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Mosport: Graf und Luhr feiern zweiten Saisonsieg

Das ALMS-Rennen im kanadischen Mosport fand in Lucas Luhr und Klaus Graf die erwarteten Sieger - Jan Magnussen und Oliver Gavin erben den Sieg in der GT-Klasse

(Motorsport-Total.com) - Der vierte Saisonlauf der American-Le-Mans-Series (ALMS) im kanadischen Mosport bot alles, was Rennsportherz begehrt: Packende Positionskämpfe, mehrere Führungswechsel, spektakuläre Überholmanöver, Durchfahrtsstrafen und sogar eine Safety-Car-Phase, welche die Reihenfolge zwischenzeitlich mächtig durcheinanderwirbelte. Doch am Ende setzte sich mit Klaus Graf und Lucas Luhr das Duo durch, das bereits das gesamte Wochenende nach Belieben dominiert hatte.

Lucas Luhr

Lucas Luhr und Klaus Graf wurden ihrer Favoritenrolle in Mosport gerecht

Luhr, der im Cytosport-Lola-AMR den Start fuhr, zog von der Pole-Position in unwiderstehlicher Manier vom Rest des Feldes weg und lag nach der ersten halben Stunde des zwei Stunden 45 Minuten langen Rennens bereits mit einem Vorsprung von 54 Sekunden in Führung. Die beiden Dyson-Lola-Mazdas auf den Plätzen zwei und drei schafften es nicht, Anschluss zum Spitzenreiter zu halten.

In der GT-Klasse verlief die Anfangsphase des Rennens wesentlich turbulenter. Jörg Bergmeister im Flying-Lizard-Porsche überrumpelte beim fliegenden Start Bill Auberlen im zweitplatzierten BMW M3 GT des BMW Team RLL. Dieses Manöver war nicht ganz sauber, begann es doch bereits vor dem Schwenken der grünen Flagge. Die Rennleitung schritt allerdings nichts ein, sodass sich Bergmeister anschließend rundenlang gegen die wütenden Angriffe Auberlens verteidigen musste.

Unterdessen setzte sich der von Joey Hand pilotierte BMW M3 GT an der Spitze des GT-Klassements etwas ab. Als nach etwa 40 Minuten Chris McCurry im LMP1-Lola mit der Startnummer 12 beim Überrunden mit Johannes van Overbeck im Ferrari F458 Italia kollidierte, schickte die Rennleitung das Safety-Car auf die Strecke - und das dicke Zeitpolster von Luhr schrumpfte zusammen.

Safety-Car wirbelt Reihenfolge durcheinander

Oliver Gavin, Jan Magnussen

Oliver Gavin und Jan Magnussen siegten mit der Corvette in der GT-Klasse Zoom

Nachdem das gesamte Feld hinter dem Führungsfahrzeug eingesammelt war, wurde die Boxengasse geöffnet und fast alle Teams hielten zum ersten Reifenwechsel an. Nur Luhr blieb zur Überraschung aller auf der Strecke. Offenbar hatte der 32-Jährige die Boxeneinfahrt just in dem Moment passiert, als sie gerade geöffnet wurde. Der Cytosport-Pilot bog erst zwei Runden nach dem Dyson-Duo zum Service ab und fiel dadurch auf den dritten Rang zurück.

"So etwas ist mir noch nie passiert", klagte Luhr anschließend. "Ich war wirklich sauer auf die Rennleitung, dass sie die Box erst geöffnet haben, nachdem ich an der Einfahrt vorbeigefahren war. Die Gesamtführung auf diese Art zu verlieren, war echt bitter. Danach habe ich einfach nur Vollgas gegeben." Tatsächlich sollte es bis zur Halbzeit des Rennens dauern, bis Luhr die Führung von Chris Dyson zurückerobert hatte.


Fotos: ALMS in Mosport


Die Safety-Car-Phase stellte auch die Reihenfolge in der GT-Kategorie auf den Kopf. Der führende BMW mit der Startnummer 56 stand beim Reifenwechsel deutlich länger als die unmittelbare Konkurrenz, wodurch Bergmeister im Porsche 911 GT3 RSR die Führung übernehmen konnte. Auberlen folgte dem roten Porsche wie ein Schatten, während Hand als Achter wieder auf die Strecke einbog und aufgrund einer Berührung mit dem Risi-Ferrari sogar noch eine Durchfahrtsstrafe erhielt.

Allerdings währte die Führung des Flying-Lizard-Porsche nur kurz. Beim Überrunden leistete sich Bergmeister einen folgenschweren Fehler, indem er sich im dichten Verkehr beim Anbremsen der Zielkurve drehte. Auberlen ging mühelos an seinem Konkurrenten vorbei und übernahm die Spitze in der GT-Klasse. Der Kalifornier übergab den BMW M3 GT wenig auch auf Platz eins liegend an seinen Teamkollegen Dirk Werner, der anschließend die Führung verteidigen konnte.

Graf kontrolliert den Vorsprung

An der Spitze des Gesamtklassements änderte sich in der zweiten Rennhälfte wenig. Graf setzte sich vor Guy Smith und Steven Kane ab, während Gunnar Jeannette als schnellster LMPC-Pilot auf Platz vier einsam seine Runden drehte. In der GT-Klasse fiel die Entscheidung um den Sieg jedoch erst in der Schlussphase.

Denn auch der zweite BMW M3 GT wurde von der Rennleitung mit einer Durchfahrtsstrafe belegt. Werner touchierte beim Überrunden den bis dahin in der GTC-Wertung führenden TRG-Porsche, der sich daraufhin drehte. Aus Sicht der Rennkommissare war dieser Kontakt für den BMW Werksfahrer offenbar vermeidbar, die Bestrafung die logische Folge.

Auberlen beklagt Ungerechtigkeit

Beide BMW M3 GT des BMW Team RLL erhielten Durchfahrtsstrafen Zoom

"Das ist so unfair", meinte Auberlen. "Der Flying-Lizard-Porsche wird für sein Manöver am Start nicht bestraft, aber uns erwischt es gleich zweimal. Damit ist der Sieg dahin. Das tut mir unheimlich Leid für die Jungs im Team, die so gute Arbeit geleistet haben." Tatsächlich fiel Werner durch die Stop-and-Go-Strafe auf Platz drei zurück, unmittelbar vor seinem Markenkollegen Dirk Müller.

Der Sieg ging stattdessen an das Corvette-Duo Oliver Gavin und Jan Magnussen. Platz zwei sicherten sich Jamie Melo und Tony Vilander im Ferrari F468 Italia. Für Magnussen war der Sieg übrigens ein ganz besonderes Geschenk - der Däne feierte am Sonntag seinen Hochzeitsttag.