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DTM-Test Lausitzring 2: Red-Bull-Ferrari jagt Mercedes, BoP-Poker voll im Gange

Vorletzter DTM-Testtag vor dem Saisonstart: Wie der mit Spannung erwartete BoP-Run lief und wie Alex Albon und Liam Lawson Mercedes-AMG Konkurrenz machen

(Motorsport-Total.com) - Vierter offizieller DTM-Testtag in dieser Saison - und die vierte Mercedes-AMG-Bestzeit: HRT-Pilot Maximilian Götz, der schon am Dienstag voran war, umrundete die Grand-Prix-Streckenvariante des Lausitzring in 1:43.311 und darf sich damit über seine dritte Tages-Bestzeit freuen. "Wieder ein sehr guter Testtag mit der schnellsten Zeit", sagt Götz. "Wir haben unser Programm durchgezogen, das Auto fühlt sich wirklich gut an."

Alexander Albon

Alex Albon kommt im Alpha-Tauri-Ferrari immer besser zurecht Zoom

Von einer Mercedes-AMG-Dominanz kann man aber am Mittwoch nicht sprechen: Bei Sonnenschein, böigem Wind und Temperaturen an die 13 Grad fuhr Ex-Formel-1-Pilot Alex Albon im AF-Corse-Ferrari im Alpha-Tauri-Design die zweitbeste Zeit. Dem Thailänder fehlten am Ende 0,157 Sekunden auf Götz. Damit lag Albon in der Vormittags-Session sogar an der Spitze.

Aber auch sein Teamkollege Liam Lawson zeigte bei seiner Premiere in der Lausitz mit Platz drei auf Anhieb seinen Speed. Dem Neuseeländer fehlten am Ende 0,340 Sekunden auf den schnellsten Mercedes-AMG GT3 des Teams von Hubert Haupt.

Lawson Dritter nach schwieriger Anreise

Dabei war es für den Red-Bull-Junior eine Herausforderung, überhaupt am Test teilzunehmen: "Ich hatte große Schwierigkeiten, hierher zu kommen - wegen der Reiseeinschränkungen", offenbart Lawson, der neben der DTM auch in der Formel 2 an den Start geht. "Die beiden Autos fahren sich sehr unterschiedlich. Ich habe bereits hin und her gewechselt und habe daher eine Idee, wie ich mich vorbereiten muss. Das wird das Wichtigste sein."

Hinter den beiden Ferrari 488 GT3 Evo folgt die Mercedes-AMG-Phalanx: Die Windward-Teamkollegen Philip Ellis und Lucas Auer kamen auf die Plätze vier und fünf, dahinter folgen Götz-Teamkollege Vincent Abril und GetSpeeds Rookie Arjun Maini, ehe mit Mike Rockenfeller der beste Audi-Pilot folgt.

Wie in Hockenheim: Audi mit Set-up für wenig Abtrieb?

Der Abt-Audi-Pilot, der den gesamten Tag bestritt und den R8 LMS am Donnerstag an seinen Teamkollegen Kelvin van der Linde übergibt, war um 0,641 Sekunden langsamer als Bestzeithalter Götz. Auffällig ist aber, dass die Audis wie schon in Hockenheim auf den Geraden pfeilschnell sind, aber in den Kurven viel Zeit auf die Mercedes verlieren, was auf ein ungünstiges Set-up zurückzuführen sein könnte.

"Heute war ein guter Tag", zieht Rockenfeller, der mit 91 Runden am fleißigsten war und auch zwei Longruns bestritt, eine positive Bilanz. "Ich bin sehr viel zum Fahren gekommen, und es hat Spaß gemacht, viel über das Auto und über die Reifen zu lernen. Man merkt, dass das Auto und ich besser werden. Wir verstehen immer mehr."


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Das Feld sei "sehr dicht beisammen", sagt Rockenfeller. "Ich erwarte einen engen Kampf dieses Jahr." Respektabstand hatte einmal mehr BMW: Walkenhorst-Pilot Marco Wittmann war mit 1,509 Sekunden Rückstand der schnellste Pilot in einem M6 GT3.

Das sieht nach Handlungsbedarf bei der Balance of Performance (BoP) aus. Doch die Zeiten sind mit Vorsicht zu genießen, da die Teams im Vorfeld der Saison versuchen, die Einstufung zu beeinflussen. Aus diesem Grund führte die für die BoP zuständige AVL, die aktuell auf eine Test-BoP setzt, heute kurz vor der Mittagspause um 13:00 Uhr einen mit Spannung erwarteten BoP-Run durch.

BoP-Run: Warum vier Mercedes in der Garage blieben

Alles, was ich sagen kann, ist dass die Jungs alles dafür tun, damit alle die gleichen Möglichkeiten haben", spricht Bestzeit-Halter Götz den BoP-Verantwortlichen ein Lob aus. Beim BoP-Run mussten die Teams ihre Fahrzeuge mit 30 Kilogramm Sprit und frischen Reifen auf die Strecke schicken, um unter gleichen Bedingungen ein 20-minütiges Qualifying zu simulieren. Die schnellste Rundenzeit fuhr dabei Lucas Auer im Winward-Mercedes mit 1:43.597.

