorherrscht. Und man den Schweizer Partner AF Racing, der im Besitz von Kamelger steht, dafür verantwortlich macht.

"Das Projekt war auf eine längere Zeit angelegt, wurde aber nach nur einer Saison beendet", meinte HWA-Vorstand Fritz. "Und natürlich muss man sich dann genau anschauen, wie der Aufwand zwischen den Parteien verteilt war. Und der muss in irgendeiner Form kompensiert werden."

HWA erwartet neun Millionen Euro Verlust

Auch wenn HWA Schadenersatz fordert und eine Rechtsanwaltskanzlei eingeschaltet hat, die den Fall juristisch betreut, wolle man es nicht auf einen Rechtsstreit ankommen lassen. "Wir sind daran interessiert, uns außergerichtlich zu einigen", stellte Fritz klar.

Fakt ist aber, dass sich das DTM-Projekt negativ auf die Jahresbilanz von HWA ausgewirkt hat. Man werde "nach vorläufigen Zahlen das Ergebnisziel für das Jahr 2019 deutlich verfehlen", heißt es in der Ad-Hoc-Meldung.

Man spricht von "erheblichen Konsequenzen auf der Ertragsseite" und erwartet im Gegensatz zum angepeilten positiven Ergebnis für das Jahr 2019 einen Verlust von circa neun Millionen Euro. Dabei handelt es sich um eine sogenannte Gewinnwarnung, zu der es kommt, wenn der Gewinn geringer ausfällt als erwartet.

Durch den Wegfall des DTM-Projekts rechnet man 2020 zwar mit einer erheblichen Kostenentlastung, aber auch mit einem Umsatzrückgang von 113 auf 90 Millionen Euro. Auch ohne DTM ist HWA immer noch in der Formel 2 und in der Formel 3 am Start, zudem ist man Teil des Formel-E-Projekts von Mercedes.

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