Der Österreicher war dabei um nur 21 Tausendstel schneller als Ferrari-Pilot Albon. Durch Müllers dritten Platz mit 0,218 Sekunden Rückstand landeten drei unterschiedliche Marken auf den ersten drei Plätzen. BMW hatte - ähnlich wie im Gesamtklassement - ganze 1,519 Sekunden Rückstand.


DTM-Test auf dem Lausitzring

Auffällig war, dass gleich vier Mercedes-Boliden beim BoP-Run in der Garage blieben. Das hat damit zu tun, dass von jeder Marke nur zwei von der DTM-Dachorganisation ITR bestimmte Autos und alle Boliden mit dem Space-Drive-System von Schaeffler-Paravan eingesetzt werden mussten. Nach dem BoP-Run, bei dem es übrigens einmal kurz nieselte, wurde die Boliden in den Parc Ferme geschoben und von der AVL untersucht.

Berger: "Niemand deckt aktuell die Karten auf"

Wie DTM-Boss Gerhard Berger den aktuellen BoP-Poker einschätzt? "Wenn ich mit den unterschiedlichen Teams spreche, dann fällt mir auf, dass sich niemand beschwert", sagt der Österreicher. "Das beweist, dass niemand die Karten aufdeckt. Wenn es eine BoP gibt, dann erwartet man, dass alle auf einen zukommen und sich beschweren, dass es nicht fair ist. Aber aktuell sind alle still. Wir sollten die Zeiten also nicht zu ernst nehmen."


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Für einige Piloten ist der Test nach zwei von drei Tagen bereits vorbei: Rosberg-Audi-Pilot Nico Müller und Mücke-Mercedes-Fahrer Gary Paffett, reisen in ihrer Funktion als Dragon-Einsatzfahrer und Mercedes-Berater nach Monaco zur Formel E, wo dieses Wochenende gefahren wird.

Die BMW-Teams Rowe und Walkenhorst - und somit Glock und Wittmann - werden am Donnerstag ebenfalls nicht mehr vor Ort sein, weil sie zur technischen Abnahme am Nürburgring müssen. Dort findet am Sonntag das Qualirennen für den 24-Stunden-Klassiker statt.

Das betrifft übrigens auch die Mercedes-AMG-Teams von Hubert Haupt und GetSpeed, doch die beiden Rennställe werden im Gegensatz zu den BMW-Teams auch den dritten und letzten offiziellen Testtag vor dem Saisonauftakt in 45 Tagen in Monza absolvieren.

Auch am Donnerstag wird übrigens kurz vor der Mittagspause ein BoP-Run über die Bühne gehen. Dann allerdings ohne Teilnahme der einzigen zwei BMW-Boliden.

Mittwoch-Ergebnis des DTM-Tests auf dem Lausitzring (ohne BoP-Runs)
1. Maximilian Götz (HRT-Mercedes) 1:43.311 (81 Rd.)
2. Alex Albon (AF-Corse-Ferrari) 1:43.468 (58)
3. Liam Lawson (AF-Corse-Ferrari) 1:43.651 (64)
4. Philip Ellis (Winward-Mercedes) 1:43.660 (54)
5. Lucas Auer (Winward-Mercedes) 1:43.667 (52)
6. Vincent Abril (HRT-Mercedes) 1:43.779 (79)
7. Arjun Maini (GetSpeed-Mercedes) 1:43.816 (86)
8. Mike Rockenfeller (Abt-Audi) 1:43.952 (91)
9. Nico Müller (Rosberg-Audi) 1:44.000 (80)
10. Gary Paffett (Mücke-Mercedes) 1:44.098 (84)
11. Daniel Juncadella (GruppeM-Mercedes) 1:44.178 (56)
12. Marco Wittmann (Walkenhorst-BMW) 1:44.820 (89)
13. Dev Gore (Rosberg-Audi) 1:44.857 (82)
14. Timo Glock (Rowe-BMW) 1:44.946 (71)
15. Sophia Flörsch (Abt-Audi) 1:45.164 (79)

Ergebnis des BoP-Runs am Mittwoch
1. Lucas Auer (Winward-Mercedes) 1:43.597 (7 Rd.)
2. Alex Albon (AF-Corse-Ferrari) 1:43.618 (9)
3. Nico Müller (Rosberg-Audi) 1:43.815 (6)
4. Maximilian Götz (HRT-Mercedes) 1:44.008 (7)
5. Gary Paffett (Mücke-Mercedes) 1:44.022 (8)
6. Liam Lawson (AF-Corse-Ferrari) 1:44.557 (8)
7. Sophia Flörsch (Abt-Audi) 1:44.558 (7)
8. Marco Wittmann (Walkenhorst-BMW) 1:44.594 (7)
9. Mike Rockenfeller (Abt-Audi) 1:44.753 (6)
10. Timo Glock (Rowe-BMW) 1:46.190 (5)

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